Wie erlebst du dich und die Welt um dich herum, wenn du in einer Sprechblockade steckst?

Selektiven Mutismus im Erwachsenenalter verstehen – Teil 2

“Wie ist das denn, wenn du nicht sprechen kannst?”
“Hmmm?! Weiß ich auch nicht.”
“Aber du musst doch wissen, warum du nichts sagst.”
“Nö. Weiß ich nicht. Geht eben nicht.”
“Aber wenigstens, wie du dich dabei fühlst, musst du doch wissen.”
“Nö. Keine Ahnung. Irgendwie anders halt…”
“Und wie soll ich dir dann helfen, wenn du nicht weißt, was mit dir los ist?”

Du fühlst dich im Stich gelassen. Das ist verständlich.
Und auf die eine oder andere Weise gibt’s solche Dialoge immer wieder, wenn Leute Unterstützung anbieten möchten, aber nicht wissen, was sie tun sollen.

Die Person, die wissen möchte, was sie für dich tun kann, fühlt sich unbeholfen. Sie würde gerne auf dich eingehen, aber sie hat keine Ahnung davon, was in dir vorgeht. Und sie fühlt sich hilflos – das ist ebenfalls verständlich.

Du fühlst dich auch hilflos. Und das ist nicht weniger verständlich. Denn wenn du es erklären könntest, wäre vieles um einiges leichter.

Damit du jemandem sagen oder zeigen oder schreiben kannst, wie es dir geht, müsstest du es erst mal für dich selbst in Worte fassen können. Denn “verständnisvoll” kann nur jemand reagieren, der – zumindest ansatzweise – versteht, was los ist. Und wenn du dir selbst Verständnis entgegenbringen willst, ist ebenfalls ganz wesentlich, dass du dich selbst verstehst.

Das Problem ist: Für dich ist es einfach nur normal, dass die Blockade kommt und geht. Das war schon immer ein Teil deines Lebens. Alltag eben. Schwer zu beobachten, weil du gar keine Idee hast, worauf du achten könntest…

Ich habe ein paar Aspekte gesammelt, die du bei dir selbst beobachten kannst, um dahinter zu kommen, was bei dir anders ist, wenn die Blockade da ist.

Sei neugierig. Sei ForscherIn in eigener Sache. Sei interessiert an dem, was du erlebst.
Aber sei nicht zu perfektionistisch dabei. Dich selbst zu beobachten ist nichts, was du “perfekt” oder auch nur “richtig” machen kannst. Das einzige Ziel ist, dass du dich etwas besser verstehst. Und vielleicht ein paar Worte für das findest, was du erlebst, während du schweigst.
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Du hast also Sprechblockaden – aber was, bitteschön, bedeutet das ganze “Fachchinesisch”?

Selektiven Mutismus im Erwachsenenalter verstehen -Teil 1

Machen wir uns nichts vor. Die medizinische Sprache IST schwierig. Schon allein deswegen, weil sie ausschließlich aus Fremdwörtern besteht – und weil diese Fremdwörter immer irgendwelche ganz speziellen Bedeutungen haben, auf die man von selber niemals kommen würde…

Darum rede ich am liebsten ganz unmedizinisch von “Sprechblockaden”. Ich denke, was das bedeutet, weißt du genau so gut wie ich. Darunter verstehen wir das Still-Sein, das wir eigentlich nicht wollen, aber mit dem Willen nicht verhindern können.

Trotzdem ist “Mutismus” ein Wort, an dem kein Weg vorbei führt, wenn dich deine Sprechblockaden stören und du dir Hilfe deswegen suchst. Denn sobald deine Störung therapeutisch behandelt wird, kommt das medizinische Fachchinesisch auf dich zu.

Wir sollten also einige Fachbegriffe klären…

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Du bist nicht einfach nur “still” in einer Sprechblockade

Vielleicht hast du den Spruch auch schon mal gelesen (oder sogar selbst auf Facebook mit deinen Freunden geteilt):

Wenn du still bist, verstehen dich nur Menschen, die dich fühlen.

Das ist gut beobachtet.

Beispiel:
Du unterhältst dich bestens in einer geselligen Runde mit allen um dich herum. Ihr habt richtig Spaß miteinander. Alles passt.
Und während du dich pudelwohl fühlst, entscheidest  du dich, eine Weile nichts zu sagen.
Dann liegt es an den anderen, ob sie sich empathisch in dich hineinfühlen möchten oder nicht.
Wer dann mit Empathie hinspürt, der kann in so einer kommunikativen Situation eine Menge von dir erfahren, ohne dass es dafür Worte braucht.

Oder:
Du sitzt deinem Herzensmenschen gegenüber und ihr könntet stundenlang entspannt miteinander plaudern. Ihr seid euch richtig nah – also vom Gefühl her. (Und körperlich womöglich auch.)
Wenn ihr dann für einen besonders innigen Moment in stiller Übereinkunft auf’s Reden verzichtet, dann könnt ihr wahrscheinlich in diesem Schweigen mehr von einander wahrnehmen, als ihr euch mit vielen Worten sagen könntet. Dann versteht ihr euch still, weil ihr euch fühlt.

Aber der gleiche Spruch ist völliger Quatsch, sobald eine Sprechblockade die Ursache für das Still-Sein ist. Die von der Blockade erzwungene Sprachlosigkeit können andere Menschen nicht verstehen – und es ist völlig egal, wie empathisch sie sind und wie sehr sie hinspüren möchten.

Denn in einer mutistischen Blockade bist du nicht einfach nur “still”. Du bist “weg”.

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Den Hintern endlich wirklich hochkriegen ist das Ziel – aber was, wenn du nicht aus der Komfortzone kommst?

Du hast also bereits die Motivation entdeckt, erste (vernünftig kleine) Schritte gemacht und dir Unterstützung gesucht. Das ist eine ganze Menge. Respekt!

Jetzt gibt’s da aber ein neues Problem: Es zieht dich mit aller Kraft rein in die Komfortzone.

Halt, Sommer, bleib doch noch ein wenig...

Je mehr du du dich anstrengst, auf dein Ziel hin zu arbeiten, desto mehr möchtest du dich zurückziehen und es dir einfach machen. Und überhaupt – warum muss man sich denn immer überwinden, um an sein Ziel zu kommen?

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Wenn die Motivation weit, weit weg ist….

Du kennst das, da bin ich sicher:

Da ist diese eine Aufgabe.
Und sie ist da schon seit Wochen.
Du weißt, dass du sie machen müsstest.
Genauer gesagt weißt du, dass kein Weg daran vorbeiführt.
Du musst sie machen. Früher oder später. Also, irgendwann mal…

Die Aufgabe ist da. Und es fühlt sich an, als ob sie dich vorwurfsvoll anstarrt.
Also schaust du vorsichtshalber nicht mehr hin. Dann siehst du sie nicht.
Wenn du sie nicht mehr siehst, könnte sie sich ja einfach in Luft auflösen. Irgendwie…

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Gedichte vom Schweigen

Dieser Beitrag erschien erstmals am 18. August 2014 im Stille-Stärken-Blog.

Heute habe ich ihn neu hervorgeholt, weil Janne Jesse die hier vorgestellten Gedichte in einen Buch zusammen mit 30 weiteren Gedichten und 22 eigenen Illustrationen veröffentlicht hat.

Im Buch „Tintenstimme: Gedichte aus dem Schweigen“ (Link zu Amazon) vermittelt Janne ihren Lesern ein Gefühl für ein Leben mit Sprechblockaden. Ihre Reime vermitteln, was mit vielen Worten kaum auszudrücken ist. Eine Gratwanderung zwischen Sprechen und Schweigen.

Schon am ersten Tag, nachdem ich Stille-Stärken.de online gestellt hatte, kam eine E-Mail. Janne hatte meine ersten Texte entdeckt und mir sofort über das Kontaktformular geschrieben.
Sie hat mir nicht nur durch ihr positives Feedback ganz viel Motivation für weitere Texte gegeben, sondern sie hat mir gleich noch ein paar von ihren wunderbaren Gedichten geschickt.

Janne ist eine junge selektive Mutistin. In ihren Gedichten mag ich die Verbindung von Kraft und Verletzlichkeit – zwei Qualitäten, die zu einer außergewöhnlichen Stärke werden, wenn sie vereint sind.
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Nur ein Wort

Wir alle sind „Wortbesitzer“.

Manche Wörter gehören einfach so sehr zum Ich-Sein dazu, dass uns gar nicht in den Sinn kommt, es könnte anders sein.

Mein Wort war „still“. Es war schon immer da… Jedenfalls so lange ich mich erinnern kann.

„Still“ und ich – das habe ich viele Jahre lang als untrennbare Einheit empfunden. Deswegen konnte ich mir auch sehr lange nicht vorstellen, wie ich daran etwas ändern könnte.

Wenn ich mich in meinen ältersten Erinnerungen sehe, sehe ich mich still. Und ich habe das Gefühl, dass ich damit sehr zufrieden gewesen bin.

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