Soziale Ängste

Prüfungspanikerinnerungen

Ich freue mich, dass ich diese Woche endlich mal wieder vor einer Gruppe stehe und rede.
Genauer gesagt sind es sogar zwei Studiengruppen, die von mir abwechselnd Unterstützung bei ihren  letzten Prüfungsvorbereitungen vor den Abschlussprüfungen bekommen.

Ja, du hast richtig gelesen: Mir fehlt tatsächlich etwas, wenn ich längere Zeit keinen Einsatz als Trainerin habe. Es kostet mich zwar immer noch jedesmal einige Überwindung, vor 25 Leute zu treten und mit ihnen zu sprechen – aber es gibt mir ein unglaublich gutes Gefühl, wenn ich den Schritt dann gemacht habe. 1)

 Vor mehr als zehn Jahren war ich selber Studentin an der Hochschule, an der ich heute unterrichte, und kurz vor den letzten Prüfungen.

Ich war damals eine ziemliche Streberin und hatte wegen der acht schriftlichen Aufgaben wenig Bedenken – selbst, wenn ich ein Fach „vergeigen“ würde, waren da immer noch genügend andere, um auszugleichen.

Aber „das Mündliche“…

Obwohl ich vorher ausgerechnet hatte, dass mir die mündliche Note zwar den Durchschnitt verderben könnte, aber keinesfall meine Abschluss gefährden würde, kreisten meine Gedanken schon Wochen im Voraus nur noch um diese 45 Minuten.

Ich war mir absolut sicher, dass ich mir längst alle denkbaren Situationen ausgedacht hatte – und mit jeder weiteren Idee wurde meine Überzeugung noch stärker, dass dieser Termin mit Sicherheit schrecklicher werden würde als alles, was ich bis dahin an Prüfungssituationen erlebt hatte.

(Das war genau genommen gar nicht sooo viel, denn in der Schulzeit habe ich mich weitestgehend um alle mündlichen Noten gedrückt. Das hat damals funktioniert – ich habe halt jeweils eine schlechtere Note in Kauf genommen. Den Realschulabschluss bekam ich, ohne zu einer einzigen mündlichen Prüfung aufzutauchen. Und die Mündliche bei der Fachhochschulreife lief eigentlich ganz unspektakulär ab…)

Aber jetzt…! Die Diplomprüfung war eine Horrorvorstellung, die monatelang vor mir am Horizont stand.

Klar habe ich bestanden. Sonst würde ich ja nicht heute als Hochschullehrerin hier vor zwei Studentengruppen unterrichten. Natürlich habe ich mein Diplom bekommen und mein Abschlusszeugnis war ziemlich ordentlich – wenn auch nicht mit der Traumnote, die ich mir (perfektionistischerweise) erhofft hatte.

Du denkst, dass ich mir die Noten mit dem „Mündlichen“ vermiest habe? Ich erzähle dir, wie’s war:

Die mündliche Prüfung fand in München statt. Und zwar in einem der tausendunddrölf  Verwaltungsgebäude der Stadtverwaltung.

Mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren, war keine Option. Also suchte ich mir eine wirklich frühe Zugverbindung aus und die dazu passende U-Bahn, so dass ich eineinhalb Stunden Zeit hatte, um mich noch in Ruhe in dem Gebäude zurechtzufinden und mich dann so weit wie möglich zu entspannen, bis ich dran war.

Von den anderen Prüfungsteilnehmern gab es bereits Gerüchte, dass die Prüfung in München mal wieder besonders schwer war und die Prüfer alle fies waren. Aber mich verunsicherte das nicht sonderlich, denn die meisten Inhalte konnte ich ziemlich gut. Und ansonsten galt halt: Mut zur Lücke…

Ich setzte mich in die Lokalbahn und fuhr nach Augsburg-Hochzoll. Dort musste ich in den Interregio umsteigen nach München und dort in die U-Bahn. Alles perfekt geplant – ich wusste genau, wann ich wo sein würde, hatte alles etliche male überprüft.

Und dann stand ich in Hochzoll. Mit mir ein ganzer Haufen Menschen. Langsam sickerte durch, dass der vorherige Zug noch nicht da war. Die ersten Leute fingen an zu schimpfen. Ich war einigermaßen entspannt, denn ich hatte 1 1/2 Stunden Puffer eingeplant. Und mein Zug würde schon kommen.

Was dann allerdings kam, waren spärliche Durchsagen:

„Der Regionalexpress nach München verspätet sich.“ – Mir egal, ich will ja eh den Interregio.

„Der Regionalexpress nach München verspätet sich auf unbestimmte Zeit.“ – Oh oh, das klingt jetzt nicht so gut.

„Aufgrund einer Betriebsstörung ist der Regionalverkehr in Richtung München derzeit eingeschränkt.“ – Äh, ja. Dann solltet ihr die mal ganz schnell beheben!

Und dann… Nichts mehr. Keine Durchsage.
Mittlerweile war mein Zug eine halbe Stunde verspätet. Ich bekam langsam Hitzewallungen.

Die Leute um mich herum diskutierten, ob man jetzt ein Taxi nehmen könnte und die Rechnung an die Bahn schicken sollte. Ich dachte nur: So viel Geld hab ich gar nicht dabei!

Einige gingen vom Bahnsteig in Richtung Ausgang. Keine Ahnung, wohin die wollten.

Dann die ultimative Durchsage: „Aufgrund eines Unfalles mit Personenschaden ist der Verkehr auf der Strecke Augsburg – München auf unbestimmte Zeit unterbrochen.“

Aaaaaah.

Horrorszenarien in meinem Kopf. Ich sitze auf dem Bahnhof fest und fliege durch die Diplomprüfung!
Panik.
Erde tu dich auf und verschluck‘ mich. Bitte!!!

Ich hatte nicht mal ein Handy zu der Zeit. Und wenn, wen hätte ich anrufen sollen???

Mist. Mist. Mist. Mist. Mist!

Was mach ich jetzt? Was mach ich jetzt? Was soll ich denn jetzt nur machen???

Eine Frau neben mir schimpfte vor sich hin. Ich verstand den letzten Wortfetzen: „…nehm ich halt das Auto.“

In meiner Panik brauchte ich einen Moment, während sie schon zum Ausgang ging. Dann fiel der Groschen: Die hat ein Auto und fährt nach München.

Oh, Gott. Hoffentlich schaffe ich es, sie anzusprechen und zu fragen, ob sie mich mitnimmt.

Ich lief etliche Schritte neben ihr her, bevor ich einen Satz formulieren konnte. Dann stammelte ich etwas von: „Bitte Mitnehmen, weil ich hab gleich mündliche Prüfung.“

Sie hat’s erstaunlich schnell verstanden und mich geistesgegenwärtig erst mal in ihr Auto verfrachtet. So waren wir schon unterwegs, bevor ich ihr genau erklärt hatte, was eigentlich los war.

Sie war unglaublich nett und versprach mir, mich an einem Taxistand in München abzusetzen, wo ich auf jeden Fall sofort ein Taxi bekommen würde.

Wir haben uns während der Fahrt ein wenig unterhalten – aber ehrlich gesagt war bei mir nicht viel an lässigem Gespräch zu machen. Ich war starr vor Panik und zählte die Sekunden, die in einer unglaublichen Geschwindigkeit davonrasten. Wenn ich ein Taxi kriegen würde und wenn dann alle Ampeln grün wären und wenn ich mich dann sofort in dem riesigen Prüfungs-Gebäude zurechtfinden würde, dann wäre ich nur ungefähr zehn Minuten zu spät…

Aber zehn Minuten zu spät zur mündlichen Diplomprüfung – die würden mich bestimmt nicht mehr drannehmen!!! Oh Gott, ich würde die ganze Prüfung wiederholen müssen!

Um eine für mich gefühlt unendlich lange Geschichte kurz zu machen:

Es war siebzehn Minuten nach Prüfungstermin, als ich völlig durch den Wind vor dem Prüfungsraum angekommen war. Ich klopfte. Keine Antwort. Ich öffnete ganz langsam die Türe…

Drinnen saß einer von meinen Profs hinter der Süddeutschen Zeitung. Sonst war keiner da.

Ich konnte nichts sagen. Sah ihn nur entgeistert an.

„Hatten’s auch Probleme mit der Bahn???“

„Äh.“

„Ja, ich weiß schon, heut‘ ist’s echt dick. Die beiden Prüfer aus Niederbayern hängen auch noch bei Landshut fest. – Dann holen S’sich doch noch einen Kaffee. Die zwei anderen Prüflinge sind auch grad‘ in die Kantine. Ich sag Ihnen dann schon rechtzeitig Bescheid.“

Plumps. Ratter. Plumps.
Mir ist ein unendlich riesiger Stein vom Herzen gefallen. Und aller Horror hat sich in Luft aufgelöst.

Mit insgesamt einer halben Stunde Verspätung fing meine mündliche Prüfung an. Und ich war vergnügt und optimistisch. Denn egal, was hier noch passieren sollte – das Schlimmste hatte ich für diesen Tag definitiv hinter mir!

Der Prof nahm seine Süddeutsche zur Hand und schlug die erste Seite auf: „Na, zum Zeitunglesen hatten’S wohl heute keine Zeit, gell. Aber da hab‘ ich grad eine ganz interessante Geschichte gefunden, über die können wir uns gleich unterhalten.“

Haben wir dann auch gemacht. Wir führten ein total entspanntes Gespräch über den Besitzer eines Baumhauses im Englischen Garten und dessen Grundrechte sowie die Baugenehmigungspflicht für Baumhäuser im Allgemeinen und Besonderen und kamen von einem zum anderen…

Es war nicht wie eine Prüfung. Eher wie eine Diskussion unter Kollegen. Und in meiner unendlichen Erleichterung, dass ich überhaupt rechtzeitig angekommen war, blubberte mein Wissen nur so aus mir heraus.

Was soll ich sagen: Das war die entspannteste Prüfungssituation meines Lebens.

Das soll aber keineswegs bedeuten, dass Zuspätkommen am Prüfungstag eine gute Strategie zur Notenverbesserung ist.

Was ich damit sagen will, ist: Du kannst es nicht planen – auch dann nicht, wenn du dir vorher noch so viele Gedanken machst. Das Leben kommt, wie es kommt – und es ist meistens viel weniger schlimm als befürchtet.

Und: Prüfer sind auch nur Menschen. Echt! Manche davon sind sogar total nett.

So, jetzt gehe ich zu meinen Studierenden. Vielleicht werde ich ihnen die Geschichte meiner mündlichen Prüfung erzählen… 

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine

Christine

1) Das Gefühl vor dem Seminar ist ungefähr so, wie ich mir das Gefühl des Fallschirmspringers an der offenen Flugzeugtüre vorstelle. Der kleine Schritt kostet riesige Überwindung – aber dann ist es genial.

Ich glaube, ich sollte das irgendwann auch mal ausprobieren – also, das Fallschirmspringen…

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Soziale Ängste

Warum du auf Entspannung nicht verzichten solltest

Du weißt bestimmt längst, dass es dir einfach gut tut, wenn du dir Entspannung gönnst – je tiefer, desto besser. Und ich würde mich für dich freuen, wenn du bereits eine Ent­spannungs­methode für dich gefunden hast, die du gerne machst und die für dich funktioniert. Ein paar Gedanken zur Entspannung habe ich ja letztens schon geschrieben…

Es ist schon ein ziemlich guter Grund für das regelmäßige Entspannen, dass man sich dabei und danach einfach rundum wohlfühlt. Wenn der Kopf und die Muskulatur loslässt, ist das wie ein kleiner Urlaub. 

Einen zusätzlichen Aspekt habe ich erst kürzlich gelesen…

Wut und Angst brauchen Muskelspannung zum Entstehen!

Okay, Wut ist jetzt nicht so mein Thema. Ich bin seltenst richtig wütend – aber ich gebe zu, dass ich dann körperlich mächtig angespannt bin.

Spannend finde ich das mit der Angst

Wenn Angst Muskelanspannung braucht, hieße das ja, dass ich keine Angst kriege, solange die Muskeln locker bleiben. Das hieße also genau genommen, dass ich mit allen Methoden, die die Muskeln entspannen, aktiv etwas gegen die Angst unternehmen kann.

Mir kommt das so ein bisschen vor wie die Frage, wer zuerst da war: Die Henne oder das Ei.

Bin ich angespannt, weil ich Angst habe?
Oder bekomme ich Angst, weil ich angespannt bin?

Und wie bei Henne und Ei ist es letztlich vollkommen wurscht. Denn das allerbeste ist eh, keine Angst zu haben UND entspannt zu sein.

Angst zu vermeiden nervt

Normalerweise gehen wir dem aus dem Weg, was uns Angst macht. Das heißt nicht, dass wir entspannt sind, aber wenigstens können wir relativ sicher sein, dass wir dem Auslöser für die Angst nicht begegnen. Jedenfalls hoffen wir das.

Es ist aber schon ganz schön stressig, immer darauf zu achten, dass nicht zwischendurch doch so eine Angstsituation entsteht. Und außerdem engt es den Lebensraum je nach Angst auch gewaltig ein – und das nervt noch zusätzlich.

Entspannung gegen die Angst

Mit der superschnellen Entspannung habe ich schon gute Erfahrungen bei Lampenfieber gemacht. Und ich kann auch bestätigen, dass ich weniger Angst empfinde, wenn ich in einer entspannten Situation intensiv an einen meiner Angstauslöser denke.

Ich kann mir gut vorstellen, dass man Entspannungsmethoden als Prävention für künftige Angstsituationen nutzen kann. 

Das hätte den Vorteil, dass du gar nicht an Angst denkst, sondern das Yoga, die Meditation, das autogene Training oder was auch immer genießen kannst. Und dennoch lernst du, wie du auf deine Muskeln und deine Gedanken Einfluss nehmen kannst – und wie du das mit der Zeit auch in schwierigen Situationen hinkriegst.

Lass dich unterstützen

Das Problem bei akuten Ängsten ist ja leider, dass die Angst vor der Angstsituation schon dazu führt, dass alle Entspannung dahin ist. Und wenn die Angstreaktion erst mal läuft, ist es so gut wie unmöglich, dass du dich selber wieder zur Ruhe bringen kannst.

Daher ist es auch so schwer, sich allein von seinen Ängsten zu befreien. Wenn dir jemand dabei hilft, die Angstreaktion zu steuern, indem er dich begleitet und anleitet, ist das wesentlich einfacher.

Darum solltest du dich bei starken Ängsten immer von einem Therapeuten begleiten lassen – du brauchst dich nicht ewig allein zu quälen, wenn es mit Hilfe vom Fachmann schneller und angenehmer geht, die Ängste loszulassen. 

Welche Erfahrungen hast du mit Entspannungsmethoden? Was ist nützlich? Was ist zu umständlich?

Sorge gut für dich und
sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine

Christine
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Soziale Ängste

Die schnellste Entspannung der Welt

Manchmal willst du auf die Schnelle deine Anspannung loswerden. Vielleicht hast du auch schon die perfekte Entspannungs­methode für dich gefunden – es gibt ja unzählige für jeden Geschmack:

  • Meditation,
  • Yoga,
  • Progressive Muskel­ent­spannung,
  • Autogenes Training,
  • Tai Chi,
  • Achtsamkeit,
  • undsoweiterundsofort.

Jede dieser Methoden ist super hilfreich.
Jede braucht eine Weile, bis man sie erlernt hat.
Und jede braucht eine gewisse Zeit, bis du damit zur Ruhe kommen und wirklich  entspannen kannst.

So viel Zeit hast du nicht, wenn du JETZT nach vorne gehen und eine Präsentation halten musst. Du kannst dir – sagen wir mal – maximal eine Minute nehmen, bevor du dran bist…

Was du aber immer und überall machen kannst – selbst wenn du schon vorne am Rednerpult stehst und darauf wartest, dass deine Zuhörer bereit zum zuhören sind:

  1. Atme tief ein und wieder aus.
  2. Nochmal. Spüre dabei, wie sich deine Schultern beim Einatmen von allein zu den Ohren bewegen (ohne dass du irgendetwas mit ihnen machst).
  3. Und nochmal. Wenn die Schultern beim Einatmen hoch gehen: Lass sie ganz bewusst mit einem kräftigen Ausatmen nach hinten unten fallen (so in Richtung Gesäßtasche deiner Jeans).
    Keine Sorge – das einzige, was eventuelle Zuschauer sehen, ist, dass du jetzt schon viel aufrechter dastehst.
  4. Wiederhole das Fallenlassen der Schultern so oft, bis sie unten bleiben. Bei mir dauert das meistens so um die sieben bewusste Atemzüge lang. So viel Zeit kannst du dir immer nehmen!
  5. Wenn die Schultern beim Atmen unten bleiben, haben sich deine Schultern entspannt, der Brustkorb ist „offen“ und der Atem kann ungehindert ein- und ausfließen. Außerdem hast du eine wesentlich freiere Stimme und dein Hirn ist bestens mit Sauerstoff versorgt.
    Also: Leg los!

Mir reicht diese kleine Entspannung am Anfang meistens, um gut durch die ganze Präsentation zu kommen.

Wenn du aber während des Vortrages nochmal angespannt bist: Gönne dir und deinem Publikum eine kleine Pause und einige tiefe Atemzüge. Durchschnaufen tut auch deinen Zuhörern zwischendurch gut.

Wahrscheinlich habe ich in der Überschrift übertrieben und es gibt eine noch schnellere Entspannungsmöglichkeit. Aber für mich ist das die schnellste und beste. Überall unauffällig einsetzbar, mit sofort spürbarem Ergebnis – und dazu noch völlig nebenwirkungsfrei.

Was hast du für Erfahrungen mit Entspannung? Nutzt du eine von den Methoden, die ich im Vorspann aufgezählt habe? Oder kennst du noch was besseres?

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine

Christine
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Soziale Ängste

Hunderte von fremden Menschen…

Weißt du, wie es ist, auf einer großen Veranstaltung niemanden zu kennen? Hunderte von Menschen scheinen sich um dich herum angeregt zu unterhalten, während du versuchst, in einer Ecke unsichtbar zu werden… Du stehst herum und fühlst dich unwohl, linkisch und überflüssig. Und du fragst dich insgeheim, was dich auf die blödsinnige Idee gebracht hat, an einer solchen Veranstaltung teilzunehmen…

Ich wusste genau, warum ich am Kongress teilnehmen wollte: Jede Menge spannende Vorträge, tolle Sprecher, interessante Themen. Aber eben auch jede Menge Menschen – und ich kannte nur wenige so gut, dass ich entspannt auf sie zugehen konnte.

Während ich also am Rande des Geschehens gewartet habe, bis endlich der offizielle Teil losgeht und kein Small-Talking mehr erwartet wurde, habe ich mir ein paar Strategien für solche Events überlegt.

6 Überlegungen, um sich unter vielen Menschen wohler zu fühlen:

  1. Sei pünktlich, aber nicht zu früh.


    Wenn du rechtzeitig da bist, kannst du dich unauffällig unter die Besucher mischen – allerdings nur, wenn auch schon eine gewisse Zahl von Leuten da ist.
    Den großen Auftritt in letzter Minute möchtest du aber sicher vermeiden. Plane daher die Zeit ein, die du brauchst, um dich in der fremden Umgebung zurechtzufinden. Die Veranstaltung wird für dich ein Erfolg, wenn du dich von Anfang an wohl fühlst.
  2. Such dir eine ruhige Ecke und beobachte.


    Es spricht absolut nichts dagegen, wenn du dich erst mal in den Hintergrund zurückziehst und dich umschaust. Nimm in aller Ruhe den Raum, die Stimmung, die Leute wahr – und vielleicht entdeckst du sogar jemanden, mit dem du dich vertraut genug fühlst, um auf ihn zuzugehen.
  3. Such dir schon mal deinen Platz.


    Auch wenn scheinbar alle im intensiven Gespräch vertieft herumstehen – du kannst dich ohne weiteres schon mal auf deinen Platz setzen. Vielleicht liegt ja Lesestoff aus , mit dem du dich beschäftigen möchtest (beispielsweise das Programmheft oder die Veranstaltungsbroschüre). Oder du hast dein Notizbuch dabei und möchtest dir etwas aufschreiben. Und nichts ist unauffälliger als jemand, der sich intensiv mit seinem Smartphone befasst. Zum Beispiel um es schon mal stumm zu schalten.
  4. Konzentriere dich auf den Inhalt.


    Ob du einen Vortrag, ein Konzert, ein Theaterstück oder eine Sportveranstaltung besuchst – du bist hier, weil dich der Inhalt interessiert. Richte deine Aufmerksamkeit von Anfang bis Ende auf den Inhalt, genieße die Veranstaltung.
    Die Leute um dich herum interessieren sich auch nur für die Show. Du brauchst also erst mal keinen Gedanken an sie zu verschwenden.
  5. Pausen sind zum Pause machen da.


    Auch wenn die ganzen Extravertierten in jeder Pause sofort jemanden suchen, dem sie ihre Meinung sagen können – es ist völlig okay, wenn du die Pause nutzt, um für dich zu sein und dich zu erholen. Wenn dir die Leute zu viel sind, dann geh irgendwo hin, wo nicht so viele sind. Du kannst nach draußen gehen, vielleicht sogar einen kleinen Spaziergang machen und dich erholen. Oder du suchst dir eine ruhige Ecke (siehe 2.).
  6. Du musst nicht länger bleiben als du möchtest.


    Du kannst jederzeit gehen. Vor allem musst du nicht nach der Veranstaltung herumstehen, wenn du dazu keine Lust hast. Es war anstrengend genug, mit den vielen Menschen in einem Raum zu sein – wenn es dir reicht, dann reicht’s!

Bonus-Ideen (als ordentliche Herausforderung):

Wenn du das Gefühl hast, mit Veranstaltungen im allgemeinen ganz gut zurecht zu kommen – aber auch erst dann!!! -, ist es vielleicht an der Zeit, in Kontakt zu kommen. Daher kommen hier noch drei Überlegungen, wie du als stiller Mensch mit anderen ins Gespräch kommst.

  1. Die Toiletten-Schlange.


    Die Warterei vor dem Klo (alternativ vor dem Getränkeverkauf oder den Fan-Artikeln) regt viele Leute zu einer belanglosen Unterhaltung an. Vielleicht kannst du ja eine kleine Antwort geben, wenn die Menschen vor oder hinter dir kleine Gesprächsfetzen austauschen. Versuche erst gar nicht, geistreich und tiefschürfend zu sein. Niemand erwartet in dieser Situation viel Inhalt – es geht einfach nur darum, die Zeit totzuschlagen. Und trotzdem hast du einen kleinen Kontakt geknüpft.
  2. Die Allein-Stehenden.


    Es gibt auf jeder Veranstaltung Leute, die alleine da sind und sich genauso unwohl fühlen wie du. Du kannst sie daran erkennen, dass sie von einer ruhigen Ecke aus die Leute beobachten oder an ihrem Platz mit dem Handy spielen. Wenn du dich gerade richtig gut fühlst, dann geh auf so jemanden zu. Allerdings musst du ihm dann auch eine Gelegenheit geben, den Kontakt mit dir aufzunehmen, indem du ihn ansprichst. (Nur hingehen und auffordernd gucken ist für euch beide megapeinlich!)
    Halte deinen ersten Satz so simpel wie nur irgend möglich:
    „Findest du die Veranstaltung interessant – lustig – hilfreich – spannend – unterhaltsam?“
    „Warst du schon mal hier?“
    „Kennst du auch niemanden?“
    SO SIMPEL WIE IRGEND MÖGLICH!!!
    Wenn sich die oder der Allein-Stehende auch nur ansatzweise so unwohl fühlt wie du, wird er dankbar das Gesprächsangebot annehmen. Wenn nicht, hast du immerhin enormen Mut bewiesen und kannst dich erst mal zurückziehen, um dich über diesen Erfolg zu freuen.
  3. Die Grüppchen besuchen.


    Okay, das ist jetzt schon ziemlich herausfordernd: Es bilden sich oft Grüppchen von Leuten, die sich vor der Veranstaltung noch nicht kannten und über Belangloses plaudern. Die haben dann auch nichts dagegen, wenn sich noch jemand dazu gesellt. Allerdings braucht es eine gute Beobachtungsgabe und ein gewisses Fingerspitzengefühl, um zu erkennen, ob man nicht stört.
    Wenn du dich zu einem Grüppchen gesellen möchtest: Sag etwas – SO SIMPEL WIE IRGEND MÖGLICH (siehe oben).
    Bist du willkommen, dann wirst du in die Runde einbezogen. Wenn nicht, hast du enormen Mut bewiesen…

Bei allen Ideen, mit vielen Menschen umzugehen, solltest du dir immer bewusst sein, dass du Rückzugsräume und Ruhepausen brauchst. Leute zu treffen macht viel Spaß, wenn du es entspannt genießen kannst.

Wenn du dich überfordert fühlst, dann nimm dir deinen Raum und deine Zeit. So wirst du eine gute Erinnerung an diese Veranstaltung haben und dich auf die nächste Gelegenheit, unter viele Leute zu gehen, freuen können.

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine

Christine

PS: Als ich vor Beginn des Kongresses so herumgestanden bin, sind zwei liebe Bekannte aufgetaucht. Und schon war ich viel viel entspannter.

Daher mein Super-Bonus-Zusatz-Tipp: 

Am allerbesten gehst du mit Freunden hin oder triffst dich dort mit jemandem (mit dem du vorher ganz genau abgesprochen hast, wann und wo, damit du nicht alleine rumstehen musst). Mit vertrauten Leuten macht es halt einfach am allermeisten Spaß.

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