Leserthemen

Stille Stärken – ein Gedicht

Ich freue mich sehr darüber, dass Antje Bothin ein Gedicht und das dazu passende Bild als Gastbeitrag für den Blog zur Verfügung gestellt hat.

Ihr Angebot, auf diese Weise ihre Erfahrungen mit
anderen zu teilen, um noch mehr Aufmerksamkeit auf das Thema Sprechblockaden zu lenken, habe ich sehr gerne angenommen.

Antje Bothin

Stille Stärken

Manche Menschen sind einfach still
Und das ist nicht unbedingt schlecht
Etwas sagen wann immer man will 
So ist es meistens ganz recht.

Im Zuhören und Beobachten
Da sind sie richtig toll
Sie können gut Dinge betrachten
Und zuverlässig sind sie meist voll.

Sehr aufmerksam an allen Tagen
hochkonzentriert und tiefgründig
Interesse an so manchen Fragen
Führungsstark und ordentlich.

Ein bisschen Perfektionismus
Und dazu ein Schuss Kreativität
Schreiben steigert ihren Energiefluss
Sie mögen das Computer-Gerät.

Liebenswert und fürsorglich 
Oft wird das Alleinsein gewählt
Lernfreudig und gut zu sich
So dass der Spaß nicht fehlt.

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Leserthemen

Gedicht zum Frühling

Die Zeiten sind speziell.
Das C-Wort kann man längst nicht mehr hören - und doch ist es auch in diesem Jahr Frühling geworden. Wie immer.

Die Natur macht, was eben gerade dran ist. Wir können uns daran gerne ein Beispiel nehmen. Schließlich gibt es immer etwas, das wir schaffen können.

Janne Jesse schreibt Gedichte. Du kennst vielleicht ihre gereimten Mutismus-Bücher für Kinder: Aurelia sagt nie Danke oder Der stille Ritter Tom. Sie hat aber auch einen Gedichtband für Erwachsene unter dem Titel Tintenstimme: Gedichte aus der Stille herausgebracht (Links zu Amazon, unentgeltliche Werbung).

Und ganz aktuell hat sie das folgende Gedicht geschrieben, das den Frühling mit CoViD-19 zum Thema hat.

© Janne Jesse

Frühling im Zeichen von…

Alles wartet - auf dem Sprung,
nur ein letzter Sonnenstrahl,
bis ein neues Reich gedeiht,
auf dem alten es gebahrt.

Glänzend, prall die runden Knospen,
ihr Korsett schon längst zu stramm,
bald gesprengt die engen Ketten,
nicht mehr lang' es dauern kann.

Wischt fort die Tränen jüngster Sorgen,
und den Sand der dunklen Nacht,
zuversichtlich nicken Blümchen,
aus dem Winterschlaf erwacht.

Streckend ihre schlanken Glieder,
zu den Wolken - hoch hinaus,
emsig lockt die grelle Zierde
in ihr warmes Sonnenhaus.

Heimgekehrt die bunten Vögel,
lösen ab die Krähenschar,
fröhlich klingt es durch die Lande,
eben noch es anders war.

So schien dem Tode unsere Welt,
unser Chaos sie nicht schert,
höhnisch dreht sie einfach weiter,
jeglich Anstand ihr entbehrt.

Möchte heilen unsere Wunden,
möchte trösten unser Herz,
schickt den Frühling zu verkünden,
dass kein Leid auf ewig währt.

Ihr dürft lachen, wieder hoffen,
lehrt sie uns an jedem Tag,
um zu trauern und zu weinen
einst sie uns den Winter gab.

Wir werden's nie vergessen,
was heute nicht mehr ist,
doch müssen weiter wachsen,
wie Bäume hoch zum Licht.

Zu Ehren alter Zeiten
erblüht in schönster Pracht,
was Wandel und Gezeiten
als Gaben uns gebracht.

Janne Jesse

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Leserthemen

Leserthema: Ich muss eine Präsentation halten. Was mach ich mit den Händen?

Janna hat mir auf Facebook folgende persönliche Nachricht geschrieben:

„Ich muss in der Uni eine Präsentation halten. Mit den Inhalten habe ich mich nun schon eine Weile beschäftigt. Das werde ich wohl irgendwie hinkriegen. Aber wenn ich dann da vor den Leuten stehe – was mach ich dann mit meinen Händen? Ich habe gelesen, dass man da ganz besonders viel falsch machen kann…“

Meine schnelle Antwort war: „Vergiss die Hände. Halte einfach deine Präsentation. Nach ein paar Minuten wird deine ganz natürliche Gestik wie von selbst da sein. Garantiert.“

Ich hatte den Eindruck, dass Janna mit dieser schnellen Antwort nicht so glücklich war. Denn in ihrer Frage an mich stecken ganz viele „Warums“, und die habe ich mit meiner kurzen ins Smartphone getippten Antwort alle offen gelassen.

Also nochmal ganz in Ruhe:

Warum man bei der Präsentation die Hände braucht

Warum man die Hände braucht? Na, weil man sie eh dabei hat…
(Sorry, der musste sein. Jetzt wenden wir uns diesem ernsten Thema aber mit der angemessenen Ernsthaftigkeit zu.)

„Präsentation“ heißt, dass du vor einer kleinen oder großen Gruppe von Leuten über ein Thema sprichst, mit dem du dich auskennst und/oder an dem dir viel liegt.

Wenn du präsentierst, führst du also ein Gespräch, bei dem du direkt die Reaktionen von den Zuhörern erkennst, aber in der Regel nicht im Dialog mit ihnen bist.

Deine Hände machen dennoch genau das, was sie in jedem anderen Gespräch mit deiner Freundin, deinem Dozenten, deinen Eltern auch machen – sie bewegen sich, während du sprichst.

Das passiert ganz natürlich und unwillkürlich. Und es kommt auch ganz natürlich als Ausdruck deiner Persönlichkeit bei deinen Gesprächspartnern an.

Genau so wird es auch sein, wenn du dich bei einer Präsentation wohlfühlst und entspannt(er) sprichst: Die Gestik passiert natürlich und du wirst sie nicht mal mehr bemerken, weil du so in deinem Thema bist.

Daher finde ich es ganz enorm wichtig, dass du die Hände frei hast, damit sie sich ganz von selbst bewegen können.

Wenn du für die ersten Minuten ein paar Karteikärtchen brauchst, um deine Stichworte parat zu haben, dann ist das okay. Aber bitte leg sie weg, sobald du sie nicht mehr brauchst. Dann können deine Hände besser deine Worte begleiten.

Wenn du öfter mal mit einer Bildschirmpräsentation und dem Beamer präsentieren willst, dann organisiere dir eine kleine Fernbedienung, mit der du die Folien vorwärtsklickst. So kannst du dich und deine Hände frei bewegen und versteckst dich nicht unbeweglich hinter dem PC.

Aber mach bitte keine Wissenschaft daraus. Deine Gestik ist da – je weniger kompliziert du es machst, desto natürlicher zeigt sie sich.

Warum es eine Wissenschaft der richtigen Gesten gibt

Da muss ich etwas ausholen…

Die alten Griechen sind ja bekannt für großes Theater, große Philosophen und große Politiker. Und daher gelten sie als Erfinder der großen Gesten vor dem großen Publikum.

Ich stelle mir vor, wie ein angehender Polit-Philosoph im Athen von vor 2500 Jahren in einem riesigen Amphitheater in der Mitte stand und auf die Ränge kuckte und sich einfach nur jämmerlich fühlte. Er wusste nicht, wie er sich verhalten sollte und wie er laut genug reden könnte und wie er sich seine ellenlange Rede merken sollte. Und natürlich hatte er keine Ahnung, was er mit seinen Händen anfangen sollte.

Also suchte sich der olle Empedokles einen Coach, der ihm mit einigen klassischen Regeln beibrachte, wie man im antiken Amphitheater von Syrakus erfolgreich vor einer Menschenmasse rüberkommt.

(Ich habe da mal gestanden, mitten in diesem runden Amphitheater, auf der Bühne. Es war kein nennenswertes Publikum da – von ein paar Touristengruppen mal abgesehen. Aber ich empfand es als enorm beeindruckend, da zu stehen. Und ich hätte definitiv kein Wort herausgebracht, das bis zu den Sitzreihen gereicht hätte. Dass man dort mit megagroßer Gestik alles Gesagte verdeutlichen musste, war mir sofort klar.)

Die Regeln, die die antiken Bühnen-Coaches damals für Leute wie den Empedokles zusammengesammelt haben, nennt man heute noch Rhetorik – die Kunst und Wissenschaft der freien Rede.

Allerdings gibt es heute keine Amphitheater mehr. Die meisten Präsentationen finden in Klassenzimmern, Uni-Lehrsälen, Konferenzräumen statt. Richtig große Auftritte auf der ganz großen Bühne sind vergleichsweise selten. (Und für die gelten, nebenbei gesagt, andere Regeln. Eine große Show braucht auch heute noch große Gesten und ein Drehbuch. Wir bleiben jetzt aber bei den üblichen Präsentationen in Schule, Uni und Beruf.)

Das Problem der richtigen Lautstärke in großen Räumen bzw. großen Gruppen ist mittlerweile durch Mikrofone bestens gelöst. Wobei das in Klassen- und Gruppenräumen kein Thema ist, weil die Raumgröße und Teilnehmerzahl sehr überschaubar ist. Du brauchst zwar etwas „mehr Stimme“ als in einer Unterhaltung – aber das kriegt jeder hin.

Deine Rede musst du dir heute auch nicht mehr komplett merken. Wir haben – anders als die alten Griechen – Notizpapier und Karteikärtchen und PowerPoint. Und vor allem ist für uns eine Rede keine Wissenschaft, sondern ein Mittel zum Zweck.

Der Zweck ist: Mitteilen, was deine Inhalte sind und was dir wichtig ist. Und zwar so, dass deine Zuhörer dich verstehen. Mehr nicht.

Für so einen griechischen Antik-Polit-Lehrling war das völlig anders. Damals gab es keine Medien und wenig Unterhaltung. Da fanden es die Leute cool, wenn einer sich hinstellte und vor großem Publikum großes Theater ablieferte. Ob man die Inhalte echt verstehen würde, war gar nicht so wichtig, solange der Typ sich wie ein Rhetorik-Rockstar präsentierte.

Oder glaubst du echt, dass das Publikum die ollen Philosophen dafür bewundert hat, dass ihre Rede informativ, schlüssig, prägnant und sympathisch war?

Warum die großen Gesten der Rhetorik für Stille Menschen zu groß sind

Rhetorik ist ganz großes Theater. Und genau so fühlt es sich auch an – als ob man jemanden spielt, der man (noch) überhaupt nicht ist.

Du hast nach den Regeln der Rhetorik ein Drehbuch, das dir genau vorgibt, was du sagst, wie du es sagst und wie du es mit Gesten, Mimik, Haltung, Stimme darstellen musst. Und das lernst du auswendig, probst es unzählige Male, machst Generalproben mit Menschen, die dich auf alles hinweisen, was sie nicht gut an dir finden, fühlst dich deswegen fürchterlich klein und völlig verunsichert…

Und wenn du dann nach all der Vorbereitung endlich präsentierst, wirkst du wie jemand, der völlig verunsichert etwas herunterredet, was er auswendig gelernt hat und was er verzweifelt durch Gesten und Stimm-Effekte besser machen möchte.
Nicht gut.

Bitte tu dir und deinem Publikum das nicht an. Du bist kein Schauspieler und du willst auch keiner sein – erzähle einfach den Leuten, worum es in deinem Vortrag geht.

Ich persönlich empfinde es als sehr anstrengend, wenn ich einem Menschen zuhören soll, der alles mit (zu) ausladender Gestik verdeutlichen will. Das lenkt mich nur unnötig ab. Denn mir geht es um den Inhalt, nicht um die Verpackung.

Vermutlich denkst du da ähnlich. Man sagt uns Introvertierten nach, dass wir uns von zu viel Drama eher abgestoßen fühlen, weil wir uns auf die Information konzentrieren möchten.

Als Stille Menschen punkten wir mit Wissen, Erfahrungen, Meinung – eben mit ganz viel Inhalt. Wenn wir uns dabei zeigen, wie wir sind, dann fühlt sich das Publikum angesprochen – denn wir sind im Dialog, nicht im Theater.

(Der Vollständigkeit halber: Extravertierte Redner haben dafür wenig Verständnis. Die finden Drama und Theater und einstudierte Rhetorik nicht so störend. Müssen sie auch nicht. Sei du selbst, lass die anderen anders sein – auch wenn‘s um Stilfragen beim Präsentieren geht.)

Warum es verflixt schwer ist, vor Publikum die einstudierten Gesten zu machen

Du kannst dich auf wenige Sachen gleichzeitig konzentrieren. Wenn du nervös bist, sind vielleicht schon drei Konzentrations-Punkte dein Limit.

Ich habe mittlerweile in Präsentations-Trainings Hunderte von Teilnehmern bei Übungs-Vorträgen unterstützt und meine persönliche Reihenfolge der Konzentrations-Punkte aus dem abgeleitet, was ich gesehen habe:

  1. Atmen. Ohne geht‘s nicht. Trotzdem wird es immer vergessen.
  2. Anfangen. Es braucht Konzentration, die ersten drei Minuten zu reden. (Danach wird es schnell leichter und die Konzentration steht DANN für die Inhalte zur Verfügung.)
  3. Pausen machen. Sprich so schnell du magst, aber nimm dir Zeit zum Atmen und zum Denken. Das ist wichtig für dein Publikum.
    (Und für dich selbst schadet es auch nichts.)
  4. Sachen zeigen. Per Beamer oder am Flipchart. Mit einer bildhaften Geschichte. Oder mit einem Anschauungs-Objekt. Jedenfalls irgendetwas, das die konzentrierten Blicke der Zuschauer von dir weg lenkt.
  5. Das Publikum wahrnehmen. Merken, was im Raum vorgeht. Sind die Leute mit Interesse dabei? Was brauchen sie, um noch mehr dabei sein zu können?
  6. Deine Gefühle wahrnehmen. Was hast du für ein Gefühl, wie du deinen Vortrag gestalten solltest? Was kommt an spontanen Impulsen?
  7. Auf deinen körperlichen Ausdruck achten. Bist du beweglich? Passt die Bewegung zum Inhalt? Fühlst du dich wohl dabei?

Wie gesagt: Bei drei kann schon Schluss sein, wenn du sehr aufgeregt bist. Erwarte bitte nicht von dir, dass du bei der ersten (oder der zehnten) Präsentation schon Konzentration für 5. bis 7. aufbringst. Diese Punkte kannst du später dazunehmen, wenn du Atmen, Reden und Nichtreden „automatisch“ koordinieren kannst.

Und das meinte ich am Anfang mit „vergiss die Hände“. Du wirst sie im Ernstfall eh vergessen – es wäre also Quatsch, vorher viel Vorbereitungszeit dafür zu verschwenden.

Warum Natürlichkeit besser für dich ist

Wenn du einfach du bist, musst du nicht viel vorbereiten.

Ja, ich weiß. Du fühlst dich als DU vor Publikum doof.

Wichtiger Hinweis: Du fühlst dich vor Publikum immer doof, wenn du dich noch nicht daran gewöhnt hast. Es ist aber leichter, wenn du dich dabei nicht auch noch verstellen musst.

Warum es ein paar Minuten dauert, bis du natürlich wirkst

Ich hatte schon Teilnehmer im Präsentationstraining, denen ging es vor ihrem Übungsvortrag alles andere als gut. Dabei ging es in der Übung um nichts weiter, als ein paar Minuten vor den anderen Teilnehmern über irgendein einfaches Thema zu reden.

Meine Beobachtung ist: Auch sichtlich überforderte Teilnehmer kriegen Durchatmen und Anfangen hin. Und während sie vorne stehen und etwas machen (was nicht immer exakt das ist, was sie vorher geplant hatten, aber das ist egal), werden sie wieder zu dem Menschen, der sie sonst auch sind.

Die Aktivität hilft, den Stress abzubauen. Und witzigerweise bringen gerade die natürlichen Bewegungen der Hände ganz viel, um schnell ruhiger zu werden.
Da nimmt es auch niemand übel, wenn sich die Aufregung in diesen Bewegungen ganz zu Anfang deutlich zeigt. Denn jeder im Publikum weiß, dass es echt schwierig ist, sich vor eine Gruppe zu stellen und zu reden. (Und insgeheim sind alle froh, dass sie nur dasitzen und dabeisein brauchen…)

Nach drei Minuten wirken auch extrem nervöse Sprecher bereits sehr natürlich und locker.

Meine Teilnehmergruppen bestätigen immer wieder, dass sie als Zuschauer schon nach den ersten paar Sätzen einer Präsentation keine nennenswerte Aufregung mehr beim Redner festgestellt haben.

Warum es sich für dich viel länger anfühlt, bis du anfängst, dich wohlzufühlen

Als Sprecher kriegt man das Gefühl, natürlich und authentisch zu sein, erst viel später. Das kann schon mal zehn oder zwölf Minuten dauern, bis du dich wie du selbst fühlst, während du dein Thema vorstellst.

Wichtige Info: Das Publikum merkt längst nicht mehr, dass du nervös warst. Das Gefühl von Unbeholfenheit bzw. Angst ist lediglich deshalb noch da, weil die Körper-Chemikalien, die die Auftrittsangst ausgelöst hatten, erst im Laufe der Zeit langsam abgebaut werden.

Der Trick: Einfach weitermachen und keine Konzentration für etwas verschwenden, was du eh nicht ändern kannst. Je weniger du deine Auftrittsangst zum Thema machst, desto schneller geht sie weg.

Du brauchst dein Publikum übrigens nicht darüber zu informieren, dass du schrecklich nervös bist. Denn die sehen dich schon viel souveräner, als du dich gerade fühlst – und sind deshalb von so einem Bekenntnis nur verwirrt.

Leg einfach los. Mach die Aufregung und/oder Angst nicht zum Thema in deiner Präsentation!

Warum dir der Inhalt deiner Präsentation hilft, eine authentische offene Haltung zu zeigen

Wenn das Thema deines Vortrages „dein Thema“ ist, dann kommst du ganz schnell an den Punkt, an dem du mehr erzählen WILLST.

Einem Sprecher, der Begeisterung für seine Inhalte empfindet, hört ein Publikum gebannt zu. Denn da spüren alle: Der ist echt.

Ich habe schon grund-authentische Vorträge über rechtliche Vorgaben für Imbissbuden-Besitzer oder das Wanderverhalten des Bibers oder das richtige Einschenken von Weißbier oder die gesetzlichen Anforderungen bei der Renten-Nachversicherung gehört – und war begeistert.

(Und das, obwohl mich die Themen allesamt nicht mal ansatzweise interessiert haben. Aber meine Teilnehmer im Präsentationstraining arbeiten in solchen Bereichen und haben mich mit ihrem Wissen, ihren Erfahrungen und ihrer Authentizität mitgenommen in Inhalte, die ich nun, nachdem sie mir voller echter Begeisterung präsentiert wurden, auch echt spannend finde.)

Warum du nichts falsch machen kannst, wenn du DU bist und dich mit dir wohl fühlst

Du hast nur dich, wenn du vor Publikum stehst.
Wenn du DU bist, bist du immer richtig.

Das Schönste, was ich nach einem Präsentationstraining einem Teilnehmer als Feedback geben kann, ist: „Du warst voll und ganz präsent für mich – und ich hätte gerne noch viel länger zugehört.“

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine

Christine
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Sag niemals NIE…

Im August fand auf der Facebook-Seite von Stille-Stärken.de die „August-Challenge“ statt. Die Herausforderung war, jeden Tag im August etwas Neues auszuprobieren – und darüber dann einen kleinen Kommentar auf Facebook zu posten.

Da kamen viele spannende Ideen zusammen. Zum Beispiel auf Moosgummi-Bällen liegen, im Freien übernachten, spontan Leute treffen, Cornhole spielen, neue Radiosender ausprobieren… Und immer wieder ungewohnte Wege gehen, außergewöhnliche Sachen essen und gewöhnliche Aufgaben anders als sonst erledigen.

Dabei ging es uns überhaupt nicht darum, besonders spektakuläre Aktionen zu schaffen, sondern es ging darum, ein kleines Bisschen kreativer durch den Alltag zu gehen und dabei einmal am Tag die eigenen Routinen zu verlassen.

Ich habe mich sehr gefreut, dass auch Simone sich an der Aktion mit vielen Ideen beteiligt hat. Und über ihre herausforderndste „Kenn-ich-nicht-probier-ich-aus“-Idee hat sie den heutigen Gastbeitrag für meinen Blog geschrieben. Das freut mich noch viel mehr.

Simone habe ich zum ersten Mal vor etwa zwei Jahren gesehen. Und zwar auf YouTube. Dort hat sie einen eigenen Kanal – „MutismusVideoOnline“ – und in ihren Videos erzählt regelmäßig auf ihre beeindruckend authentische Weise ihre Gedanken direkt in die Kamera.

Dass wir uns vor ein paar Wochen auch persönlich kennenlernen konnten, hat mich besonders gefreut, denn Simone hat Selektiven Mutismus – und deshalb war das Treffen mit mir für sie keineswegs selbstverständlich (obwohl sie schon den größten Teil des Weges raus aus den Sprechblockaden zurückgelegt hat).

Mit einem einem Abenteuer, das sie spontan im Rahmen der „August-Challenge“ unternommen hat, hat sie ihre Komfortzone ein großes Stück weit verlassen und sich einen großen Schritt weiterentwickelt.
Wie das war, erzählt Simone selbst in ihrem Gastartikel.

Plötzlich Unbekanntes an sich selbst entdecken

Vor ein paar Tagen hatte ich ein Erlebnis, das ich normalerweise nicht gehabt hätte…
Nun war ich aber doch trotz mulmigem Gefühl und „Ach, bleib doch besser zu Hause, du bist doch verrückt”-Gedanken auf dem Weg.

Das erste, was ich an mir selbst Fremdes entdeckte, war, dass es sich bei meinem Ausflug um die Ankunft der Fußballnationalmannschaft in Düseldorf handelte.
Ich und Fußball? Neee!

Ich hatte die EM geguckt und, naja, irgendwie interessierte mich das jetzt doch etwas…

In der Nacht hatte ich zufällig die Meldung über die Ankunft im Hotel gelesen. Und es würde eigentlich auch in meinen Zeitplan passen, einen „neugierigen Beobachter” zu spielen… Warum dann nicht!?

Da war das mulmige Gefühl, die plötzliche Aufregung… Und dann, pünktlich um 11 Uhr, saß ich im Bus auf dem Weg zum Hauptbahnhof. Komisch, tagsüber schon unterwegs zu sein, und die Leute, die Gespräche und das bunte Treiben wahrzunehmen, da ich eher nur gegen Abend das Haus verlasse.

Dann stiegen in mir als Mutismus-Betroffener viele dringliche Fragen hoch: Wo man zur Toilette gehen kann. Wie so ein Empfang abläuft. Ob da andere Leute als die Presse überhaupt zugucken dürfen. Ob das komisch ist, als Einzelperson da aufzutauchen. Wie das da wohl aussieht. Ob man Fotos machen darf und wie man Autogramme bekommt. Musste nicht sein, aber von Jogi Löw hätte ich gerne mal eins gehabt oder ein Selfie. Aber ob ich das hätte sagen können? Womöglich auch noch was mit „Sie” oder „Herr Löw“? Oh mein Gott!

Die ganze Zeit war ich schon zittrig, nur die Musik auf meinem MP3-Player schaffte es, das Adrenalin wieder etwas zu senken…

Und wie es kommen musste, musste ich am Bahnhof direkt auf die Toilette. In der S-Bahn würde es kein Klo geben, also rein in den Bahnhofsbackshop und fragen, ob ich den Toilettenschlüssel bekomme. Die Situation war auch noch anders als üblich, da zwei Personen um mich herumstanden und ich nicht so schnell checken konnte, wen ich denn jetzt fragen „muss”. Ähm… Es wirkte wohl etwas unsicher, ich fühlte mich so fremd, weil ich so etwas kaum mache, aber naja, Plan wurde nun durchgezogen.

Nachdem das geschafft war und ich schließlich in Düsseldorf ankam, fuhr ich direkt auch zum ersten Mal Straßenbahn durch mir zuvor unbekannte Straßen, wobei diese immer leerer an Menschen wurden.
Ich würde doch nicht etwa alleine bei diesem Empfang da komisch vor dem Hotel rumstehen müssen?

Am Medienhafen angekommen befand sich links neben mir eine riesige Baustelle und rechts riesige Bürokomplexe sowie kein Mensch in der Umgebung – etwas Unheimlich!

Nun entdeckte ich ein Schild für das Parkhaus vom Hotel, dem ich dann zugleich mal folgte. Das musste ja die richtige Richrtung sein. Irgendwie lief ich an einer Straße mit „Hintereingängen” entlang, es musste zwar auch eine Vorderseite geben, aber die hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht entdeckt. So kam ich dann auch ein einem riesigen Tommy Hilfiger Shop vorbei, als ich in der nahen Ferne eine kleine Menschentraube und Reporter vor einem schwarzen Gebäude entdecken konnte.

Als ich ebenfalls dort ankam – klar: Rechts stand der Mannschaftsbus und ich blieb stehen und machte ein Foto – wie ein paar wenige andere Menschen auch.

Und jetzt? Sollte ich mich zu den Menschen seitlich vom Eingang stellen oder war das nur für die Presse? Durfte man da einfach hin? Guckten nicht die Männer in den schwarzen Anzügen mit Sonnenbrille, wo ich mich hinbewege? Mache ich irgendwas Verbotenes?

Ich beobachtete, wie ein paar Andere zu den Menschen, die seitlich hinter der Hotelabsperrungskette gingen, also ging ich auch hin.

Da passierte es. Nach und nach wurden die Spieler einzeln mit einem Fahrerservice-Auto mit schwarzen Scheiben gebracht, die dann ausstiegen und an der Presse und den Fans vorbei gingen. Die Presse fotografierte und filmte jedesmal und versuchte ein paar Interviews zu bekommen. Und die Fans sammelten Unterschriften und machten Selfies.

Nein, ich konnte mich nicht nach vorne drängeln oder die Namen der Spieler rufen. Ich hielt mich lieber auf Abstand, das war mir schon nah genug.

Schließlich setzte ich mich auf die Stufen, wo auch die Presseleute saßen und bekam etwas von deren Arbeitsweise mit. Aha, auch interessant …

Leider nahm dann Herr Löw und einige andere Spieler nach der Ankunft von der Pressekonferenz den anderen Eingang.
Naja, auch verständlich, dass man nicht immer „öffentlich” sein möchte.

Als die Mannschaft wohl komplett war, wurden auch die Leute wieder weniger und nur ein paar Mütter mit Kindern und Autogrammsammler warten noch vor dem Hotel darauf, dass die Mannschaft nochmal rauskommt. Dabei guckte ich mir die „schicke” Umgebung nochmal an bis mich eine Frau fragte, „auf wen die junge Dame denn wartet?”

„ …” – Es kam erstmal nur eine Geste àla „weiß nicht” raus und: „Ähm … so allgemein… guck ich mal wer noch raus kommt”.

Danach wurde ich zwar in Ruhe gelassen. Aber komisch, dass ich mich plötzlich so blockiert mutismusmäßig verhielt. Das wollte ich doch gar nicht.

Trotzdem machte ich mich dann nach weiteren 40 Minuten dann auf den Rückweg und fand auch den eigentlich richtigen Weg am Binnenhafen zurück zur Straßenbahnhaltestelle.

Wieder zu Hause kam es mir so vor, als wäre ich eine Woche im Urlaub gewesen. Alles war so fremd, und ich war noch ganz eingenommen von den ganzen Eindrücken.

Plötzlich fand ich Fahrerservice-Autos oder weiße Mercedes „cool”. – Ich und Autos? Normalerweise keine Ahnung sowie kein Führerschein.

Oder wie wär das mal bei Tommy Hilfiger was zu kaufen? Oder in so einem Luxushotel zu übernachten?

Interessant … was es noch so alles gibt.

Irgendwie hatte mich das angesprochen, da gibt es also eine Ader, die ich noch nicht an mir kannte …

Möchtest du mehr von Simone lesen?

In ihrem autobiografischen Buch „Das Mundschloss“ schreibt Simone über ihr Leben mit Selektivem Mutismus.


Und erst vor wenigen Tagen ist ihr Buch „Mutismus: Angst vor …!? – Einer Erklärung auf der Spur“ erschienen.

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Leserthema: „Ich hab keine Freunde (weil ich auf niemanden zugehe).“

Eine Stille-Stärken-Leserin hat mich gebeten, mal etwas darüber zu schreiben, wie man Freunde kriegt, wenn man (sehr) zurückhaltend ist.

Das mache ich gerne – übrigens auch, wenn du eine Frage oder ein Thema für Stille Stärken hast.
Schreib mir einen Kommentar hier unter den Text oder eine persönliche Nachricht über’s Kontaktformular.


Ich habe die Antwort für dieses spezielle Leserthema eine ganze Weile vor mir hergeschoben, weil mir keine kurze einfache Antwort dazu eingefallen ist.

Denn genau genommen lautet die Frage an mich ja:

„Ich habe keine Freunde (weil ich auf niemanden zugehe).
Was ist der Trick, mit dem fremde Leute ganz einfach zu meinen Freunden werden?
Am Besten mit Erfolgsgarantie.
Bitte.“

Tja. Wenn’s dafür einen garantiert funktionierenden Trick gibt, kenne ich ihn nicht. Bedaure.


Was ich gut kenne, sind die Überzeugungen, die bei mir hinter dem Ich-habe-keine-Freunde-Thema steck(t)en…

„Ich hab keine Freunde. Ich hab überhaupt niemanden.“

Ich war ungefähr in der vierten Klasse, als sich dieser Gedanke in meinem Kopf eingenistet hat. Und da ist er dann geblieben, bis ich Ende zwanzig war.

Die Überzeugung hat sich durch die Wirklichkeit nicht im Geringsten beeindrucken lassen.

Realistisch betrachtet gab es fast immer mindestens einen Menschen, der mich genau so akzeptiert hat, wie ich halt gerade war – mit allen Schwierigkeiten, Unzulänglichkeiten, Merkwürdigkeiten etc.
Es waren immer Leute da, die für mich da waren.
Ich wäre nur nie auf die Idee gekommen, dass sie meine Freunde waren.

„Ich stelle schon enorm hohe Erwartungen an Menschen, die meine Freunde sein könnten. Sonst könnt‘ ja jeder kommen.“

Ich weiß nicht genau, was ich mir unter „Freundschaft“ vorgestellt habe. Es war jedenfalls etwas schier Menschenunmögliches.

Vielleicht dachte ich, dass eine Freundschaft alle meine höchstpersönlichen Probleme wegmacht. Oder dass ein Freund mich auch dann besonders toll finden muss, wenn ich mich scheixxe benehme. Oder dass ich nichts zu tun brauche, um die Freundschaft zu erhalten, weil ein Freund schließlich nur ein echter Freund ist, wenn er nichts von mir erwartet.

Kurz gesagt: Für mich war der Titel „Freund“ an Bedingungen geknüpft, die niemand erfüllen konnte – und die ich auch selbst gar nicht konkret hätte benennen können…

„Ich erwarte von mir selbst, dass ich mit meinen Freunden ganz anders bin (bzw. werden kann) als ich bin.“

Es war eine fixe Idee. Und wie alle fixen Ideen war sie völliger Quatsch – aber genau deswegen konnte ich sie auch nicht loswerden.

Ich dachte ernsthaft, dass eine Freundschaft aus mir einen anderen Menschen machen würde. Wenn ich diesen ganz speziellen Freund (der auch gerne eine Freundin hätte sein können) gefunden hätte, dann hätte das ALLES geändert.

Dann wäre ich sozusagen auf einen Schlag der Mensch meiner insgeheimen Träume geworden. Und der neue Freund bzw. die neue Freundin hätte mich mit großen bewundernden Augen angehimmelt, weil ich so ganz und gar perfekt gewesen wäre…

Ich vermute, dass du es schon erraten hast. Ich bin niemandem begegnet, auf den diese Erwartung zugetroffen hätte.

„Ich bin überzeugt davon, dass niemand meine Freundschaft will – so wie ich bin.“

Die k.-o.-Erwartung schlechthin.

„Wenn ich anders wäre, würde ich gemocht werden. Aber weil ich so bin wie ich bin, geht das ja leider nicht. Und darum erwarte ich von jedem, dem ich begegne, dass er mich eh nicht mögen wird.“

Tja. Was soll ich sagen. Ich habe ziemlich oft geschafft, dass sich meine Erwartung bestätigt hat.

Da mache ich keinem einen Vorwurf. Es ist niemandem zuzumuten, mit einem Kaktus zu kuscheln.

„Ich kann auf niemanden zugehen, ohne entweder eine Beziehung oder eine Abfuhr zu erwarten.“

Wenn’s nur diese beiden Optionen gibt, dann kommt meistens die zweite Alternative dabei raus. Denn Menschen fühlen sich überfallen, wenn sie schon vor dem näheren Kennenlernen entscheiden sollen, ob daraus „was festes“ werden soll oder nicht.

Ein „Nein“ ist da die naheliegendste Antwort.

Beim Kennenlernen geht’s nicht um „entweder – oder“.
Da geht’s um „interessant“, „da möchte ich mehr erfahren“, „da nehme ich mir noch ein bisschen Zeit für“, „erzähl weiter…“

„Alle weichen immer aus, wenn ich auf sie zugehen will.“

Ich konnte es einfach nicht. Dieses entspannte auf neue Leute zugehen… Ging nicht.
Wie auch. Ich hatte das ja nie wirklich geübt.
Mit neuen Leuten fühlte ich mich wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen.
Und so habe ich mich vermutlich auch verhalten.

Wenn ich dann in meiner Unbeholfenheit auf jemanden „zugepoltert“ bin, der mich nicht kannte, dann hat der logischerweise schnellsmöglich den Rückzug angetreten.

Ich habe echt lange gebraucht, bis ich kapiert habe, dass es mir viel besser liegt, wenn ich Leuten eine Gelegenheit biete, auf mich zuzugehen.
Genau genommen übe ich das bis heute…

„Ich komme alleine klar. Ich BRAUCHE gar keine Freunde mehr.“

Das war ein Ausdruck von Resignation. Ich habe schließlich festgestellt, dass ich niemanden brauche. Das fühlte sich nicht gut an – aber es war auch irgendwie erleichternd für mich.

Und in dem Moment, in dem ich aufhörte, mich von Freundschaft abhängig zu fühlen, passierte „das Wunder“.

„Hups. Wo sind die denn jetzt plötzlich hergekommen???“

Da waren plötzlich Leute, die mir das Gefühl gaben, dass ICH ihre Freundin war.

Die waren natürlich vorher auch schon um mich herum gewesen. Aber da hatte ich vorausgesetzt, dass sie etwas ganz besonderes FÜR MICH sein müssten. Die Erwartung hatte ich nun aufgegeben – und konnte ganz unerwartet eine Freundin sein.

Es war während des Studiums, als ich plötzlich feststellte, dass ich „einen netten kleinen Freundeskreis“ um mich hatte. Menschen, bei denen ich nichts anderes als nur ICH zu sein brauchte. Mit denen ich mich wohlfühlte, auf die ich mich freute, die einfach da waren.

„Freundschaft ist viel einfacher als ich immer dachte.“

Bis heute haben diese Studien-Freunde einen Platz in meinem Leben. Wir treffen uns selten, aber wenn wir zusammen sind, dann ist es wie „heimkommen“.

Ich bin nicht auf sie zugegangen.
Ich war da, sie waren da.
Wir haben Zeit zusammen verbracht. Sachen zusammen erlebt. Erinnerungen gesammelt.

Ich hab’s erst spät gemerkt, dass das mit „Freundschaft“ gemeint ist.

Alle meine Freunde sind so „in mein Leben reingewachsen“.
Über den Beruf, im Studium, in meiner Freizeit in Seminaren oder in Vereinen, wo ich sie immer wieder getroffen habe.

Es war nie so, dass ich einmal rausgegangen bin und – schwupps – neue Freunde hatte.

Damit sich aus Kontakten eine Freundschaft entwickeln kann, braucht es…
Genau: Kontakt.

Wie macht man denn Kontakte?

Früher – also bevor es Internet gab – war „Rausgehen“ und Leute treffen die einzige Möglichkeit für Kontakte. Heute begegnet man auch interessanten Menschen online.

Meine langfristigen Freundschaften sind aber alle „offline“ entstanden – in Situationen, in denen ich „eh da“ war: Im Job, im Studium, im Seminar…

Ich bin nicht der Typ für schnelle Bekanntschaften – und für schnelles Anfreunden schon gar nicht.

Ich brauche Wochen, bis ich mich als jemandes Freundin fühle.

Die reine Online-Freundschaft? Gibt’s die???

Ich persönlich fühle mich erst „befreundet“, wenn ich einem Menschen gegenübersitzen kann – also „in Echt“ – und wir beide diese Nähe schätzen.

„Nur online“ entstehen für mich Bekanntschaften – und ich habe schon tolle Bekannte gefunden, die ich nur im Netz treffe. Die sind alle definitiv eine Bereicherung für mein Leben.

Manchmal bleibt’s online auch nur bei „Kontakten“ – und auch die schätze ich sehr.

Die Kategorie „Freunde“ ist bei mir – und das kann bei dir ganz anders sein – den Leuten vorbehalten, die ich offline sehr gut kenne, weil ich schon viel Zeit mit ihnen zusammen verbracht habe.

Dann ist es auch nicht schlimm, wenn wir nur zweimal im Jahr ein Treffen zustandebringen und zwischendurch per E-Mail, Telefon, Skype etc. in Verbindung bleiben.

Denn Freunde sind Menschen, die einfach da sind. Ich erwarte nichts. Sie erwarten nichts. Es ist einfach schön, zu wissen, dass es sie gibt.


Habe ich jetzt die Leserfrage beantwortet?
Ich weiß es nicht.

Wenn es einen „Trick“ gibt, mit dem ich Freunde finde, dann ist es dieser:

Ich freue mich über Menschen, die mir nahe sind, weil ich sie nicht brauche sondern mag.

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine

Christine
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Schüchtern & Glücklich

Bist du schüchtern?
Und hast du auch oft das Gefühl, dass du deine Schüchternheit erst loswerden musst, um wirklich glücklich sein zu können?

Dieser Gastartikel von Sabine Bromkamp ist für dich, wenn deine Schüchternheit dir Lebensfreude nimmt. Hier erfährst du 3 grundlegende Fakten, die dich befreien.

1. Akzeptanz

Treibt dir der Satz „Du musst deine Schüchternheit akzeptieren“ auch Tränen in die Augen?
Das fühlt sich so niederschmetternd an.
Wie sollst du denn die Schüchternheit akzeptieren, wenn sie dich doch so quält?
Wie kannst du sie akzeptieren, wenn sie dir den Schlaf raubt und dich daran hindert glücklich zu sein?

Eines vorweg. „Akzeptieren“ ist nicht gleichzusetzen mit „hinnehmen“.

Akzeptieren bedeutet, den Ist-Zustand anzunehmen, um dann in Ruhe einen Plan zu schmieden, wie du das Leben schöner und glücklicher gestalten kannst.

Ich lege dir deshalb ans Herz: Akzeptiere deine Schüchternheit und ich erkläre dir auch sehr gerne, warum das so wichtig ist. Ich bin sicher, dir wird es dann leichter fallen, deiner Schüchternheit ein bisschen Akzeptanz entgegenzubringen, aus Überzeugung.

  1. Hast du im Internet schon gelesen, dass Schüchternheit lediglich antrainiert ist? Sie wäre wie ein trainierter Muskel, dessen Benutzung sich man regelrecht abgewöhnen kann, sodass der Muskel an Masse verliert und sich deine Schüchternheit somit immer mehr verflüchtigt?
    Wenn du das glaubst, wundert es mich nicht, dass deine Schüchternheit dir schlechte Gefühle bereitet. Denn wenn du tatsächlich der Meinung bist, dass du erstens deine Schüchternheit selbst hervorgerufen und gestärkt hast und es dir ja zweitens gelingen müsste, sie dir wieder abzutrainieren, dann kommst du ganz schnell mit einem Gefühl der Schuld in Berührung. Du bist schuld an deiner Schüchternheit? Und du schaffst es nicht, sie eigenständig wieder loszuwerden? Wenn du dich hierin wiedererkennst, ist es ganz logisch, dass du unter deiner Schüchternheit leidest. Und wahrscheinlich weißt du gar nicht, dass Schüchternheit sehr wohl auch angeboren sein kann, da die Amygdala (Mandelkern) in deinem Gehirn an der Entstehung von Angstgefühlen beteiligt sind. Darauf hast du wenig Einfluss.
  2. Die Frage ist, worunter leidest du WIRKLICH? Unter deiner Schüchternheit? Oder unter deiner Einstellung zu deiner Schüchternheit? Schüchterne Menschen wünschen sich, sie wären anders. Sie verteufeln ihre Schüchternheit und haben zudem oft noch das Gefühl versagt zu haben. Schließlich liest man immer wieder, es sei alles nur antrainiert.

Kommt dir das bekannt vor?

Stell dir einmal bildlich vor, was passiert, wenn du diese Gefühle hast; wenn du deine Schüchternheit zutiefst hasst und du auch noch glaubst, du wärst nicht in der Lage, diese Eigenart in den Griff zu bekommen.

Ich sag dir, da ist ganz schön was los in dir. In dir tobt ein Krieg, ein innerer Kampf – gegen dich selbst. Erschreckend oder?

Wenn dir wirklich klar wird, dass du NIEMALS glücklich sein kannst, wenn du die Waffen gegen deine Schüchternheit nicht niederlegst, dann erkennst du, warum die Akzeptanz so wichtig ist.

Akzeptanz bedeutet Annahme. Du nimmst deine Schüchternheit an. Ohne sie zu bewerten. JETZT im Moment ist sie ein Teil von dir. Jetzt im Moment ist sie da. Sie ist weder gut, noch schlecht. Sie IST einfach.

Wie fühlt sich das für dich an? Spürst du, wie du ruhiger und entspannter wirst, wenn du dir vorstellst, dass deine Schüchternheit einfach nur da ist. Sie ist schmerzlos. Sie ist neutral. Einfach anwesend.

DAS ist Akzeptanz. Und genau das ist der Moment, wo Frieden entsteht. Frieden in dir.
Frieden bedeutet Ruhe. Und in der Ruhe liegt die Kraft.
Legst du die Waffen nieder, kannst du dich besinnen und zur Stärke finden.
Und mithilfe der neu gewonnenen Stärke hast du die Kraft, dir zu überlegen, wie du die belastenden Anteile deiner Schüchternheit immer mehr loslassen kannst.

2. Schüchternheit vs. die belastenden Anteile der Schüchternheit.

Wenn du dich auf meiner Webseite umschaust, stellst du fest, dass ich grundsätzlich einen Unterschied mache zwischen der „Schüchternheit“ und den „belastenden Anteilen der Schüchternheit“.

  1. Die belastenden Anteile der Schüchternheit:
    Wie ich oben bereits erwähnt habe, ist Schüchternheit keinesfalls nur antrainiert. Jedoch spielen natürlich die Erziehung und gemachte Erfahrungen eine Rolle. Und natürlich entwickelt ein Mensch, der immer wieder zurückgewiesen wurde, Schutzmechanismen, und dazu gehört die Schüchternheit, die verhindert, wieder und wieder abgelehnt zu werden.
    Schüchternheit ist nicht nur die Angst oder das Unwohlsein in sozialen Situationen. Schüchternheit ist auch ein Schutzmechanismus, der entwickelt wurde, um zukünftige Misserfolge zu vermeiden. Zu den Misserfolgen gehört auch, von anderen abgelehnt oder kritisiert zu werden. Um das zu verhindern, werden bestimmte Situationen vermieden. Man schützt sich somit vor weiteren Niederlagen. Dadurch kann man natürlich in einen Kreislauf geraten, der das Selbstwertgefühl immer mehr schmälert. Das wiederum führt dazu, dass die Schüchternheit immer stärker wird. Man beginnt immer mehr soziale Situationen zu meiden, sich hinten anzustellen, sich zu viel gefallen zu lassen etc. und verliert somit immer mehr Lebensfreude.
    Diesem Verhalten muss ein Ende gesetzt werden. Das ist in der Tat durchaus antrainiert. Das sind die BELASTENDEN ANTEILE der Schüchternheit, die losgelassen werden möchten.
  2. Die naturelle Schüchternheit
    Da gibt es jedoch noch etwas Wundervolles, etwas Weiches, etwas Zartes, etwas Liebliches, nämlich die pure Schüchternheit. Damit meine ich diesen feinen, weichen Wesenszug; diese liebevolle Eigenschaft, die das Leben dir mitgegeben hat, wenn du schüchtern bist.
    Eine schüchterne Art liegt durchaus im Wesen, ist angeboren, und hat mir den belastenden Anteilen der Schüchternheit nicht viel am Hut. Die Übergänge sind zwar fließend, jedoch noch gut voneinander zu unterscheiden.
    Die naturgegebene Schüchternheit hat etwas sehr Reizvolles und Liebenswertes.Wusstest du, dass schüchterne Menschen

    • in zwischenmenschlichen Beziehungen unheimlich stark sind? Sie können zwischen den Zeilen lesen, Stimmungen wahrnehmen, die für andere nicht sichtbar sind und sehr schnell Verbindungen von Herz zu Herz knüpfen. Das ist eine Gabe, die nicht jeder Mensch hat.
    • geheimnisvoll auf andere wirken? Stille Wasser sind tief. Und wen reizt es nicht, in die Tiefe abzutauchen und zu entdecken, was das tiefe Wasser noch alles für Überraschungen und Abenteuer bereithält?
    • durchaus sehr beliebt sind? Schüchternen Menschen wirken vertrauensvoll und zuverlässig. Und wem ist eine vertrauensvolle Freundschaft nicht wichtig?
  3. Zusammenfassend gesagt:
    Liebe deine Schüchternheit und nutze sie. Wenn deine zurückhaltende Art deinem Naturell entspricht, bist du GENAU SO GEWOLLT und dann bist du SO GENAU RICHTIG. So bist du geboren worden. Und wenn du so geboren wurdest, hat das einen Sinn.
    Wenn sich im Laufe deines Lebens deine Schüchternheit (aufgrund der Erziehung/Erfahrungen etc.) zu einem Problem entwickelt hat, filtere genau das heraus, was dich belastet. Mit den belastenden Anteilen deiner Schüchternheit kannst du dann wunderbar arbeiten und mithilfe verschiedener Möglichkeiten diese dann Schritt für Schritt loslassen.

3. Kluge Worte von Albert Einstein:

Albert Einstein

“Jeder ist ein Genie! Aber wenn Du einen Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein ganzes Leben glauben, dass er dumm ist.”

Dieses Zitat habe ich auch neulich auf meiner Facebook-Seite gepostet.
Lass dir diesen Satz mal auf der Zunge zergehen.
Was steckt dahinter?

Hand aufs Herz: Vergleichst du dich auch oft mit Menschen, die augenscheinlich anders, besser, selbstbewusster, erfolgreicher sind als du?
Kannst du dir vorstellen, dass dieser Vergleich hinkt? Und zwar so sehr hinkt, dass du völlig falsche Annahmen und Überzeugungen über deine Person entwickelst?

Schauen wir uns nochmal das Zitat an. Stell dir vor, der Fisch schaut immer wieder zum Eichhörnchen hinauf und ist zutiefst traurig, weil er es noch nicht geschafft hat, in schwindelnder Höhe so elegant auf den Baum zu klettern und von Ast zu Ast zu springen. Der Fisch fühlt sich klein, unfähig, nutzlos.

Der Fisch macht einen Fehler. Er vergleicht sich mit anderen und schneidet dabei verdammt schlecht ab, weil er vergessen hat, dass er ein völlig anderes Wesen ist, mit eigenen Qualitäten und Fähigkeiten.

Der Fisch hat die Möglichkeit, neidisch und mit Tränen in den Augen zum Eichhörnchen hinaufzuschauen und seine Lebenszeit damit zu vergeuden, ANDERS SEIN zu WOLLEN, oder er besinnt sich auf seine eigenen Stärken und Fähigkeiten, bringt diese zum Einsatz und lebt glücklich und erfüllt bis an sein Lebensende.

Was möchtest du tun?
Dein Naturell annehmen und dich auf deine Stärken besinnen; dich und andere damit glücklich machen und dein Leben so gestalten, wie es WIRKLICH zu DIR passt?
Oder für den Rest deines Leben mit deinem Schicksal hadern und dein Leben ungeliebt an dir vorüberziehen lassen?

Entscheide dich für dich.

Du kannst schüchtern UND glücklich sein. Du kannst deinem Wesen entsprechend leben und ein Leben voller Freude und Fülle genießen.
Verabschiede dich von dem Gedanken, dich um 180 Grad drehen zu müssen, damit das Glück den Weg zu dir findet.

Was dich wirklich belastet, das schmeiße raus aus deinem Leben.
Aber schau genau hin. Es ist nicht deine naturelle, pure Schüchternheit, die dich hemmt; es sind die belastenden Anteile, die du entwickelt hast. Die kannst du wegradieren. Schritt für Schritt.

Und alles Andere darf bleiben. Schau genau hin, wo deine Schüchternheit dich blockiert und gehe gezielt deiner Freiheit entgegen. Und erlaube dir, deinem Wesen entsprechend zu leben.

Ganz herzlichen Dank an Sabine für diesen Gastartikel, der uns viele wichtige Denkanstöße gibt, um einen klareren und differenzierteren Blick auf die Schüchternheit zu werfen.

Mehr von Sabine findest du auf ​sabinebromkamp.de.

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Leserthemen

Das Schweigen zusammengereimt…

Heute habe ich die Autorin Janne Jesse zu Gast mit einem poetischen Beitrag.

Wir haben uns letzten Sommer online kennengelernt, als mein Blog gestartet ist – und online sind wir inzwischen auch Freunde geworden. Janne ist ein Stiller Mensch. Deswegen hätten wir uns „im wirklichen Leben“ vermutlich nie getroffen. Um so mehr freue ich mich, dass wir heutzutage über Webseiten, Blogs, Social Media und Mails zueinander finden können.

Jannes Gedichte beschönigen nicht, wie es ist, wenn man nicht die Wahl hat, sein Schweigen zu brechen. Und doch enthalten sie immer auch eine leise Hoffnung und einen zarten Stolz auf das, was jenseits des Schweigens möglich ist.

Etwas oder sein

Einst starb ein Herz vor Gram,
weil’s konnte nicht bestehen,
nebst gottesgleicher Anmut
ins Antlitz sein zu sehen.

Als grauer Stein im Meere
aus Diamanten fein,
umgaben tausend Spiegel,
wie Wasser gar so rein –

ein Etwas ohne Namen,
bestimmungslos verbannt
ins Dasein einer Wahrheit,
die fälschlich es befand.

So schloss es seine Augen
und hörte nicht mehr zu,
ergab sich still der Ordnung
des Schweigens Selbstbetrug.

Vermeintlich Garten Eden,
Gerechtigkeit Gesetz,
Versprechen nie gebrochen
und Ehrlichkeit geschätzt.

Doch einsam mit den Jahren,
sich selbst sein eigen Staat,
nun Langeweile leidend,
sein Reich in sich zerbrach.

Drum wollt‘ es wieder sehen
und hören jedes Wort,
gleichwohl nichts währet ewig,
die anderen längst schon fort.

Jetzt leblos wacht der Graustein,
der nie im Spiegel sah,
wie schön er unter tausend
von Diamanten war.

(c) Janne Jesse

Vielen Dank, liebe Janne, dass ich wieder ein Gedicht von dir mit meinen Lesern teilen durfte.


Ich weiß schon länger, dass Janne sehr tiefgründige Gedichte vom Schweigen schreibt. Und als sie mir vor einer ganzen Weile erzählt hat, dass sie an einem Kinderbuch arbeitet, war ich sehr gespannt.

Heute hat der Postbote mein Exemplar von „Aurelia sagt nie Danke“ (Link zu Amazon) endlich gebracht. Ich habe zu lesen begonnen und mich sofort verliebt – in die liebevoll gereimte Geschichte, aber fast noch mehr in die wunderschönen Grafiken, die Janne dazu gezeichnet hat. Und ich bin schon sehr gespannt, wie es ausgehen wird…

Das schmale Buch ist sehr positiv und mit einem feinen Gespür für das Erleben eines mutistischen Mädchens geschrieben. Ich habe das Kind, das ich mal war, in vielen kleinen Nuancen von Aurelia wiedergefunden…

Ich finde, dass das Buch für alle geeignet ist, die mit Mutismus konfrontiert sind – ganz besonders, aber nicht nur, zum Vorlesen und gemeinsamen Ankucken mit einem größeren Kind.

Für mich ist es ganz eindeutig ein Büchlein zum öfter in die Hand nehmen…

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine

Christine

Janne Jesse ist eine junge Frau mit selektivem Mutismus.
Sie schreibt sehr gerne Gedichte und hat das im Januar 2015 erschienene Kinderbuch “Aurelia sagt nie Danke” für alle, die mit Mutismus zu tun haben, gedichtet und liebevoll illustriert.

Zum selben Thema ist Mitte 2016 ihr Buch „Der stille Ritter Tom“ herausgekommen.

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Leserthemen

Eine Frage beantwortet und vier neue gestellt

Dieser Artikel ist meine Antwort auf die Frage einer Leserin:

Soll ich akzeptieren, dass ich wenig oder nichts sage?
Oder hindert mich das daran, etwas zu ändern?

Ich vermute, dass die Antwort, die ich darauf gegeben habe, für sich allein nicht besonders hilfreich ist, um die Akzeptanz und die Veränderung leichter zu machen.

Und daher liefere ich dir anschließend noch eine Anregung für ein wirklich einfaches, aber gerade deshalb besonders wirksames Selbstcoaching bei ungeliebten Gefühlen.

Meine Antwort auf die Frage

Ich finde, es ist durchaus sinnvoll, erst einmal zu akzeptieren, dass dir Sprechen Schwierigkeiten macht. Denn du schreibst ja selber, dass du unter permanentem Frust und unter einer großen Anspannung stehst – und diese unangenehmen Gefühle erlebst du vor allem dann, wenn du vorhast, etwas zu sagen. Außerdem hast du (aus vielen vorangegangenen Erfahrungen heraus) schon im Voraus die Erwartung, dass du auch diesmal wieder Stress und Frust erleben wird.

Eine Veränderung zu erreichen ist aber viel einfacher, wenn du sie in einer offenen, kraftvollen Stimmung anpackst. Denn wenn du dich positiv und stark und kompetent fühlst (man nennt das auch „ressourcenvoll“), dann hast du all deine Stärken und Erfahrungen zur Verfügung, um einen nächsten Schritt vorwärts zu machen.

In dieser Hinsicht ist es hilfreich, erst einmal anzuerkennen, dass für dich Sprechen eine große Herausforderung darstellt. Und zu akzeptieren, dass du dabei zur Zeit mehr Stress bewältigen musst, als viele andere Menschen. Und dass es dich im Moment viel Überwindung kostet, voranzukommen.

Das alles heißt nicht, dass du nichts ändern kannst und solltest. Eine klare Entscheidung gegen die Sprechblockade bringt dich dazu, einen nächsten (kleinen) Schritt dagegen voranzugehen. Denn letztlich kannst du die positiven Erfahrungen mit dem Reden, die du brauchst, nur machen, wenn du es tatsächlich und optimistisch tust.
Immer wieder – und jedes mal ein bisschen geübter.

 

Akzeptieren, was ist – mit vier einfachen Fragen

Die Fragestellerin hatte in ihrer Nachricht an mich beschrieben, dass sie frustriert und angespannt ist. Und sie befürchtet, dass sie nicht mehr gegen das Schweigen kämpfen würde, wenn sie diese Gefühle gegenüber der Sprechblockade akzeptiert.

Ich kenne solche Überlegungen gut – und ich habe die Erfahrung gemacht, dass sie mich daran hindern, auf einfache und sinnvolle Lösungen zu kommen.

Ein Ausweg könnte sein, erst mal die Gefühle (und die damit verbundenen Gedanken) ernst zu nehmen. Dabei helfen die folgenden vier Fragen:

1. Kannst du dieses Gefühl in diesem Moment akzeptieren?

Lass das Gefühl von Frust und Anspannung (oder was auch immer dich gerade einschränkt) kurz in dir aufsteigen und frage dich, ob du es in diesem Moment – nur jetzt gerade – akzeptieren kannst.

Dabei ist ein klares Ja genauso richtig wie ein eindeutiges Nein. Und auch wenn du gemischte Gefühle dazu hast, ist das okay.

Es gibt keine falsche Antwort. Alles, was dir zu dieser Frage einfällt, ist richtig – und es ist nicht nötig, dass du deine Antwort hinterfragst oder verstehst. Nimm einfach spontan das, was dir dazu einfällt: „Ja“ oder „Nein“, „Ich weiß nicht recht“ oder „Schon möglich“…

2. Könntest du das Gefühl jetzt loslassen – nur für diesen Moment?

Spüre kurz nach, wo in deinem Körper du das Gefühl gerade wahrnimmst. Und dann nimm wieder die erste Anwort, die dir in den Sinn kommt, ohne sie zu bewerten.

Ja, Nein oder Jein – es ist DEINE Antwort, und sie ist okay.

Du musst es dein Gefühl auch gar nicht aufgeben – die Frage ist lediglich, ob du es könntest. Denn du hast die Wahl und kannst deine Gefühle festhalten oder loslassen.

3. Würdest du das Gefühl loslassen?

Nimm die erste Antwort, die kommt.

Und dann stell dir noch die letzte Frage – egal, was du gerade geantwortet hast.

4. Wann?

Jetzt. Morgen früh beim Aufstehen. Immer wenn du aus dem Haus gehst. Irgendwann. Nie.

Deine Antwort ist die richtige. Du entscheidest über deine Gefühle.

Die Sedona-Methode

Die vier Fragen wurden durch ein Buch als „Die Sedona Methode“ bekannt. Sie verändern etwas in deiner Wahrnehmung des Problemzustandes – und es ist tatsächlich egal, wie du sie beantwortest. Jede Antwort, die dir spontan in den Sinn kommt, ist richtig.

Ich denke, der Trick bei dieser Methode ist, dass du deine Gefühle ernst nimmst und ihnen erlaubst, da zu sein. Denn bisher hast du versucht, sie zu unterdrücken oder zu ignorieren oder dagegen anzukämpfen. Und dadurch haben sie viel Raum in deinen Gedanken eingenommen. Mit mit den vier kurzen Fragen und deinen ehrlichen Antworten darauf bekommen die Gefühle nun eine Berechtigung, da zu sein – dadurch können sie sich wandeln.

Es ist durchaus sinnvoll, die Fragen öfter zum gleichen Problem zu stellen. Wenn ein Gefühl immer wieder auftaucht, dann kannst du es immer wieder mit den vier Fragen konfrontieren – und du wirst sehen, die Antworten sind immer wieder anders.

Viel wichtiger als die Antworten ist aber die Wirkung, die diese einfache Methode hat:

  • Du bekommst einen besseren Zugang zu deinen ungeliebten Gefühlen.
  • Du kommst aus deiner Hilflosigkeit und dem Grübeln bzw. Wüten heraus und kannst sachlich mit den Gefühlen „reden“.
  • Du gehst etwas auf Distanz zu deinem Thema/Gefühl.
  • Du kannst nichts falsch machen, weil es keine falsche Antwort auf die Fragen gibt. Egal, wie deine Antworten lauten – sie sind richtig, weil sie ehrlich und spontan sind.

Und hier nochmal die vier Fragen

1. Kannst du dieses Gefühl in diesem Moment akzeptieren?
2. Könntest du das Gefühl jetzt loslassen – nur für diesen Moment?
3. Würdest du das Gefühl loslassen?
4. Wann?

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine

Christine
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Baum
Leserthemen

Gedichte vom Schweigen

Schon am ersten Tag, nachdem ich Stille-Stärken.de online gestellt hatte, kam eine E-Mail. Janne hatte meine ersten Texte entdeckt und mir sofort über das Kontaktformular geschrieben.
Sie hat mir nicht nur durch ihr positives Feedback ganz viel Motivation für weitere Texte gegeben, sondern sie hat mir gleich noch ein paar von ihren wunderbaren Gedichten geschickt.

Janne ist eine junge selektive Mutistin. In ihren Gedichten mag ich die Verbindung von Kraft und Verletzlichkeit – zwei Qualitäten, die zu einer außergewöhnlichen Stärke werden, wenn sie vereint sind.

Aber lies selbst:

Ein Baum

Wie ein Baum würd ich gern sein,
viel Geäst gern tragen,
Bäume die sind nie allein,
auch wenn sie gar nichts sagen.

Bäume, das sind alte Riesen,
hässlich borkiges Gesicht,
doch alle lassen sie in Frieden,
Aussehen zählt bei Bäumen nicht.

Wie ein Baum würd ich gern sein,
Geheimnisse erfahren,
Bäume laden jeden ein,
trotz tiefer Messernarben.

Bäume das sind starke Helden;
Angst und Trauer ihnen fremd,
doch sie fühlen keine Freude,
keinen herzlichen Moment.

(c) Janne Jesse

Baum

Der Wunsch nach Stärke und Unverletzlichkeit war der treibende Gedanke, der dieses Gedicht erschuf, aber Stärke heißt nicht, seine Gefühle zu verdrängen bzw. zu verleugnen.

Stumme Steine

Stumme Steine

An Land gespült
die bunten Steine,
zu starr und schwer
fürs wilde Meer.

Verloren an den
gelben Stränden,
traumlos wartend,
hoffnungsleer.

Kalt und nutzlos
scheinen jene,
welcher Zweck
bestimmt ihr sein?

Welche Sonne,
wo die Sterne,
wo ist Heimat,
wann die Zeit?

Wer findet diese
schönen Schätze,
welche Tasche
trägt sie fort?

So wertvoll sind
die stummen Steine,
zu einzigartig
ihre Form.

(c) Janne Jesse

Janne Jesse ist eine Frau mit selektivem Mutismus.
Sie schreibt sehr gerne Gedichte und hat das im Januar 2015 erschienene Kinderbuch “Aurelia sagt nie Danke” für alle, die mit Mutismus zu tun haben, gedichtet und liebevoll illustriert. Zum selben Thema ist Mitte 2016 ihr Buch „Der stille Ritter Tom“ herausgekommen.
Link zur Übersicht über Jannes Bücher auf Amazon

Mit „Tintenstimme: Gedichte aus dem Schweigen“ (Link zu Amazon) hat sie eine Sammlung von Gedichten und Illustrationen zusammengestellt, die ein Gefühl dafür vermitteln, wie es ist, als Erwachsene mit Selektivem Mutismus zu leben.

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Leserthemen

Warum “Stille Stärken”?

An und für sich mag ich es nicht, nach dem “Warum?” gefragt zu werden.

Die Frage löst bei mir sofort das Bedürfnis aus, mich zu rechtfertigen und Gründe zu nennen, die es so manches Mal vor der Warum-Frage noch gar nicht gab. Für den Blog auf Stille-Stärken.de ist es mir aber wichtig, mein Warum nicht nur zu kennen, sondern auch zu kommunizieren.

Da passt es gut, dass ich gefragt wurde, ob ich nicht etwas über das “Warum” von Stille-Stärken.de schreiben könnte...

„Warum?“ fragst du mich?

Weil es genau dieses Warum war, um das ich seit Wochen kreiste, ohne dabei auch nur einen Schritt vorwärts zu wagen. (Na ja, einige “Ob überhaupt?” und “Wenn ja, wie?” und “Wer wird das denn lesen?” waren auch dabei…)

Warum ich das Warum nicht mag.

Meistens folgt auf das „Warum?“ eine Begründung aus der Vergangenheit, die etwas, das bereits passiert ist, rechtfertigt. Sowohl der Grund als auch die Konsequenz ist bereits vorbei, wenn die Frage nach dem Warum auftaucht. Das finde ich – um ganz ehrlich zu sein – überflüssig. Ändert ja eh nichts mehr.

Ich habe Jahre damit verbracht, zu überlegen, warum ich im Kindergarten verstummt bin und über die Jahre extreme Panik vor bestimmten (Rede-)Situationen entwickelt habe. Ich habe bis heute nur eine Handvoll lose Gedanken dazu. Aber mal ganz ehrlich: Im Grunde ist es völlig egal. Denn alles, was ich erreicht habe, habe ich erreicht, ohne zu wissen, warum ich Sprechblockaden hatte. Und heute liegen sie hinter mir. Was weiß ich, warum.

Warum ich das Warum doch mag.

Heute bin ich immer noch still und introvertiert. Und trotzdem habe ich mich entschieden, dir hier meine Geschichte und meine Erfahrungen zu erzählen.

Erst war es nur ein Gedanke. Dann eine Idee. Und schließlich wurde es mir zum Bedürfnis, für alle diejenigen, die mit Sprechblockaden zu tun haben, ein Beispiel zu geben. Denn wenn ich es hingekriegt habe, die Stille hinter mir zu lassen, dann kannst du es auch!

Dieses Warum ist ein Warum für die Zukunft. Dieses Warum gibt mir Fixpunkte am Horizont, auf die ich mich zubewege – obwohl ich von meinem Weg gerade mal die nächsten paar Meter sehen kann.

Ein solches Warum hat mir in den letzten Jahren gefehlt. Mein Alltag war vom immer gleichen Wie geprägt. Und ich merkte gar nicht, dass sich in meinem Job nur das Hamsterrad dreht, während ich nicht mehr vom Fleck komme.

Warum ein Blog namens „Stille Stärken“?

Weil Stille Menschen ihre Stärken erst auf den zweiten Blick zeigen.

Kennst du jemanden, dessen Charisma du bewunderst, weil er aus einer tiefen Ruhe heraus agiert? Viele Menschen waren ein Leben lang still und introvertiert – und sind der Welt gerade deswegen in Erinnerung geblieben. Martin Luther King, Gandhi, Mutter Theresa, Steve Jobs…

Weil es den Stillen dieser Welt schwer fällt, zu ihrem still sein zu stehen.

Scheinbar gehört zu einem erfolgreichen Leben, dass du viel und laut über dich und deine Leistungen redest. Gemeinsam zu schweigen oder einfach mal – wirklich – zuzuhören hat scheinbar keinen großen Wert. Wer nicht sprechen kann oder Schwierigkeiten hat, sich auszudrücken, möchte um alles in der Welt, dass die Sprechblockade weggeht. Ich bin noch niemandem begegnet, der sich wünscht, sein Schweigen mehr schätzen zu lernen.

Weil unsere laute Welt es verträgt, dass wir auch mal die Stille stärken.

Es tut so gut, mit einem lieben Menschen nur still im Gleichklang zu atmen. Es ist wunderbar, dem anderen zuzuhören und nachzuspüren. Es ist ein Erlebnis, ruhig zu werden und die eigene innere Stimme leiser und leiser werden zu lassen.

Und auch, weil ich mir meiner eigenen Stillen Stärken immer mehr bewusst werde.

WARUM JETZT? JETZT SOFORT?

Für mich ist jetzt genau die richtige Zeit, um etwas völlig Neues zu beginnen. Wenn nicht jetzt, dann kommt womöglich wieder mal das Leben dazwischen, und eine wertvolle Idee bleibt ungenutzt.

Darum versuche ich nicht länger, theoretisch herauszufinden, warum ich schreiben möchte und ob ich gut genug bin und ob irgendjemand etwas über Sprechblockaden, selektiven Mutismus, Ängste und die Möglichkeiten, damit umzugehen, lesen möchte.

Sondern ich fange jetzt an.

WARUM AUCH NICHT, VERFLIXT NOCHMAL! WENN NICHT JETZT, WANN DENN BITTESCHÖN DANN?

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine

Christine
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