Raus aus der Komfortzone???

von Christine Winter

22.10.2015

„Geh doch endlich mal raus aus deiner Komfortzone!“

Das erinnert mich an den Satz, den ich auch schon öfter gehört habe: „Komm doch mal raus aus deinem Schneckenhaus.“ Oder auch: „Du solltest echt mehr aus dir rausgehen.“

Das klingt so, als ob es genau zwei Optionen gibt – und drinnen bleiben ist die falsche.

Entweder – oder. Oder?

Entweder man ist in der Komfortzone. Dann tut man nix, sondern liegt auf der faulen Haut. Am Ende des Tages hat man das Internet durchsurft oder das komplette Fernsehprogramm durchzappt oder einen Liebesroman durchschmachtet.

Oder man ist außerhalb der Komfortzone. Das ist da, wo die Action abgeht. In den Adern pumpt das Adrenalin nur so. Fallschirmsprung oder Freihandklettern oder Flirtseminar. Und am Ende des Tages hat man wirklich etwas zu erzählen.

Weißt du was?
Das ist Blödsinn.

Das wahre Leben passiert immer in der Mitte.

Irgendwo zwischen „erst gar nicht aus dem Bett aufstehen“ und „den Mount Everest ohne Sauerstoffgerät besteigen“ ist dein Alltag.

Und das ist, wo die nachhaltige Veränderung passiert.

Was heißt denn hier „Komfortzone“?

Es ist kaum zu glauben, aber Wikipedia hat dafür keine Definition zu bieten.

(„Komfortzone“ ist der allererste Begriff, den ich dort nicht gefunden habe – bemerkenswert.)

Und so nehme ich relativ wahllos den ersten Treffer meiner Suchmaschine. Da heißt es dann:

„…der Bereich, in dem sich Menschen sicher fühlen, sich wohlfühlen, wobei damit das Umfeld gemeint ist, das man kennt und gewohnt ist. Die Komfortzone endet dort, wo Überwindung oder Anstrengung beginnen und es nicht mehr bequem ist.“

Der gesunde Menschenverstand behauptet, dass man draußen sein muss, um etwas zu verändern. Denn drinnen ist man ja die ganze Zeit, und es ändert sich nix.

Das Beispiel mit der Couch

Ich sitze auf der Couch und weiß, dass sich etwas ändern könnte, wenn ich aufstehen und rausgehen würde. Und während ich darüber nachdenke, werden ich wie magnetisch immer stärker vom Sofa angezogen.
Ich glaube, irgendetwas ist an der Gravitation kaputt, die wird immer stärker! Ich kann beim besten Willen nicht aufstehen, rausgehen und etwas ändern!

Du kennst das – je länger man nachdenkt, desto verlockender wird es, NICHT aufzustehen.

Veränderung passiert eher nicht auf der Couch, das ist klar.
Und sie passiert auch nicht, wenn wir von vornherein wissen, dass wir die Couch nicht verlassen werden.

Ersteres ist okay. Es bleibt ein netter Tagtraum, dass alles anders sein könnte. Tagträumerei kann ein hübsches Hobby sein.
Genieße deine Tagtraum-Zeiten – und mach dir klar, dass der Traum für’s erste keine Realität wird. Er ist ein Zeitvertreib.

Blöd ist, wenn du dich dafür verurteilst, dass es beim Tagtraum bleibt. Dann fühlst du dich, während du auf der Couch liegenbleibst, permanent schuldig für alles, was du gerade nicht tust.

Das ist energieverzehrender Unfug.

Lass es!

Auf der Couch zu träumen ist eine Entscheidung. Es ist die Entscheidung, ganz im Zentrum der Komfortzone herumzuliegen und die Phantasie auf die Reise zu schicken. Und das ist nicht verboten.

Einen Traum zu haben ändert nichts – aber es schadet auch nichts.

Aus Flugzeugen springen

Natürlich kannst du die Komfortzone verlassen. Du kannst jederzeit das gewohnte Umfeld verlassen und dahin gehen, wo es nicht mehr bequem ist. Damit zwingst du dich zu Veränderungen.

Du musst zwangsläufig dein Denken ändern, wenn du Neuland betrittst. Und meistens ist auch ein neues Verhalten erforderlich, wenn du dich in ein anderes Umfeld begibst. Gut möglich, dass du sogar Fähigkeiten brauchen wirst, die du sonst selten oder nie einsetzt.

Raus aus der Komfortzone zu springen ist von Zeit zu Zeit eine großartige Abwechslung – wie ein Fallschirmsprung mitten ins Leben. Adrenalin inbegriffen.

Mehr Raum in der Komfortzone

So ein Sprung ist oft eine einmalige Sache. Du planst ihn lang im Voraus, fieberst auf den einen Tag hin, bringst die Aktion unter erheblichem Stress hinter dich, hast ein paar Tage eine tolle Geschichte zu erzählen – und danach ist dein Alltag exakt wie zuvor.

Wenn du eine Veränderung erreichen willst und wenn du möchtest, dass sie ohne Stress und Anstrengung in deinem Alltag bleibt, dann brauchst du mehr Raum INNERHALB der Komfortzone, weil du da drinnen endlos lange bleiben kannst, ohne dich zu überfordern.

Du willst dich nachhaltig verändern?
Bleib da, wo du dich wohl fühlst.
Achte darauf, dass dein Energieeinsatz angemessen (also nicht übertrieben hoch) ist.

Wenn du bisher mit dem Smartphone oder Tablet auf der Couch liegst, und dich jetzt in diesem Moment entscheidest, dich an den Tisch zu setzen und deinen Traum auf ein Blatt Papier zu schreiben, dann ist das bereits eine Veränderung.

Es wird nicht zwangsläufig dein Leben in eine neue Bahn katapultieren, deine Zukunftsideen auf einen Zettel zu schreiben. Wobei…
Ich habe schon öfter nach einigen Monaten einen solchen schnell notierten Traum in meinen Papierstapeln wiederentdeckt und festgestellt, dass er sich mittlerweile „wie von selbst“ erfüllt hatte.

Eines weiß ich ganz sicher: Du wirst nichts dauerhaft verändern, wenn du im ersten Anlauf deine gesamte Kraft aufwendest und danach völlig erledigt wieder auf der Couch landest.

Bleib da, wo du dich wohl fühlst, und fang an, Ideen zu entwickeln

Denn Veränderung ist kein Moment, sondern eine lange Strecke. Und nur, wenn du an jedem Punkt noch Energie übrig hast, wirst du den nächsten Schritt machen.

Indem du entspannt die Ränder der Komfortzone ein wenig ausdehnst und weitest, schaffst du dir nach und nach Raum für etwas größere Veränderungsschritte – und zwar, ohne dass der innere Schweinehund Krawall macht.

Wenn du aus diesem Blogartikel EINE gute neue Gewohnheit mitnehmen möchtest, dann die folgende:

Gehe jeden Tag einmal an den Rand deiner Komfortzone.

Das ist da, wo es anfängt, ungemütlich zu werden (siehe Definition oben). Und dann gehe wieder zurück ins Zentrum deines Wohlfühlbereiches.

Du wirst erleben, dass der Raum größer wird, indem du die Grenzen erkundest.

Fazit:

Nachhaltige Veränderung passiert, wenn die Komfortzone ganz gemütlich größer wird – nicht, wenn man mit Gewalt ausbrechen will.

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine

Christine

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  1. Liebe Christine,

    klasse und danke für diesen Artikel. Es stimmt schon…überall liest man „Verlasse deine Komfortzone“ und jedes Mal macht mir das ein unangenehmes Kribbeln. Ich werde jetzt mal versuchen sie auszuweiten, wie du es vorschlägst und dann bin ich gespannt, was sich dabei anschließt.
    Das Beispiel mit der Couch find ich super!

    Alles Liebe,
    Damaris

    1. Der spannendste Bereich für Veränderungen liegt zwischen „angenehmem Kribbeln“ und „unangenehmem Kribbeln“. Der Unterschied dazwischen ist (jedenfalls für mich) sehr schmal, eine fast unsichtbare Linie – und wenn ich absichtlich auf der angenehmen Seite bleibe, dann schaffe ich wundervolle – kleine – Resultate, die nach und nach meine ganz individuelle Entwicklung ergeben.

      Ich freue mich, wenn du deine Erfahrungen berichtest, Damaris.

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