Bist du wirklich zu still?
Zu still, zu zurückhaltend

Bist du „zu still“? Oder bildest du dir das nur ein?

Ich kannte mal eine junge Frau, die hatte eine ziemlich geschwätzige innere Stimme. Und diese innere Stimme wiederum führte pausenlos ungefähr folgenden inneren Monolog:

“…wenn du nur so wärst wie alle anderen, dann wärst du genau richtig.
Aber weil du nicht so bist wie die… Da muss doch etwas mit dir nicht stimmen.
Du bist eben zu still. Geradezu peinlich, wie du stundenlang zuhörst, ohne auch mal was zu sagen..
Alle sind gesprächig, wenn du sie triffst. Manche sind sogar ziemlich nervtötend in ihrer Gesprächigkeit. Und oft auch irgendwie übertrieben gut drauf.
Nur du, du bist immer so bedächtig. Zu langsam. Und laaangweilig.
Bis du mal etwas sagst, musst du es dreimal durchdacht haben. Mindestens. Und in einer Gesprächsrunde ist längst wieder ein anderes Thema dran, bis du endlich weißt, was du beitragen könntest.
Dann ärgerst du dich über mich selbst. Und kriegst eine Weile gar nicht mehr mit, worüber eigentlich gesprochen wird. Das ärgert dich dann noch viel mehr. Lieber Himmel…!
Wenn du anders wärst, wärst du genau richtig. Aber so, wie du bist, wird das nie mehr was mit dir.
Du denkst aber auch oft so einen Quatsch. Wenn die anderen wüssten, was in deinem Kopf alles vorgeht, dann würden sie erst recht denken, dass etwas mit mir nicht stimmt.
Meine Güte! Wenn die wüssten, wie viel Unsinn dir jeden Tag durch den Kopf geht… Wahrscheinlich ist es echt besser, dass du so wenig von dir sprichst.
Kein Wunder, dass in deinem Leben nichts so ist, wie du es dir in deinen heimlichen Träumen ausmalst.
Wenn du nur ganz anders wärst. Dann wäre alles ganz einfach.
Aber so…”

Die innere Stimme war sehr überzeugend. Also war sich die junge Frau in einem Punkt völlig sicher:

“Anders” ist besser. Egal wie – sie müsste ganz anders werden, damit sie sich selbst mögen könnte.
(Und damit die innere Stimme endlich mal die Klappe halten würde.)

Es gab dabei ein Problem: Die junge Frau hatte nicht den Hauch einer Ahnung, wie “Anders” wirklich war. (Und ihre innere Stimme auch nicht.)
Und so blieb “anders werden” ein unerreichbares Hirngespinst. Jahrelang.

Wenn ich anders wäre, wäre ich richtig

Diese junge Frau war ich.
Als ich fünfzehn war – und als ich zwanzig war – und als ich fünfundzwanzig war immer noch.

Dann, endlich, habe ich etwas geändert. Ich habe nicht mehr nur davon phantasiert, wie toll ich “Anders” sein könnte. Sondern ich habe angefangen, Fragen zu stellen. Ganz konkret. An echte andere Menschen.

Ich habe zum Beispiel Menschen gefragt, ob sie sich selbst für “genau richtig” halten. Und, große Überraschung: Niemand findet sich selbst rundum richtig, so wie er/sie ist.

Oder ich habe gefragt, was “die Anderen” am liebsten an sich selbst ändern würden. Und Leute, die sich selbst für “zu still” hielten, wünschten sich, weniger still zu sein. Wohingegen Leute, die sich für “zu aktiv” hielten, gerne mehr Ruhe und Bedächtigkeit ausgestrahlt hätten. Alle wollten anders sein als sie sind.

Oder ich habe gefragt, was Leute an sich nicht mögen. Und sie nannten meistens genau den Charakterzug, der sie am meisten als Person ausmachte. Also das, was mir als “ganz typisch” in Erinnerung geblieben war, wenn ich jemanden länger nicht getroffen hatte.

Stell doch mal dein „zu still sein“ in Frage

Fragst du dich auch dauernd: “Warum in aller Welt bin ausgerechnet ich so zurückhaltend? Warum bin ich nicht so, wie die anderen sind?”

Das kenne ich.

Ich habe mich das viele Jahre lang gefragt – bis ich endlich akzeptiert habe, dass diese Art von Fragen mich nicht weiterbringen.

Irgendwann habe ich den Spruch “Sei du selbst, lass die anderen anders sein” zu meinem Lieblingsspruch gemacht. Denn wenn die Anderen nicht anders als ich wären, wären sie ja nicht “die Anderen”.

Möchtest du die Überzeugung „Ich bin zu still“ mal in alle Einzelteile zerpflücken?

Ich gebe dir einige Fragen – und ich bin fast sicher, dass dir an einigen Stellen eine neue Sichtweise ins Bewusstsein fallen wird. Ein „Einfall“ im allerbesten Sinne des Wortes…

„Ich bin zu still“ – für wen? Für wen nicht?
„Ich bin zu still“ – in welcher Situation? In welcher Situation nicht?
„Ich bin zu still“ – für was? Für was nicht?
Im Vergleich wozu bist du „zu still“?
Im Vergleich mit wem bist du „zu still“?
Warum änderst du es nicht? Warum bist du „zu still“, obwohl du es lieber nicht wärst?
Wie wärst du denn, wenn du nicht mehr „zu still“ wärst?
Wer wärst du, wenn du anders wärst?
Wie würdest du einer anderen stillen Person erklären, was du unter „zu still“ verstehst? Wie würdest du es einer sehr direkten, aufbrausenden Person erklären?
„Du bist zu still“ – hat dir das schon jemand so gesagt? Oder ist es etwas, das von deiner inneren Stimme gesagt wird?
Gibt es Themen, Momente, Situationen oder Personen, bei denen du nicht „zu still“ bleiben kannst?
Magst du es, wenn andere Menschen zurückhaltend sind? Warum? Oder warum nicht?
Magst du es, bei intensiven Diskussionen dabei zu sein? Warum? Oder warum nicht?
Was gefällt dir an Menschen, die im direkten Kontakt intensiv und wortgewaltig sind? Was nicht?
Bedeutet „zu still“ immer etwas negatives?
Wer wärst du, wenn „zu still“ sein kein Teil deines Wesens wäre?

Was genau empfindest du als ZU still?

Es gibt ja keine Vorschrift, die besagt, wie sehr du dich bemerkbar machen musst, damit du nicht zu still bist. Und es gibt auch keine “Zeig-Dich-Polizei”, die überwacht, dass niemand zu unscheinbar wird. Es gibt nicht mal konkrete Regeln, um festzustellen, wann jemand als zurückhaltend, ruhig oder introvertiert bezeichnet werden kann.

1. IST MAN ZU STILL, WENN MAN NICHTS SAGT?

Es gibt erstaunlich viele Zitate, die in den sozialen Medien gerne geliked und häufig geteilt werden und davon handeln, dass Schweigen besser ist als Reden.

Ein paar Beispiele:

Der Leise hat eine starke Stimme.

Aus China

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.

Deutsches Sprichwort

Aus der Stille werden die wahrhaft großen Dinge geboren.

Thomas Carlyle (1795 – 1881)

Das klingt nicht unbedingt so, als ob es verkehrt wäre, still zu sein.

(Zugegeben: Es gibt mindestens ebenso viele gern geteilte Zitate, die das Gegenteil propagieren. Es ist halt – wie alles im Leben – Geschmackssache…)

2. IST MAN ZU STILL, WENN MAN NICHTS DENKT?

Meditation – also das gezielte Still-Werden der Gedanken – ist ein großer Trend. Wenn erfolgreiche Menschen nach ihren Erfolgsgeheimnissen befragt werden, ist die Meditation ein sehr häufig genanntes Rezept.

Es scheint also nicht verkehrt zu sein, wenn die Gedanken still sind.

3. IST MAN ZU STILL, WENN MAN NICHTS MACHT?

Es gibt einige Modewörter, die den Zustand von “nichts machen” beschreiben.
Rumhängen.
Abhängen.
Relaxen.
Chillen.
Chillaxen.
Kann ja alles nicht so verkehrt sein…

4. IST MAN ZU STILL, WENN MAN EINFACH NUR GERNE DABEI IST, STATT MITTENDRIN ZU SEIN?

Wenn du mich fragst, war “Mittendrin statt nur dabei” vor zwanzig Jahren ein netter Werbespruch eines Fernsehsenders.
Als Lebensweisheit taugt er aber nicht.

Es gibt immer Menschen, die gerne dabei sind und ungerne im Mittelpunkt stehen. Und das ist überhaupt kein Problem, weil im Mittelpunkt eh nicht für alle Platz ist.

Da es keinen allgemeingültigen Maßstab gibt, findet letztlich jeder sein eigenes Maß.
Das kann durchaus von Situation zu Situation und von Tag zu Tag anders sein.

TATSACHE IST:

Man ist nicht entweder still oder nicht.
Wir alle sind mal mehr und mal weniger ruhig.

Und weil wir alle bei uns selbst viel kleinlicher und mäkeliger sind als bei allen anderen Menschen, frage ich jetzt mal so:

Was ist dein persönliches Maß für “zu still” bei den Menschen um dich herum?
Wann findest du, dass eine andere Person wirklich “mehr aus sich herausgehen” müsste?
Was müsste diese Person machen, damit sie dich mit ihrem “zu still sein” so richtig auf die Palme bringt?

Ich weiß, was du an dir „zu still“ findest

Du vergleichst dich mit einer Persönlichkeit, die so ganz anders ist als du. Immer mittendrin, immer in Action, immer scharfsinnig und charismatisch und am Diskutieren, immer wortgewandt und unterhaltsam.

Es gibt solche Menschen. Sie sind vergleichsweise selten, aber sehr speziell und daher ziemlich auffällig. Denn sie sprühen vor Energie und Esprit und überhaupt… Und sie sind definitiv unüberhörbar.

Aber mal angenommen, du müsstest die nächsten 24 Stunden in einem geschlossenen Raum ununterbrochen mit einem Menschen zusammen sein, der genau so ist…

Wie fändest du das?

Weißt du, was ich glaube?

Du bist nicht „zu still“, sondern genau richtig. Einfach nur, weil du du bist.
Aber deine Idee davon, wie du „genau richtig“ bist, könnte ein Update vertragen.

Du hast so viele Stärken. Die sind alle bereits da. Und dein zurückhaltendes Wesen ist ein Teil davon. Denn genau diese Kombination aus deinen Fähigkeiten, Möglichkeiten und Eigenheiten hat kein Anderer. Nur du!

Wenn du anders wärst, wärst du nicht mehr du!

Und das wäre ganz enorm schade.

Das heißt nun nicht, dass du dich nicht weiterentwickeln darfst. Das ganze Leben ist ja im Grunde nur dazu da, dass du immer mehr von deinen Stärken zeigst, damit die Bereiche, in denen du noch keine Stärken entwickelt hast, eine geringere Rolle spielen.

Stärken (die schon da sind, aber noch mehr Potenzial mitbringen) weiterzuentwickeln ist eine großartige Idee. Und ich bin überzeugt, …

Nein, ich bin nicht nur überzeugt. Ich weißt ganz genau, dass du auf deine stille Weise unendlich viele Stärken und Potenziale besitzt.

Also:

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine

Christine
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Zu still, zu zurückhaltend

Auf Reisen: Das Hotel-Frühstücks-Ritual

In den nächsten Wochen beginnt wieder die Haupt-Reisezeit. Menschen verbringen ihren Urlaub im Hotel, um mal etwas anderes zu sehen und zu erleben – und um sich rundum zu entspannen. Und ich freue mich auch schon darauf, demnächst in einem schönen Hotel eine Woche lang zu urlauben. 🙂

Wenn ich mich so zurückerinnere, waren Übernachtungen im Hotel für mich lange Zeit mega-unentspannend. Nicht nur, dass ich dort in einer ungewohnten Umgebung zwischen lauter mir unbekannten Gästen wohnen sollte… In Hotels gibt es auch gewisse Abläufe, die immer gleich (und daher für mich immer irgendwie fremd) verlaufen.

Der Reiseprofi genießt natürlich, dass er auf der ganzen Welt im Hotel immer ähnliche „Standards“ erwarten kann. Ich habe mich hingegen lange vor Hotelübernachtungen gedrückt (und dabei ein paar Alternativen ausprobiert), weil mir gerade diese Standardsituationen, die für alle anderen Hotelgäste völlig selbstverständlich zu sein schienen, extrem unangenehm waren.

Das Frühstück empfand ich immer als besonders schwierig. Das hängt sicher damit zusammen, dass ich morgens extrem viel Zeit brauche, bis ich wach genug bin, um Menschen entspannt zu begegnen. Mit „extrem viel Zeit“ meine ich, dass ich schon gerne zwei Stunden für mich hätte zwischen der ersten Tasse Kaffee und dem ersten Gespräch.

In aller Ruhe frühstücken im Hotel? – Fehlanzeige!

Egal, wie zeitig ich aufstehe – irgendwann muss ich doch in den Frühstücksraum, wenn ich Kaffee haben will. 🙂

Damit beginnt das Hotel-Frühstücks-Ritual. Und das geht so:

Auf dem Weg nach unten und durch die Lobby wünscht man allen Leuten, denen man begegnet, „Guten Morgen“. Und auch die Rezeptionistin ruft ein dezentes „Guten Morgen“ über den Empfangstresen. Es reicht, als Antwort jeweils ein „Guten Morgen“ entgegenzumurmeln – wobei ein schnelles Lächeln dazu natürlich auch nichts schadet. 🙂

Ich weiß ja nicht, wie‘s dir geht. Aber ich finde es ziemlich anstrengend, einen Frühstücksraum voller Leute zu betreten und mir den richtigen Platz auszusuchen. Deswegen bin ich gern möglichst früh dran, damit ich einen Platz finde, an dem ich mich wohl fühle. Dazu gehört, dass möglichst hinter mir niemand sitzt und dass ich einen guten Überblick habe.

Kurz gesagt: „Mit dem Rücken zur Wand“ finde ich als Sitzplatz sehr angenehm.

Kaum hat man den Raum betreten, steht auch schon die Frühstücks-Servicekraft da. Nach dem „Guten Morgen“ möchte sie wissen, welches Heißgetränk sie bringen soll – und welche Zimmernummer man hat. Danach verschwindet sie sofort wieder, um mir – endlich! – meinen ersehnten Kaffee zu organisieren.

Damit ist mein Bedarf an Gespräch für diese Tageszeit auch gedeckt. Und glücklicherweise kommen im weiteren Frühstücksritual keine größeren Dialoge mehr vor. 🙂

Ich nehme mir Zeit. Schaue mich im Raum um. Schaue den Leuten zu, die bereits am Buffet zugange sind. Und genieße meine erste Tasse Kaffee.

Während ich so beobachte, kriege ich mit, wo man seinen Teller am Buffet nimmt und in welcher Richtung die meisten Gäste die angebotenen Speisen einsammeln. Und während das erste Koffein endlich da ankommt, wo es frühmorgens in meinem Körper dringend erwartet wird, bekomme ich langsam Lust darauf, mir etwas zu Essen zu holen.

Ich gebe es gerne zu. Ich fühle mich an Buffets immer ziemlich unbeholfen und es kommt mir vor, als würden mich alle beobachten, während ich mal wieder nicht schaffe, die Käsescheibe mit dem Vorlegebesteck so auf den Teller zu transferieren, dass das halbwegs elegant wirkt.

Dazu gibt es zwei Dinge zu sagen:

Erstens habe ich meinerseits während meines ersten Kaffees auch die Leute am Buffet beobachtet – ich sollte mich also nicht beklagen, falls mir nun auch jemand zusehen sollte. (Wobei die meisten Menschen sich eher mit essen und reden beschäftigen und eh nichts mitkriegen.)

Und zweitens ist es nach meiner Beobachtung völlig normal, dass man mit dem Teller in der einen und der Vorlegegabel in der anderen Hand manchmal eine etwas ungeschickte Figur abgibt. Das ist nicht zu vermeiden – und niemand denkt sich etwas dabei, wenn der Käsescheiben-Balanceakt mal einen zweiten Anlauf braucht. Es ist einfach jedem schon mal passiert.

Das gleiche gilt für Gebäckzangen-Probleme, Butterstück-Transfer oder die Orangensaft-Karaffe, die bauartbedingt immer kleckert…

So ein Buffet hat seine Tücken. Und alle Gäste im Frühstückraum können aus eigener Erfahrung nachempfinden, dass da schon mal was schiefgehen kann.

Ich weiß, dass dieses Wissen das ungute Gefühl während der Speisensammelei nicht leichter macht. 

Mein Trick: Ich gehe öfter ans Buffet.

Was auf den ersten Blick merkwürdig erscheint, ist für mich so richtig sinnvoll.

  1. Ich bin jedesmal nur relativ kurze Zeit am Buffet – das gibt mir das Gefühl, dass ich nicht so viel Aufmerksamkeit auf mich ziehe.
  2. Wenn die Käsegabel-Sache umständlicher als nötig abläuft, kann ich mich anschließend wieder setzen und erst mal meinen Käse essen, während sich mein Stress wieder legt. Dann mache ich entspannt(er) den nächsten Anlauf und probiere vielleicht doch lieber die Müsli-Ecke aus.
  3. Ich lerne das Buffet nach und nach von allen Seiten kennen und kann mich bei jedem Gang neu entscheiden, worauf ich noch Lust hätte.
  4. Der vielleicht wichtigste Aspekt: Ich bekomme in kurzer Zeit mit möglichst geringem Stress viel Übung mit den Frühstücks-Gepflogenheiten. Und weil die in fast allen Hotels enorm ähnlich ablaufen, werde ich mit jedem Frühstück mehr zur „Expertin“.

Da ich sehr zeitig da war – um mir den genau richtigen Platz auszuwählen – habe ich auch sehr viel Zeit für mein gemütliches Frühstück. Und weil ich meine Herausforderungen winzig klein mache, kann ich es wirklich genießen.

Es ist völlig in Ordnung, dass ich während des Frühstücks – vorsichtig ausgedrückt – ein wenig einsilbig bin.
Wer mit mir zusammen verreist, weiß, dass ich jede Menge Zeit (und Kaffee) brauche, bevor ich Lust auf eine ausgiebige Unterhaltung habe. Und wer mich nicht kennt, dem ist es eh egal.

Früher habe ich das Hotel-Frühstücks-Ritual so anstrengend gefunden, dass ich manchmal lieber ganz auf‘s Frühstücken verzichtet habe. Heute weiß ich: Ich darf es mir leicht machen. Ich kann ein kleines Schrittchen nach dem anderen machen. Ich kann es genießen, mich immer wieder an meinen Platz zurückzuziehen und die anderen Gäste zu beobachten. 😉

Wenn du aber das Gefühl hast, dass es dir die Urlaubsfreude zu sehr vermiest, wenn du morgens für dein Frühstück in einen Raum mit vielen fremden Leuten gehen musst, dann schau dich doch mal nach einer Ferienwohnung oder einem Apartment um. Manchmal gibt es auch in Hotels Zimmer, die neben dem Kühlschrank auch eine winzige Kochgelegenheit oder wenigstens einen Wasserkocher und ein paar Teebeutel bieten – so kannst du notfalls mal im Zimmer frühstücken und ohne Frühstücks-Stress in deinen Urlaubstag starten.

Wobei ich ja schon sagen muss: So ein schön hergerichtetes Frühstücksbuffet hat was. Während ich im Alltag immer die gleiche Morgenmahlzeit esse, genieße ich es enorm, wenn ich im Hotel dieses vielfältige Angebot habe und mir, so oft ich mag, die unterschiedlichsten Sachen holen kann.

Mein Hotelfrühstück dauert schon mal eineinhalb Stunden.
Und ich bin anschließend nicht nur absolut satt, sondern auch endlich ausreichend wach, um in meinen Urlaubstag zu starten. 🙂

Sag mal, was sind eigentlich deine Herausforderungen beim Verreisen?
Lass mir doch einen Kommentar da…

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine

Christine
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Zu still, zu zurückhaltend

24 Stille Stärken

Mal angenommen, du würdest in den nächsten 24 Tagen jeden Tag eine Stärke von dir entdecken – was würde dir da alles einfallen?

 Ich habe darüber nachgedacht.
Was für Stärken haben Stille Menschen?
Welche Eigenschaften sind erst auf den zweiten Blick eine Stärke?

Folgende Stille Stärken sind mir dabei eingefallen:

  • Dinge durchdenken
  • Akribie, Genauigkeit
  • Abstand zum Geschehen einnehmen
  • Genießen
  • Schreiben, Texten
  • Wissenslust
  • Alleinsein können und wollen
  • Intuition, Bauchgefühl
  • Gerechtigkeitsempfinden
  •  breites Allgemeinwissen
  • Sinn für Schönheit
  • Kreativität
  • Interesse an verschiedenen Wissensgebieten
  • Fokus
  • Glaube an eine höhere Macht
  • Logik
  • Naturverbundenheit
  • (kunst-)handwerkliches Geschick
  • Tiefgründigkeit
  • Freiheitsdrang
  • Aufmerksamkeit für mögliche Schwierigkeiten
  • Ruhe
  • Loyalität
  • Sicherheitsbewusstsein
  • Einfühlsamkeit
  • Nachhaltigkeit
  • Eigenständigkeit, Unabhängigkeit
  • ehrliches Interesse
  • Träumen
  • Sensitivität für Zwischentöne und subtile Wahrnehmungen
  • Detailverliebtheit, Präzision
  • Gestalten
  • Ausruhen und Energie in der Ruhe tanken
  • Nachdenken und die Ergebnisse mitteilen (statt „Sprechdenken“)
  • Sachlichkeit
  • Lesen, Lernen
  • Verlässlichkeit
  • Ideenreichtum
  • Ehrlichkeit
  • Authentizität
  • Innere Distanz zu Konflikten, zu Auseinandersetzungen und zu Problemstellungen anderer
  • Beharrlichkeit, anhaltende Willenskraft

Gut möglich, dass du bei vielen Vorschlägen ganz automatisch gedacht hast:
Stimmt doch gar nicht!

Es ist ganz normal, dass du manche Stärke aus dieser Liste einfach nicht besitzt. Niemand muss alle Stärken haben – unsere Unterschiedlichkeit macht uns schließlich zu etwas Besonderem.

Es könnte aber auch sein, dass sich bei dir ganz automatisch Widerstand regt, obwohl du dich eigentlich sehr angesprochen von dieser Stärke fühlst – aber du hast dir bisher nicht erlaubt, sie bei dir zuzulassen und zu entwickeln.

Vielleicht hast du ja Lust, die nächsten Tage jeweils unter das Motto einer der Stärken zu stellen und zu schauen, ob du dich damit anfreunden möchtest.

Ich bin mir sicher, dass es noch eine ganze Menge mehr Stille Stärken gibt und ich freue mich, wenn du meine Liste ergänzt (oder mir schreibst, was deiner Meinung nach nicht dazupasst).

Was fehlt noch?
Wovon fühlst du dich besonders angesprochen?
Lass mir bitte einen kurzen Kommentar da.

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine

Christine

PS: Es sind dann doch viel mehr als 24 Vorschläge geworden auf meiner Liste – und ich habe schließlich aufgehört, obwohl mir plötzlich unglaublich viel eingefallen ist.
Wenn du magst, schreib doch mal für dich selbst in einer Art „Stärken-Brainstorming“ alle Stärken auf, die dir so einfallen – also nicht solche, die du dir selbst zuschreibst, sondern einfach alles, was dir an guten Eigenschaften und Fähigkeiten einfällt oder gefällt.
Leg die Liste für eine Weile beiseite. Und schau dir ein wenig später ganz in Ruhe an, was du dir ausgedacht hast. Wenn dir eine Stärke gut gefällt und du sie bisher noch nicht hast, könntest du einen Tag mit ihr verbringen… – siehe oben.

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Zu still, zu zurückhaltend

Raus aus der Komfortzone???

„Geh doch endlich mal raus aus deiner Komfortzone!“

Das erinnert mich an den Satz, den ich auch schon öfter gehört habe: „Komm doch mal raus aus deinem Schneckenhaus.“ Oder auch: „Du solltest echt mehr aus dir rausgehen.“

Das klingt so, als ob es genau zwei Optionen gibt – und drinnen bleiben ist die falsche.

Entweder – oder. Oder?

Entweder man ist in der Komfortzone. Dann tut man nix, sondern liegt auf der faulen Haut. Am Ende des Tages hat man das Internet durchsurft oder das komplette Fernsehprogramm durchzappt oder einen Liebesroman durchschmachtet.

Oder man ist außerhalb der Komfortzone. Das ist da, wo die Action abgeht. In den Adern pumpt das Adrenalin nur so. Fallschirmsprung oder Freihandklettern oder Flirtseminar. Und am Ende des Tages hat man wirklich etwas zu erzählen.

Weißt du was?
Das ist Blödsinn.

Das wahre Leben passiert immer in der Mitte.

Irgendwo zwischen „erst gar nicht aus dem Bett aufstehen“ und „den Mount Everest ohne Sauerstoffgerät besteigen“ ist dein Alltag.

Und das ist, wo die nachhaltige Veränderung passiert.

Was heißt denn hier „Komfortzone“?

Es ist kaum zu glauben, aber Wikipedia hat dafür keine Definition zu bieten.

(„Komfortzone“ ist der allererste Begriff, den ich dort nicht gefunden habe – bemerkenswert.)

Und so nehme ich relativ wahllos den ersten Treffer meiner Suchmaschine. Da heißt es dann:

„…der Bereich, in dem sich Menschen sicher fühlen, sich wohlfühlen, wobei damit das Umfeld gemeint ist, das man kennt und gewohnt ist. Die Komfortzone endet dort, wo Überwindung oder Anstrengung beginnen und es nicht mehr bequem ist.“

Der gesunde Menschenverstand behauptet, dass man draußen sein muss, um etwas zu verändern. Denn drinnen ist man ja die ganze Zeit, und es ändert sich nix.

Das Beispiel mit der Couch

Ich sitze auf der Couch und weiß, dass sich etwas ändern könnte, wenn ich aufstehen und rausgehen würde. Und während ich darüber nachdenke, werden ich wie magnetisch immer stärker vom Sofa angezogen.
Ich glaube, irgendetwas ist an der Gravitation kaputt, die wird immer stärker! Ich kann beim besten Willen nicht aufstehen, rausgehen und etwas ändern!

Du kennst das – je länger man nachdenkt, desto verlockender wird es, NICHT aufzustehen.

Veränderung passiert eher nicht auf der Couch, das ist klar.
Und sie passiert auch nicht, wenn wir von vornherein wissen, dass wir die Couch nicht verlassen werden.

Ersteres ist okay. Es bleibt ein netter Tagtraum, dass alles anders sein könnte. Tagträumerei kann ein hübsches Hobby sein.
Genieße deine Tagtraum-Zeiten – und mach dir klar, dass der Traum für’s erste keine Realität wird. Er ist ein Zeitvertreib.

Blöd ist, wenn du dich dafür verurteilst, dass es beim Tagtraum bleibt. Dann fühlst du dich, während du auf der Couch liegenbleibst, permanent schuldig für alles, was du gerade nicht tust.

Das ist energieverzehrender Unfug.

Lass es!

Auf der Couch zu träumen ist eine Entscheidung. Es ist die Entscheidung, ganz im Zentrum der Komfortzone herumzuliegen und die Phantasie auf die Reise zu schicken. Und das ist nicht verboten.

Einen Traum zu haben ändert nichts – aber es schadet auch nichts.

Aus Flugzeugen springen

Natürlich kannst du die Komfortzone verlassen. Du kannst jederzeit das gewohnte Umfeld verlassen und dahin gehen, wo es nicht mehr bequem ist. Damit zwingst du dich zu Veränderungen.

Du musst zwangsläufig dein Denken ändern, wenn du Neuland betrittst. Und meistens ist auch ein neues Verhalten erforderlich, wenn du dich in ein anderes Umfeld begibst. Gut möglich, dass du sogar Fähigkeiten brauchen wirst, die du sonst selten oder nie einsetzt.

Raus aus der Komfortzone zu springen ist von Zeit zu Zeit eine großartige Abwechslung – wie ein Fallschirmsprung mitten ins Leben. Adrenalin inbegriffen.

Mehr Raum in der Komfortzone

So ein Sprung ist oft eine einmalige Sache. Du planst ihn lang im Voraus, fieberst auf den einen Tag hin, bringst die Aktion unter erheblichem Stress hinter dich, hast ein paar Tage eine tolle Geschichte zu erzählen – und danach ist dein Alltag exakt wie zuvor.

Wenn du eine Veränderung erreichen willst und wenn du möchtest, dass sie ohne Stress und Anstrengung in deinem Alltag bleibt, dann brauchst du mehr Raum INNERHALB der Komfortzone, weil du da drinnen endlos lange bleiben kannst, ohne dich zu überfordern.

Du willst dich nachhaltig verändern?
Bleib da, wo du dich wohl fühlst.
Achte darauf, dass dein Energieeinsatz angemessen (also nicht übertrieben hoch) ist.

Wenn du bisher mit dem Smartphone oder Tablet auf der Couch liegst, und dich jetzt in diesem Moment entscheidest, dich an den Tisch zu setzen und deinen Traum auf ein Blatt Papier zu schreiben, dann ist das bereits eine Veränderung.

Es wird nicht zwangsläufig dein Leben in eine neue Bahn katapultieren, deine Zukunftsideen auf einen Zettel zu schreiben. Wobei…
Ich habe schon öfter nach einigen Monaten einen solchen schnell notierten Traum in meinen Papierstapeln wiederentdeckt und festgestellt, dass er sich mittlerweile „wie von selbst“ erfüllt hatte.

Eines weiß ich ganz sicher: Du wirst nichts dauerhaft verändern, wenn du im ersten Anlauf deine gesamte Kraft aufwendest und danach völlig erledigt wieder auf der Couch landest.

Bleib da, wo du dich wohl fühlst, und fang an, Ideen zu entwickeln

Denn Veränderung ist kein Moment, sondern eine lange Strecke. Und nur, wenn du an jedem Punkt noch Energie übrig hast, wirst du den nächsten Schritt machen.

Indem du entspannt die Ränder der Komfortzone ein wenig ausdehnst und weitest, schaffst du dir nach und nach Raum für etwas größere Veränderungsschritte – und zwar, ohne dass der innere Schweinehund Krawall macht.

Wenn du aus diesem Blogartikel EINE gute neue Gewohnheit mitnehmen möchtest, dann die folgende:

Gehe jeden Tag einmal an den Rand deiner Komfortzone.

Das ist da, wo es anfängt, ungemütlich zu werden (siehe Definition oben). Und dann gehe wieder zurück ins Zentrum deines Wohlfühlbereiches.

Du wirst erleben, dass der Raum größer wird, indem du die Grenzen erkundest.

Fazit:

Nachhaltige Veränderung passiert, wenn die Komfortzone ganz gemütlich größer wird – nicht, wenn man mit Gewalt ausbrechen will.

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine

Christine
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Zu still, zu zurückhaltend

Small Talk – leichter getan als gedacht

Ich weiß, was du denkst.

Du denkst: Die hat leicht reden. Die hat ja nicht meine Probleme… Die kann bestimmt ganz mühelos auf Leute zugehen und sich unterhalten.

Und du hast recht. Ich habe nicht deine Probleme. Ich habe meine eigenen.

Es kostet mich immer noch Überwindung, Leute anzusprechen. Das ist eine Herausforderung, die ich jedesmal auf’s Neue annehme. Und überwiegend bin ich dabei erfolgreich.

Nicht immer. Und wenn es gerade nicht geht, dann lass ich es auch mal.

Aber wenn es geht, dann macht es mir nichts aus. Dann macht es mir oft sogar Spaß. Denn ich mag es, Menschen zu begegnen.

Muss man Small Talk üben?

Wenn du nie in Situationen kommst, wo du mal eben ein paar nette Worte wechseln möchtest oder solltest, dann brauchst den ganzen Small Talk eh nicht. Und dann brauchst du auch nicht zu üben.

Und wenn du selbstbewusst sagst: „Small Talk mag ich nicht, also mach ich keinen!“ – dann brauchst du auch nicht zu üben.

Wenn du dir aber denkst: „Manchmal wär’s echt praktisch, ein kleines, unverbindliches Schwätzchen anzufangen, um ins Gespräch zu kommen“ – dann schadet ein bisschen Übung sicher nicht.

Wie übt man Small Talk?

Darüber habe ich wirklich lange nachgedacht. Und mir ist nicht viel mehr eingefallen, als tatsächlich Gelegenheiten zu suchen, bei denen Small Talk stattfindet – und mitzumachen.

Und über was – verflixt nochmal – redet man dann?

Das Wetter geht immer.

„Was machen Sie so?“ oder „Wo kommen Sie her“ auch.

Wenn jemand eine längere Anreise hatte, ist klassisch: „Hatten Sie eine gute Anreise?“ oder etwas salopper: „Sind sie gut hergekommen?“

Wenn man sich auf einer Veranstaltung trifft, die öfter stattfindet, kann die Frage: „Sind Sie zum ersten mal hier?“ ein Gespräch eröffnen. Und weiter geht es vielleicht mit: „Wie finden Sie die Veranstaltung?“ oder aber mit „Wie war’s denn beim letzten mal?“

Mein Tipp: Aufmerksam beobachten, was der andere anbietet

Ich mache das so:

Ich schaue mir die Leute erst eine Weile an. Dabei überlege ich mir, wer mich interessiert und mit wem ich gerne ins Gespräch kommen würde.

Ich achte darauf, welche nonverbalen Signale ich von der Person bekomme. (Da „Leute beobachten“ eh ein Hobby von mir ist, muss ich mich dazu nicht groß überwinden.)

Manchmal ist das Signal, das ich bekomme, eher: „Ich spiele jetzt gerade mit dem Handy, damit mich keiner anspricht.“ Dann respektiere ich das.
Aber manchmal ist das Signal ein interessierter Blick. Dann lächle ich und nicke und warte, wie es weitergeht.

Wenn mein Kontaktangebot offen angenommen wird, dann gehe ich auf die Person zu.
Und oft ergreift dann der Small-Talk-Partner gleich als erster das Wort. Das ist schön, denn zu antworten fällt mir viel leichter als anzusprechen.
Wenn ich zuerst „dran bin“, dann frage ich etwas ganz banales, naheliegendes.
Eben sowas wie: „Sind Sie auch zum ersten Mal hier?“ oder „Haben Sie gleich hergefunden?“ oder meinetwegen auch „Ganz schön kalt hier, finden Sie nicht auch?“

Und dann nehme ich den Ball auf, denn mir mein Gesprächspartner zuspielt.

Den Ball im Spiel zu halten ist meistens gar nicht so schwer. Und wenn sich zeigt, dass das hin-und-her-spielen nicht recht klappt, ist es auch nicht schlimm. Dann wende ich mich halt einem anderen Gesprächspartner zu.

Denn Small Talk muss nicht krampfhaft ausgedehnt werden. Es geht nur darum, einen kleinen Kontakt aufzubauen.

Und wenn du nur „Hallo“ sagst und wenn der Gesprächspartner nur „Hallo“ antwortet, dann kannst du freundlich lächeln und zu jemand anderem „Hallo“ sagen.

Fazit:

Ich mag Small-Talk, weil ich mit wenigen Worten einen Kontakt eröffnen kann. Und egal, was das Thema ist – ich weiß nach kurzer Zeit mehr über den Gesprächspartner und kann darauf aufbauen. Oder eben nicht.

Und ich mag Small-Talk nicht, weil ich mich meistens zu diesem ersten Kontakt zwingen (oder jedenfalls überwinden) muss. Und weil die Standardfragen und -floskeln oft sehr oberflächlich sind. Ich mag Small-Talk ehrlich gesagt einfach deshalb nicht, weil ich jemanden ansprechen muss, den ich noch nicht kenne – und manchmal ist das schon ziemlich viel verlangt.

Aber alles in allem ist es ein Kontaktritual. Und da ich Kontakt mag, mache ich dann doch mit – auf meine Weise.

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine

Christine
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Zu still, zu zurückhaltend

Small Talk ist wie Pingpong

Du weißt schon. Zwei Menschen mit Tischtennisschlägern. Ein Tisch mit Netz in der Mitte. Eine Plastikkugel, die mit den Schlägern über den Tisch bugsiert wird, so dass sie auf der anderen Tischhälfte mit einem deutlichen Klack einmal aufspringt, bevor sie vom Gegenüber aufgenommen und zurückgespielt wird.

Ping – Pong – Ping – Pong – hin – her – hin – her – oh, hoppla, daneben…
Macht nichts, lass uns weiter spielen.

Pingpong ist nicht Tischtennis!

Beim Tischtennis geht es ums Gewinnen. Es werden Punkte gezählt, scharfe Bälle gespielt, Strategien eingesetzt, die Bälle mit einem Drall gespielt – alles mit dem Ziel, am Ende als Sieger dazustehen. Sogar Doping ist im Tischtennis ein Thema…

Ganze Turniere dienen dazu, den besten Tischtennisspieler auszumachen. Egal, ob wir vom Profisport oder von der Kreis-Liga sprechen.

Was diese Profis da machen, sieht schon irgendwie beeindruckend aus.

Aber ganz ehrlich… Mir wär’s zu hektisch.

Small Talken ist ein gemütliches Bälle hin- und herspielen

Ping – Pong – Ping – Pong – hups, sorry, daneben – Ping – Pong – Ping – Pong – …

Schön, dass wir uns so nett die Zeit miteinander vertreiben können.

Es geht um nichts weiter als um einen Austausch, der beiden Spaß macht. Am schönsten ist es, wenn der Ball möglichst lange im Spiel bleibt und wenn man zu zweit im gemeinsamen Rhythmus spielt.

Man kann es als Beobachter sehen, wenn zwei sich auf diese Weise verstehen und aneinander anpassen. Ihr Spiel sieht dann sehr mühelos und elegant aus. Man merkt, dass sie den Ball einfach laufen lassen.

Keiner gewinnt – alle genießen das Spiel

Ob als Zuschauer oder als Spieler – das unangestrengte Hin und Her wirkt entspannend und harmonisch. Denn es ist völlig klar, dass das einzige Ziel der Austausch ist.

Man sagt oft, es geht um „nichts“. Na ja, es geht jedenfalls um nichts als um ein schönes Spiel, das beide Seiten genießen. Wobei das ja auch schon eine ganze Menge ist.

Es geht definitiv nicht darum, Punkte zu machen und zu gewinnen. Es geht nicht darum, scharfe Bälle zu platzieren. Und es geht nicht darum, den Mitspieler wie einen Gegner zu behandeln.

Gemeinsam den Ball im Spiel halten

Pingpong ist ein Zeitvertreib.

Früher habe ich manchmal die Tischtennisplatte so hingestellt, dass eine Seite des Tisches senkrecht stand. So konnte ich ohne Partner Bälle spielen und sie sind an der senkrechten Platte zu mir zurückgeprallt. Das war okay zum Üben (habe ich mir eingeredet) – aber im Grunde war es stinklangweilig.

Ping – Klack – Ping – Klack – Ping – Klack – Ping – …

Ohne Partner gibt es keinen Austausch. Ohne Partner gibt es keine Überraschungsmomente, keine Spannung, keine Neugier, kein Interesse.

Alleine ist langweilig. Zum Spielen braucht es (mindestens) zwei.

Egal, wie banal das hin- und herspielen erscheint – es verbindet zwei Menschen durch ihre Gemeinsamkeiten.

Small Talk braucht kein Thema und kein Ziel

Jetzt bin ich doch glatt komplett vom Thema abgekommen. Dieser Artikel sollte sich um Small Talk drehen und nicht um Menschen mit Tischtennisschlägern, die Plastikkugeln in Bewegung halten.

Tja, so ist das manchmal. Du folgst einem interessanten Gedanken. Und dann kommt noch eine Idee dazu. Oder ein Aspekt, den du noch nie so gesehen hattest.

Und es macht einfach nur Spaß, die Gedanken spielen zu lassen. Ohne Ziel. Ohne am Ende ein vorgegebenes Ergebnis zu erreichen.

Ich hatte viel Freude, während ich dieses kleine Ping-Pong-Schwätzchen für dich geschrieben habe. Und ich freue mich noch mehr, wenn du mir den Ball in deinem Kommentar zurückspielst.

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine

Christine

PS: Zugegeben, das ist heute ein etwas eigenwilliger Blick auf das Thema Small Talk. In der ersten Folge der Artikelserie hatte ich dazu einige grundlegende Überlegungen angestellt. In Teil 2 ging es um gute Fragen und in Teil 3 darum, den Gesprächsfluss am Laufen zu halten.

Und eine Artikelidee hab ich noch: Im fünften und letzten Small-Talk-Artikel wird es um die praktische Erfahrung gehen…

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Zu still, zu zurückhaltend

Small Talk: Den Fluss am Laufen halten

Ein Gespräch soll laufen – also eigentlich soll es zwischen den Gesprächspartnern munter hin und her plätschern wie ein Gebirgsbach zwischen kleinen und größeren runden Steinen.

Damit es zu diesem mühelos scheinenden Fluss des Gespräches kommt, gibt es ein paar gute Gesprächsmethoden, die ebenso schlicht wie einfach sind…

1. Ich nenne es „soziales Grunzen“

„Hmmm.“ „Mhm.“ „Haaaa.“ „Aha.“ „Mmmm-M.“

Es geht natürlich auch mit Worten: „Spannend!“ „Interessant.“ „Find ich auch.“ „Genau.“ „Okaaaay?!“ „Stimmt.“

Erinnerst du dich noch an Ötzi und Hilda?
Small Talk darf simpel sein. Hauptsache, es fließt…

2. Zurückfragen – Gegenfragen

Es ist eine großartige Idee, eine Frage wie „Was machst du so?“ in ein paar Sätzen zu beantworten und dann die gleiche Frage hinten dran zu setzen: „Und was machst du?“

Nein, das ist nicht zu einfallslos. Das ist Small Talk.

Eine Variation dazu ist, die Frage umzukehren. Also im Sinne von: „Wieso fragst du – machst du das denn nicht so?“
Das klappt prima bei Warum-Fragen – wobei „Warum?“ nicht unbedingt eine förderliche Frage für guten Small Talk ist. Wenn dein Gesprächspartner davon aber keine Ahnung hat und trotzdem von dir wissen will, warum, dann frag ihn doch im Gegenzug einfach danach, warum eigentlich nicht…

Eine solche Gegenfrage ist gar nicht GEGEN den anderen gerichtet. Sie ist der Ausdruck deines Small-Talk-Zieles, etwas Interessantes beim Anderen zu entdecken. Und damit ist sie Teil eueres gemeinsamen Interesses aneinander.

3. Nachfragen

Noch mehr Ausdruck von Interesse ist die Nachfrage. Du hast einen Anknüpfungspunkt entdeckt, den du spannend findest. Und nun fragst du nach.

So kriegt das Gespräch schnell mehr Tiefe. Aber Vorsicht: Lass deine Aufmerksamkeit immer beim Gesprächspartner, damit du merkst, wenn er für tiefere Auskünfte (noch) nicht bereit ist. Denn die Unterhaltung soll Freude machen – und nicht für den anderen zum „Verhör“ werden.

Small Talk ist Geplauder. Das heißt nicht zwingend, dass es oberflächlich bleiben muss. Es heißt aber zwingend, dass zu jeder Zeit Einvernehmen darüber besteht, wie tief oder auch wie intensiv der Austausch werden kann. Und das erfordert, dass deine Aufmerksamkeit ganz auf den Anderen ausgerichtet ist.

4. Frage, was du wirklich wissen willst – aber immer schön offen, damit der Andere die Wahl hat

Wenn es dich wirklich interessiert, dann musst du nicht lange an der genau passenden Frage herumschrauben. Sie ist einfach da und will unbedingt gestellt werden – nur so kannst du deine Neugier befriedigen.

Damit du viel Input für dein ehrliches Interesse bekommst, darfst du ruhig eine sehr weite und offene Frage stellen: „Ich finde Fliegenfischen unheimlich spannend. Damit habe ich mich bisher überhaupt noch nie beschäftigt. Magst du mir darüber noch mehr erzählen?“

Und selbst, wenn mir irgendwann die Informationen zu sehr ins Detail gehen und ich den Ausführungen nur noch teilweise folgen kann, empfinde ich Menschen, die über ihre Leidenschaften sprechen, als eine unerschöpfliche Energiequelle. Und ich genieße dann einfach, ein wenig an so viel Energie teilhaben zu dürfen.

Und wenn du deinem Gesprächspartner durch deine offene Frage die Wahl gibst, in welche Richtung er das Thema lenken möchte, vermeidest du auch, zu neugierig zu wirken. Denn du erfährst ja nur das, was er dir freiwillig und bereitwillig erzählt.

5. Unspezifisch fragen – das Thema „warmhalten“

Falls es dir (noch) schwer fällt, immer neue Themen und Aspekte in einem Gespräch zu finden, kannst du natürlich ein einziges Thema ausgiebig weiterentwickeln. Stelle deine Fragen so offen, dass der Andere sich darüber ausbreiten kann.

Ob du es glaubst oder nicht: Du wirst als besonders guter Gesprächspartner wahrgenommen, wenn du dem Anderen eine solche „Bühne“ für sein Lieblingsthema anbietest. Dann kannst du entspannt deine eigenen Beiträge sparsamer einsetzen und dich auf das Hinhören konzentrieren. (Und man sagt ja uns Introvertierten nach, dass das eine unserer ganz besonderen Stärken wäre…)

 Aber vergiss bei all den Frage-Optionen nicht: Gespräch bedeutet Austausch. Und Small Talk bedeutet Geplauder, um einander gegenseitig kennenzulernen.

Denn vermutlich möchtest du doch mehr erreichen, als dass dein Gegenüber nach einem gemeinsamen Viertelstündchen über dich nur sagen kann:
„Keine Ahnung, wer das war. Aber es hat mir gut getan, mal jemandem, den das auch wirklich interessiert, ausgiebig mitzuteilen, dass ich ein ganz toller Hecht bin.“

In dem Gesprächsfluss, von dem ich hier schreibe, sind die „tollen Hechte“ nur eine Gattung unter vielen. Ich persönlich mag ja die „tiefgründigen Welse“ mindestens genauso gerne wie die „flinken Forellen“ oder die „maulfaulen Karpfen“. Einsiedlerkrebse und Bachmuscheln sind übrigens auch ausgesprochen faszinierende Tiere. Ist es nicht spannend, was sich in so einem Gesprächsfluss alles tummeln kann???

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine

Christine

PS: Hier kommt die nächste Folge der Serie über Small Talk.

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Zu still, zu zurückhaltend

Small Talk? Eine gute Frage…

Angenommen wir zwei begegnen uns irgendwo.
Ich sage: „Hallo, ich bin Christine Winter.“
Du sagst: „Hallo, ich heiße …“

Und jetzt???
Jetzt wäre es sehr gut, wenn ich (mindestens) eine gute Frage parat hätte. Eine Frage, die dir die Möglichkeit gibt, etwas über dich zu sagen, ohne dass du dabei über etwas sprechen musst, was du jemand Fremdem wie mir ungern sagen würdest.

Und, was machst du so?

Ich glaube, dass das eine sehr gängige Frage im deutschen Sprachraum für den Einstieg in einen Smalltalk ist.
Ich jedenfalls höre diese Frage sehr häufig. Oft auch in der Sie-Form: „Was machen Sie denn so?“

Die Frage ist auch ziemlich gut, denn sie ist so unspezifisch, dass jeder selbst entscheiden kann, wie tief er in seiner Antwort „einsteigen“ möchte.

Üblicherweise wird die Frage in der Absicht formuliert (jedenfalls unterstelle ich das, ohne es jemals genauer überprüft zu haben), etwas über den Beruf des anderen zu erfahren.
Es hat den Anschein, dass der Mensch ist, was er tut. Ein Beruf und die Art, wie jemand darüber erzählt, lässt eine ganze Menge über die Person erkennen. Und darum geht es ja im Small Talk.

Üblicherweise wird die Frage auch mit einer Berufsbezeichnung beantwortet. Manchmal kommt auch gleich noch die Stellenbeschreibung hinterher.

Wenn nicht: Nachfragen. Die meisten Leute erzählen gerne über ihren Job. Das ist ein Thema, über das es sich leicht plaudern lässt, weil es zur „öffentlichen Person“ gehört.

(Na ja, nicht für jeden. Ich bin mal einem Herrn aus Pullach begegnet, der war bei dem Thema unglaublich einsilbig. Also, genau genommen hat er alle Fragen in die Richtung schlicht ignoriert. Und ich habe echt lang gebraucht, bis mir schließlich einfiel, dass in Pullach der Bundesnachrichtendienst seine Zentrale hat…
Merke: Bei Geheimdienstlern fällt entspanntes Plaudern über den Job als Small-Talk-Thema aus.)

Das schöne an der Frage „Was machst du so?“ ist aber: Du kannst sie verstehen, wie du willst.

Du möchtest nichts über deinen Job sagen? Dann sprich über deine Hobbies.
„Ich komme gerade von einer Bergwanderung auf’s Matterhorn zurück. Boah, hab ich einen Muskelkater! Aber schön war’s.“

Du sprichst lieber über das, was du jetzt gerade machst? Passt auch:
„Ich stehe hier mit einem Glas Wein rum und fühle mich unwohl. Eigentlich mag ich solche Veranstaltungen gar nicht, aber ich habe der Gastgeberin versprochen, mich wenigstens kurz blicken zu lassen. Gut, dass du mich angesprochen hast. Und was machst du so…?“

Du kannst auch etwas völlig anderes antworten, was überhaupt nicht zur Frage passt.

Denn die Frage ist nicht wörtlich gemeint, sondern sie heißt übersetzt:

Hey, erzähl mir was über dich, damit ich dich besser einschätzen kann und etwas finde, was ich anschließend erwidern kann, so dass wir gemeinsam einen kleinen Small Talk zustande kriegen.

„Ich mag es total gerne, wenn ich am Meer sitze und Sonnenuntergänge beobachten kann. Deswegen fahre ich jedes Jahr für zwei Wochen nach Lipari und miete mir ein Ferienhaus mit Blick nach Westen.“

Das bietet dem anderen einen Haufen Möglichkeiten, das Gespräch weiterzuführen:

  • „Sonnenuntergänge liebe ich auch. Wenn ich in den Bergen auf einer Hütte… undsoweiter.“
  • „Lipari? Klingt mediterran. Wo ist denn das?“
  • „Fährst du da immer zum gleichen Ferienhaus?“
  • „Boah, ans Meer würde ich auch gerne mal wieder. Ich mag’s ja lieber etwas nördlicher, aber das Meer ist immer schön.“
  • „Also nee, Sonnenuntergänge sind mir zu langweilig. Da bräuchte ich schon mindestens eine Stranddisko dazu. Also in Mallorca fahre ich immer nach… undsoweiter.“

Merkst du was? Du kriegst den Ball zurückgespielt. Und da es dein Thema ist, findest du auf jeden Fall eine Möglichkeit für eine Antwort, mit der du dich wohlfühlst. Die kann ausführlich sein, muss es aber nicht. Denn wichtig ist, dass der Ball im Spiel bleibt.

Wo kommst du her?

Eine auch sehr gute Frage – denn auch die kann man verstehen, wie man will. Und so sollte jedem eine Antwort leicht fallen, die das Gespräch in Gang hält.

„Ich komme aus der Nähe von München. Und du?“
„Ich komme gerade vom Schwimmen. Es war heute auch wieder mächtig warm, findest du nicht?“
„Ich komme ursprünglich aus Schwaben und bin aber nun schon seit vielen Jahren in Oberbayern.“
„Ich wohne bei Pfaffenhofen. Aber eigentlich würde ich noch viel lieber irgendwo am Mittelmeer wohnen.“

Ich glaube, dass diese Frage im englischen Sprachraum viel verbreiteter ist als bei uns. Vielleicht kommt mir das aber auch nur so vor, weil ich in diesen Ländern immer als Touristin unterwegs bin und dann die Frage natürlich sehr naheliegend ist.

Jedenfalls funktioniert sie prima – auch auf Deutsch.

How do you like Iceland?

Das ist eine meiner Lieblingsfragen – denn wenn ich sie höre, befinde ich mich gerade in Island. Und das ist eine meiner Lieblingsinseln.

Die Frage ist DIE Standardfrage eines Isländers an einen Ausländer. Sie folgt unabänderlich IMMER auf die Frage: „Where are you from?“ Und sie wird immer mit einem Grinsen gestellt – denn der Isländer weiß, dass sie allen Ausländern stereotyp von annähernd jedem seiner knapp 350.000 Landsleute gestellt wird.

Es kommt gut an, wenn man darauf eine witzige, kurze Antwort parat hat, die ins Gespräch hinein führt. Denn der Isländer ist tendenziell ziemlich introvertiert und deswegen sehr froh darüber, wenn man ihm einen Anknüpfungspunkt liefert. Wenn er keinen findet, kann es auch schon mal sein, dass er einen einfach stehen lässt und sich einen anderen Ausländer für seine Frage sucht – gibt ja mittlerweile genügend Touristen in Island…

Wenn’s nicht klappt: Ist nicht schlimm

Manchmal findet man eben keinen Draht zu einander. Small Talk ist auch dazu da, das herauszufinden. Wenn’s nicht „funkt“, dann tauscht man halt nur ein paar sachliche Fakten aus und das war’s.

Für Fortgeschrittene erhöht es natürlich den Reiz des Small Talks, bei JEDEM Gesprächspartner etwas Interessantes zu entdecken. Da fängt das Spiel dann an, richtig Spaß zu machen…

EINE gute Frage für alle möglichen Fälle solltest du auf jeden Fall parat haben. Sei ruhig kreativ dabei – und nicht zu spezifisch.
Lass uns eine kleine Sammlung in den Kommentaren anlegen: Welche Frage hat das Zeug zu deiner liebsten Standard-Small-Talk-Einstiegsfrage?

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine

Christine

PS: Die kleine Small-Talk-Reihe geht nächste Woche in die nächste Runde.

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Zu still, zu zurückhaltend

Small Talk? Wichtig!

Ich höre dich aufstöhnen: „Och nee. Small Talk ist jetzt wirklich das letzte Thema, auf das ich Lust habe. Lass mich in Frieden mit diesem sinnlosen Gebabbel – das brauch ich nicht, will ich nicht, kann ich auch gar nicht. Und vor allem: Ich bin introvertiert und das heißt, dass ich es überhaupt nicht mögen darf. Ätsch.“

Ich weiß. Das war auch immer meine Ausrede.

Mittlerweile sehe ich das anders.

Small Talk ist wie morgens ins Bad gehen

Ich habe meine Gewohnheiten.
Aufstehen, duschen, Zähne putzen, mich im Spiegel ansehen und dabei denken: „Au weia, wie siehst du denn aus? Ach komm, ich schmink‘ dich trotzdem.“
Kaffee einschenken, an den Schreibtisch setzen, Computer hochfahren, ToDo-Liste schreiben, E-Mails checken…

Das mache ich so oder so ähnlich jeden Morgen.

Wieso eigentlich???

Weil es mir erspart, mir kurz nach dem Aufstehen immer auf’s Neue meinen Start in den Tag zu überlegen. Und weil es mir einen ganzen Haufen einzelner Entscheidungen erspart. Und weil ich mich mit meinen täglichen Ritualen sicher und wohl fühle.

Wenn ich mag, kann ich auch erst Kaffee trinken und dann duschen. Das mache ich durchaus gelegentlich mal. Aber wenn ich gerade keine Lust auf so viel Kreativität habe, dann bleibe ich beim gewohnten Ablauf.

Ähm, sorry. Ich wollte ja über Small Talk schreiben und dich nicht mit nutzlosen Informationen aus meiner Morgenroutine langweilen. Tut mir echt leid – ich habe nur versucht, einen guten Einstieg zu finden…

Small Talk ist ein Ritual

Es gibt einen Kennenlern- und Gesprächsanknüpfungs-Ablauf, der sich über die Jahrhunderte entwickelt hat, seitdem der erste Steinzeitmensch die Notwendigkeit erkannt hat, mit der Nachbarin im Vorgarten seiner Höhle ein Schwätzchen zu halten.

Bei Fred Feuersteins Vorfahren lief das vielleicht so:

„Ich Ötzi Feuerstein.“ – „Ich Hilda Geröllheimer.“
„Ich Mammutjäger! Ich viel gut Mammut jagen!“ – „Ich Jäger-Mamma. Baby-Geröllheimer viel gut jagen lernen.“
„Wo ist Jäger-Pappa? Ich gerne Jäger-Mamma unterhalten.“ – „Da hinten Jäger-Pappa kommt mit Jäger-Keule. Jäger-Pappa viel eifersüchtig!“

Öhm, ja, das war noch etwas ungelenk. 

Aber im Grunde war schon alles drin, was zum Small Talk gehört:

  • Sagen, wer man ist.
  • Sagen, was man macht.
  • Anknüpfungspunkte für ein Gespräch geben.
  • Persönlich sein – ohne dabei zu privat oder gar intim zu werden.
  • Informationen in eine lockere Unterhaltung packen.

Small Talk ist sozialer Klebstoff

Dass Ötzi und Hilda den Small Talk erfunden haben, war sicher kein Zufall.

Ich meine, hey, wofür ist Sprache gut, wenn man nicht auch mal ein Schwätzchen im Vorgarten halten kann?

Falls Ötzi anschließend nicht unmittelbar von der Keule von Hildas Mann getroffen wurde, haben die beiden Steinzeit-Jungs vielleicht Freundschaft geschlossen und sich von da an regelmäßig abends nach der Jagd auf einen gepflegten Ratsch unter Männern zusammengesetzt.

Und darum geht es meiner Meinung nach beim Small Talk vor allem: Herauszufinden, ob ich mit einem Menschen gerne zusammen bin. Oder ob ich zumindest etwas Interessantes an ihm entdecken kann. Oder eben auch, ob es überhaupt keinen Anknüpfungspunkt für ein tieferes Interesse an einander gibt.

Und weil das Ganze ein Ritual ist, sind sich alle, die den „Regeln“ folgen, auch ohne viel Blabla über den Ablauf einig:
Sich einander vorstellen, Anknüpfungspunkte für einen Austausch anbieten und aufnehmen, persönlich reden (ohne zu tief zu schürfen), Informationen über Alltägliches teilen.

Und natürlich hat dieses Ritual auch einen Zweck. Also eigentlich hat es sogar mehrere Zwecke…

1. Wie kriege ich raus, mit wem ich es zu tun habe?

Wir sind Menschen. Wir sind simpel gestrickt. Wenn wir jemandem begegnen, wollen wir wissen, wer das ist.

Kinder fragen dann: „Wer bist’n du? Was machst du denn da? Warum hast’n du so abstehende Ohren? …“

Als Erwachsene sagen wir sowas natürlich nicht mehr. Aber Hand auf’s Herz: Ganz tief drinnen wollen wir immer noch Antworten auf genau diese Fragen. Und der Trick, genau diese Antworten zu kriegen, heißt…? Naaaaa???

Na, komm, das ist jetzt wirklich nicht schwer: Die Antworten gibt uns der Small Talk.

Okay, das mit den abstehenden Ohren ist vielleicht dann doch schon zu intim.

Aber während du dich locker mit dem anderen austauschst, wird wahrscheinlich bald klar, dass die Form seiner Ohren bei weitem nicht das Interessanteste an ihm ist – wer will schon seinen Gesprächspartner auf Äußerlichkeiten reduzieren, wenn es in seinen Aussagen so viel spannendere Themen zu entdecken gibt.

2. Wie kriege ich die Aufmerksamkeit?

Ich tue mich oft schwer, unter fremden Menschen den Kontakt aufzunehmen. Und ich bin echt froh, dass es dafür ein allgemein bekanntes Ritual gibt.
Du kennst es schon: Sag deinen Namen, sag etwas Persönliches über dich, gib dem anderen einen Anknüpfungspunkt, teile Informationen. Und gib dem anderen dazwischen ganz viel Raum, damit er sich mitteilen kann.

Und weißt du, was ich daran so besonders mag?
Ich muss überhaupt nichts tun, um die Aufmerksamkeit des Anderen zu bekommen. Ich brauche nur neugierig und interessiert zu sein, während ich das Kennenlern-Ritual Schritt für Schritt durchgehe.

3. Wie finde ich die Ähnlichkeit, die den Austausch leicht macht?

Es ist schön, wenn  zwei der gleichen Meinung sind. Am schönsten empfinden wir es in einem Gespräch, wenn wir uns einfach nur verstanden fühlen. Und wenn der Austausch ganz harmonisch und fließend entsteht.

Je mehr Ähnlichkeit wir bei einander finden, desto tiefer empfinden wir ein Gespräch. Und zwar – aufgemerkt! – auch dann, wenn es sich inhaltlich eher an der Oberfläche bewegt.

Der Small Talk – das Ritual, das oberflächlichen Austausch in einer festen Struktur ermöglicht – gibt dir ganz viel Gelegenheit, die Ähnlichkeiten herauszufinden.

Vergiss den Inhalt. Na ja, nimm ihn jedenfalls nicht so wichtig. Finde heraus,

  • welche körpersprachlichen Signale du am anderen magst.
  • welche sprachlichen Elemente der andere verwendet, die du angenehm findest.
  • was du an seiner Tonalität – also der Stimme oder Betonung – gut findest.
  • was du an seiner Geschwindigkeit, seiner Intensität schätzt.
  • was du anziehend findest, obwohl du es gar nicht so genau benennen kannst.

Jetzt kommt der eigentliche Trick. Wenn du so willst, ist das das ganz große Small-Talk-Geheimnis. Trommelwirbel…

Tadaa!!! Passe dich an das an, was du am Anderen magst und schätzt und angenehm findest.

DAS ist Small Talk. Dann ist der Inhalt fast egal.

4. Wie kriege ich die Sachinformationen an den Mann?

Der Small Talk ist das Intro. Bei einem guten Intro – sagen wir mal, wenn du eine Symphonie komponieren wolltest – stimmst du im ersten Satz, also in den ersten Minuten deiner Komposition, auf das ein, was nachher kommen wird. Dabei geht es im Intro fast ausschließlich um die Vorbereitung. Der Fokus liegt nicht auf einem inhaltlichen Ziel, sondern auf dem Rahmen für das, was später kommen könnte.

Erst, wenn der Zuhörer neugierig geworden ist auf das, was noch kommt, dann ist er bereit für mehr Inhalt. Du ziehst ihn sozusagen ganz langsam und gemächlich in die Tiefe – wobei er jederzeit entscheiden kann, auszusteigen. Aber gerade, indem du ihm die Freiheit gibst, sich zu verabschieden, bevor du auf den Punkt kommst, weckst du seine Neugier und die Bereitschaft, dir ins Thema zu folgen.

Mach dir beim Small Talk überhaupt keinen Kopf darüber, wie du Inhalte platzieren könntest.

Sei neugierig und mach den anderen neugierig – dann kommt ihr wie von selbst zu den interessanten Themen.

Und wenn man trotzdem keine Lust auf Small Talk hat?

Das ist mal eine wirklich gute Frage.

Angenommen wir zwei begegnen uns irgendwo.
Ich sage: „Hallo, ich bin Christine Winter.“
Du sagst: „Hallo, ich heiße …“

Und jetzt??? – Jetzt wäre es gut, wenn einer von uns beiden irgendeine Idee hätte, wie’s weitergeht… 

Dieser Artikel ist der Start einer kleinen Serie zum Thema Small Talk. Und in der nächsten Folge werde ich noch mehr über meine Gedanken zum „Kleinen Schwätzchen“ erzählen.

Sollte am Ende die Frage offen bleiben, warum Small Talk ein wichtiges Element in der Kommunikation ist, dann frag mich bitte nochmal. Wenn ich so am Plaudern bin, dann komme ich manchmal etwas von den wirklich wichtigen Themen ab…

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine

Christine

PS: Hier kommt die nächste Folge der kleinen Artikelserie über Small Talk.

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Zu still, zu zurückhaltend

Wie kriegt man Freunde?

Wenn du ein wenig so bist wie ich, dann hast du diese Frage schon in aller Ausführlichkeit durchdacht. Denn einen allerbesten Freund oder eine allerbeste Freundin hat ja nun wirklich jeder. Fast.

Ich hatte viele Jahre niemanden, den ich als meinen Freund, meine Freundin bezeichnet hätte. Nachdem, als ich ungefähr Dreizehn war, meine beste Freundin samt deren fünf besten Freundinnen „aus meinem Leben herausgerutscht“ waren, hatte ich niemanden.

Wenn du mich gefragt hättest, dann hättest du von mir erst mit Mitte Zwanzig wieder von mir gehört, dass ich Freunde habe.

Wann ist ein Freund ein Freund?

Zehn oder zwölf Jahre lang „niemand“ gehabt zu haben, klingt drastisch. Und obwohl ich es damals so erlebt habe, ist es auch nicht die ganze Wahrheit.

Es gab immer mindestens einen Menschen, der für mich da war – oft waren es mehrere zur gleichen Zeit. Nur hätte ich die nie im Leben als „Freund“ bezeichnet.

Ein Freund – so dachte ich damals – ist unendlich viel mehr als ein Mensch, der einfach da ist und mit dem du zusammen sein kannst. Ein Freund regelt alle Probleme für dich, erlebt alle deine Launen und stärkt dir dabei den Rücken gegen die schlechte und ungerechte Welt. Ein echter Freund ist immer und ständig für dich allein da – damit du ihn immer und ständig merken lassen kannst, dass so viel Nähe für dich überhaupt nicht in Frage kommt. Ein echter Freund hört sich dein Gejammer an, bis dein Leben schlussendlich so perfekt geworden ist, dass du nichts mehr zu jammern hast.

Ein echter Freund… Also ganz ehrlich: Nach meiner Definition möchte ich niemandes Freund werden!
Zu dieser „Job-Description“ gehört ja neben Masochismus, Vereinsamung und Realitätsverlust auch noch Voodoo, Selbstaufgabe und schwarze Magie. Öhm, ohne mich!

Heute sehe ich das völlig anders.

Für mich heißt Freundschaft, dass ich ganz und gar sein kann wie ich bin, und dass der andere ganz und gar sein kann, wie er ist.

Und dass wir uns beide dabei wohl fühlen.

Und dass wir voneinander nicht mehr erwarten, als so zu sein, wie wir sind.

Ich hatte immer Freunde

Wenn ich zurückdenke, gab es immer mindestens einen Menschen, bei dem ich (in dem Maße, in dem mir das zu dieser Zeit möglich war) offen gewesen bin.

Nie im Leben hätte ich dies Menschen damals als Freund bezeichnet. Zu wenig Zauber, zu wenig Exklusivrechte, zu wenig „Ich küsse den Boden über den du wandelst…“

Es waren die besten Freundschaften, die MIR damals möglich waren.

Nicht viele, meistens nur eine oder zwei. Nicht eng, sondern auf großen Abstand. Nicht herzlich, sondern eher intellektuell-verkopft.
Mehr ging FÜR MICH nicht. Heute kann ich das sehen.

Freunde findest du nicht

Du kannst dir noch so dolle Freunde wünschen.
Du kannst dir die perfekteste aller „Job-Descriptions“ ausdenken.
Du kannst jahrzehntelang darüber tagträumen, wie es wäre, wenn es wäre…

Du findest keine Freunde.

Und damit meine ich jetzt nicht, dass du ungeeignet für Freundschaften bist. Bist du nämlich überhaupt nicht. Du bist garantiert absolut geeignet für Freundschaft, wenn du einfach nur du selbst bleibst. Und dabei ehrlich zu dir und dem anderen bist.

Ich bin überzeugt davon, dass jeder Mensch auf dieser Welt ein Freund sein kann.
Falls du nicht mein Freund sein möchtest, dann müsstest du mich erst mal vom Gegenteil überzeugen!

Freunde sind da

Nicht einfach so. Das ist der springende Punkt:

Wenn du allein auf dieser Welt bist und das auch dauerhaft bleibst – wenn also für dich nicht in Frage kommt, jemandem zu begegnen – dann bist du die Ausnahme von meiner Regel.

Denn das Ritual für echte Freundschaft läuft (stark verkürzt dargestellt) so:

  1. Man kennt sich nicht.
  2. Man begegnet sich – idealerweise im echten Leben, Auge in Auge.
  3. Man nimmt einen kleinen Kontakt auf.
  4. Man interessiert sich für den anderen.
  5. Man entscheidet, ob man den Kontakt vertiefen möchte.
  6. Man geht entweder seiner Wege oder man begegnet sich erneut.
  7. Man freut sich über die erneute Begegnung und interessiert sich für den anderen.
  8. Man nimmt bei jeder weiteren Begegnung den Kontakt-Faden da wieder auf, wo er beim letzten Mal endete.
  9. Man lernt einander etwas kennen.
  10. Man findet ein Thema, gemeinsame Interessen oder andere Ähnlichkeiten.
  11. Man kommt in ein intensives Gespräch über das gemeinsame Thema oder Interesse.
  12. Man lernt sich auf dieser Basis noch besser kennen.
  13. Man freut sich auf die nächste Gelegenheit, den anderen wieder zu treffen.
  14. Man trifft sich zehnmal, zwanzigmal, fünfzigmal bei verschiedenen Gelegenheiten und lernt immer neue Seiten des anderen kennen.
  15. Jeder von beiden hat bei jeder Gelegenheit das Recht, nicht länger neugierig und kontaktbereit zu bleiben.
  16. Wenn die Freude an der Begegnung jedesmal wieder neu entsteht und sich auf weitere Aspekte des anderen erweitert, dann IST DAS nach einigen Monaten eine Freundschaft geworden.
    Automatisch.

Man MACHT keine Freundschaft und man kann keine Freundschaft herbeizwingen, sondern Freundschaft entsteht aus gegenseitigem Interesse und vielen Begegnungen.

Freunde sind nicht immer da

Wenn eine Freundschaft entstanden ist, indem du jemanden in vielen seiner Facetten kennen gelernt hast, dann ist Nähe entstanden. Und diese Nähe macht es möglich, dass du deinen Freund eine lange Zeit nicht siehst und ihr euch dennoch nah bleibt. Es reicht, zu wissen, dass der andere da ist und dass er mit dir – klingt jetzt esoterisch, aber es beschreibt mein Gefühl am besten – gleich schwingt oder im Gleichklang ist.

Ich habe eine Handvoll Menschen, mit denen ich diese Freundschaft spüre. Und die Freundin, die am nächsten bei mir wohnt, treffe ich ungefähr einmal im Monat. Zwei andere Freunde sehe ich zwei oder dreimal im Jahr und telefoniere noch ein paar Mal mit ihnen. Einen treffe ich maximal einmal im Jahr.

Jeder meiner Freunde lebt sein Leben mit seinen Freunden, Bekannten, mit Familie und Beruf und allem, was zu seinem Leben dazugehört. Und an einem kleinen Eckchen seines Lebens gehöre ich auch dazu – um, sobald wir uns treffen oder hören, für eine kurze Zeit im Mittelpunkt zu stehen und die volle Aufmerksamkeit zu haben und zu geben.
Und dann leben wir wieder unsere eigenen Leben, jeder seins. Und wir wissen: Es gibt auf der Welt eine Handvoll Menschen, die sind einfach da. Auch dann, wenn sie ihr eigenes Leben leben. Jeder von uns ist, wer er ist. Und wenn wir uns treffen, dann sind wir für die gemeinsame Zeit wir.

Du kriegst nicht mehr raus, als du reinsteckst

Ich dachte früher, dass ich eine Freundschaft daran erkennen könnte, was ich dabei bekomme.

Mein riesengroßer Irrtum war die Idee, dass mir jemand, der mein Freund sein will, etwas schuldig wäre. 

Ich war der Meinung, dass ein Freund alle meine Probleme lösen würde und dabei mit Freude meine Launen miterlebt.

Ich dachte ernsthaft, dass es einen Menschen gibt, der nur dafür existiert, das Leben für mich schön zu machen…

Es hat eine ganze Weile (also eigentlich sogar verdammt lange) gedauert, bis ich begriffen habe:
Niemand ist mir irgendetwas schuldig! Niemand ist dafür zuständig oder verantwortlich, mir mein Leben schön zu machen!

Oder halt, doch, einen gibt es.
Es gibt schon einen Menschen, der rund um die Uhr für mich da sein sollte und mir mein Leben gestalten und verändern kann. Es gibt den einen Menschen, der alles so einrichten kann, wie es für mich gut und richtig und schön ist. Es gibt diesen Menschen, der mich ganz und gar lieben sollte.

Ich habe ihn gefunden. Den Menschen in meinem Leben, der alles verändert.

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine

Christine

PS: Weil’s immer wieder missverstanden wird, sage ich es dir gleich:

Facebook-Freunde sind keine Freunde. Viele Facebook-Kontakte sind nicht mal echte Kontakte – sie besagen einzig und allein, dass jemand einmal eine Schaltfläche geklickt hat (zum Beispiel beim hektischen Wischen über das Smartphone). Und Facebook-Kommunikation ist keine „echte Kommunikation“, sondern sie ist Social-Networking und folgt völlig anderen Regeln.

Aber ich muss es zugeben: Ich freue mich trotzdem über Facebook-Fans für Stille Stärken. 😀

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