Kommunikationsprobleme

Unsicherheitsmomente mal weitergedacht…

Letzte Woche habe ich behauptet: Unsicherheitsmomente sind menschlich.

Da hat mir niemand widersprochen – schließlich kennt doch jeder diese Momente, in denen man nur für einen Sekundenbruchteil unschlüssig ist und damit beim Gegenüber eine blitzschnelle Verwirrung auslöst, die wiederum eine Art Kurzschluss im eigenen Hirn verursacht.

Die Frage, die nun dick und fett im Raum steht, ist:
Kann man damit begründen, wieso in manchen Situationen „nichts mehr geht“?

Kann man damit Sprechblockaden erklären?

Sprechblockaden als Kurzschlussreaktion

Sagen wir‘s mal so: Wenn ich in eine peinliche oder irritierende oder komplexe Situation gerate und wenn ich dadurch momentan nicht weiß, wie ich mich verhalten soll, weil das Verhalten, das ich gewohnheitsmäßig abspulen könnte, nicht zu passen scheint… Dann fühlt sich das verdammt ähnlich wie eine Blockade an.

Was ich heute kann und früher nicht konnte:

Ich kann mich auch in der augenblicklichen Hilflosigkeit noch bewusst und absichtlich entscheiden, zu reagieren.

Früher ging in dem Moment, indem diese Hilflosigkeit mich erfasst hatte, nichts mehr. Und mit „nichts“ meine ich, dass ich weder mein Verhalten noch meine Gedanken steuern konnte – von Sprechen oder angemessenem nonverbalen Ausdruck mal ganz zu schweigen.

Und wie ein echter Kurzschluss nun mal ist – er passiert blitzschnell, ist nicht aufzuhalten und legt alles lahm. Nur, weil irgendetwas nicht so läuft wie vorgesehen. Das ist in der Elektrizität nicht anders als in der Kommunikation.

Ein elektrischer Kurzschluss führt dazu, dass die Sicherung rausfliegt. Das ist wichtig, weil so der Stromnachschub abgeriegelt und eine Gefahrenquelle entschärft wird. Man geht anschließend einfach zum Sicherungskasten, drückt die Sicherung wieder rein und hofft, dass das Problem damit aus der Welt ist. Manchmal war‘s das auch schon und das Leben geht ungehindert weiter. Manchmal fliegt die Sicherung aber auch sofort wieder raus. Oder es läuft für eine Weile alles scheinbar problemlos, und dann gibt‘s wieder „einen Kurzen“.

Die Sicherung hat jedenfalls eine enorm wichtige Funktion. Wenn irgendwo im elektrischen Leitungssystem eine Störung oder Gefahrenquelle sein könnte, nimmt die Sicherung sicherheitshalber den Strom raus. Und das ist gut so – obwohl es schon nervt, wenn aus unerfindlichen Gründen ständig die Sicherung rausfliegt.

Mal angenommen, der Kommunikations-Kurzschluss hätte eine ähnliche Funktion: Wenn diese spezielle Form der Hilflosigkeit auftritt, nimmt er „den Strom raus“, um die Situation zu entschärfen. Die Blockade hat demnach den Nutzen, eine momentan oder generell unlösbare Aufgabe oder Situation zu unterbrechen.

Es ist aber nicht vorgesehen, dass jemandem bei einer ganz normalen Begegnung (wie ich sie im vorigen Artikel beschrieben hatte) die Sicherung rausfliegt und eine Blockade einsetzt.

Deswegen ist der gute Rat von Leuten, die nie in eine solche Situation kommen:

„Du musst dich eben überwinden, trotzdem so zu reagieren, wie es sich gehört. Verhalte dich doch einfach ganz normal…“

Das wäre ungefähr so, als wenn du mit Klebeband die Sicherungen im Sicherungskasten festklebst, damit sie nicht mehr rausfliegen können. Damit ist ja vermeintlich die Normalität wiederhergestellt und auf Dauer „gesichert“.
Und, ob du‘s glaubst oder nicht, es gibt Leute, die machen sowas wirklich – und wundern sich hinterher, wenn der Heizlüfter die Wohnung in Brand gesetzt hat. Dabei hätte der sich liebend gerne abgeschaltet, als es ihm zu heiß wurde. Die „Reparatur“ am Sicherungskasten hat es ihm unmöglich gemacht.

„Normal“ weiterzumachen, obwohl ein Kurzschluss droht, führt zu einer Überlastung. Beim Menschen nennt man sie „nur“ Stress – aber wie beim Heizlüfter ist im schlimmsten Fall ein „Burn-Out“ die Konsequenz.

Meine Hilflosigkeits-Blockaden fühlen sich sehr wie ein Kurzschluss an.

Leider habe ich lange gebraucht, bis ich herausgefunden habe, dass ich mich selber mit einer schnellen Entspannung „vom Netz nehmen“ kann, wenn mir mein Stress zu intensiv wird…

Durch eigenes Verhalten ausgelöst?

Im vorigen Artikel hatte ich angedeutet, dass bei einer Begegnung nicht selten die Person, die anschließend die Blockade erlebt, selber die Verwirrung ausgelöst hat.

Das würde erklären, warum alle anderen sich immer nur gegenüber dieser einen Person „so doof verhalten“, so dass die sich hilflos fühlt und blockiert. Zwischen allen anderen Leuten scheint es nie zu solchen Problemen zu kommen.

Im Beispiel mit dem Aufzug – du erinnerst dich – war mein unwillkürliches Zögern beim Anblick der vielen Menschen in der engen Aufzugkabine der Anlass für eine Gruppe von Leuten, sich besonders um mich zu bemühen. Das fand ich peinlich und ich fühlte dabei mich fremdgesteuert, unwohl und dazu gezwungen, trotzdem „mitzuspielen“.

Natürlich habe ich brav mitgespielt, während ich mich „nicht mehr wie ich“ fühlte und mich „nicht wie normal“ verhalten habe. Es war mir ja gar nicht bewusst, wie ich gerade in ein Missverständnis hineingeraten war, das ich (unbewusst und unabsichtlich) selbst verursacht hatte.

Das macht alles noch schlimmer – und noch peinlicher für alle Beteiligten.

Offen gestanden bin ich mittlerweile überzeugt, dass ich selber solche Abfolgen von Reaktionen auslöse – weil ich (noch bevor mir das bewusst ist) ein Verhalten zeige, das beim Gegenüber (bevor es ihm bewusst ist) ein ungewöhnliches Verhalten anstößt.

Konsequenz: Beide fühlen sich unwohl, gehemmt bis blockiert – und beiden ist es nachher peinlich, dass sie sich so „unnormal“ verhalten haben.

Familiäre Rituale als Unsicherheitsfaktor

Ich finde ja, dass es der Lösung egal ist, woher ein Problem ursprünglich gekommen ist. Viel wichtiger als die Ursachenforschung finde ich, dass man mit einem Problem für die Zukunft möglichst gut umgehen kann. Aber dazu komme ich gleich noch in der Umsetzungsaufgabe für dich.

Ein paar Gedanken zum „Warum“ kann ich mir heute dennoch nicht verkneifen:

Eine Hypothese zu meinen Unsicherheitsmomenten, über die ich bei meinen Begegnungen in Tirol – im letzten Artikel – nachgedacht hatte, war:
Vielleicht ist die Verunsicherung, die ich auslöse, dadurch zu begründen, dass ich gewisse Rituale anders gewöhnt bin. Oder dass mir manche Situation einfach ganz und gar fremd ist, so dass ich auf keine alte Gewohnheit zurückgreifen kann.

Ein Beispiel: Wenn ich in meiner Familie jemandem die Hand gebe – sagen wir mal bei der Geburtstags-Gratulation – dann machen wir das auf eine bestimmte Weise.
Ich habe im Berufsleben mittlerweile Hunderte von Händen geschüttelt – und mit diesen fremden Menschen ist das Gruß-Ritual immer deutlich zielstrebiger abgelaufen als in meiner Familie.
Sprich: Ich hatte „von Haus aus“ ein leichtes Zögern beim Händeschütteln gelernt, das in meiner Familie ganz normal ist und das mir bei beruflichen Gelegenheiten als Unschlüssigkeit/Unbeholfenheit ausgelegt wurde. (Was es ja genau genommen auch war – nur hatte ich das daheim eben nie anders kennengelernt.)
Du kannst dir vorstellen, dass meine beruflichen Gespräche nach dieser unabsichtlich und unbewusst zögerlichen Begrüßung oft viel holpriger verliefen, als es nötig gewesen wäre…

Nicht nur Familien haben ihre eingeschliffenen Verhaltensweisen, die sich von anderen Familien in Nuancen unterscheiden können.
Es gibt auch regionale Unterschiede, die verunsichern können. Von interkulturellen Begegnungen ganz zu schweigen.

Unternehmen folgen auch oft ganz eigenen Ritualen und Umgangsformen – wer jemals den Job gewechselt hat, kann sich bestimmt an die ersten Wochen erinnern, in denen man neu lernen muss, wie die Firma tickt.
Und nichts anderes gilt für andere Institutionen: Kindergärten, Schulen, Vereine, …

Man muss sich halt eingewöhnen. Normalerweise ist das eine kurze Phase der Unsicherheit und dann klappt‘s im neuen Umfeld mühelos.

Bei Menschen, die ihr Leben lang psychische Blockaden in Unsicherheitsmomenten erlebt haben, funktioniert das nicht, weil jede Begegnung, die noch nicht gut läuft, die nächste Blockade noch schlimmer macht. Man fängt also an, die potenziell schwierigen Situationen zu vermeiden und setzt viel Energie ein, um erst gar nicht in eine Kurzschluss-Falle zu geraten. Und damit ist jede Möglichkeit verbaut, sich „ganz normal“ einzugewöhnen.

Jeder möchte Sicherheit

Das Problem mit den Blockaden ist, dass du nichts dazulernen kannst, wenn du alles vermeidest, was möglicherweise schiefgehen könnte. Und weil es für dich eine beinahe unerträgliche Vorstellung ist, dass ein erster Versuch in einer Irritation oder auch nur einem unguten Gefühl enden könnte, kommt es überhaupt nicht dazu, dass du eine Chance bekommst, ein stimmiges Verhalten einfach mal auszuprobieren.

Hilft aber nichts: Lernen kannst du nur, indem du ausprobierst, was funktioniert. Dann machst du immer mehr davon und lässt nach und nach alles weg, was nicht funktioniert.

Es gibt kein Lernen ohne immer wieder Ausprobieren.

„Kann ich aber nicht!“ denkst du dir.

„Ähm. Doch. Kannst du.“ sage ich.

Mach deine Übungsschrittchen so klein, dass du überhaupt nicht daran denkst, dass sie schwierig sein könnten. Mach so kleine Experimente, dass du darüber lachen musst. Mach es dir – wirklich! – lächerlich einfach.

Dann mach Pause.

Und dann übe ein weiteres mal. EINmal.

Dann: Pause.

Lernen und Ausprobieren macht riesigen Spaß – wenn du in der Sicherheit lernst, dass du jederzeit mehr schaffen könntest und es ABSICHTLICH nicht machst, weil winzige Schritte viel leichter und sicherer, aber genauso wirkungsvoll sind.

Und hier ist nun endlich deine Umsetzungsaufgabe

Mach in einer Situation, was du immer machst – und mach es, bevor du dich durch Grübeln blockierst.
Überprüfe hinterher den Erfolg.
Wenn – und nur wenn – das Ergebnis optimierungswürdig war: Optimiere es in Gedanken.
Dann: Hake es für diesmal ab.
Und mache selbstbewusst die optimierte Variante, wenn du das nächste Mal in eine ähnliche Situation kommst.

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine

Christine
​Read More
Kommunikationsprobleme

Unsicherheitsmomente sind menschlich

Zwei Leute begegnen sich an einem engen Durchgang. Beide sind ein wenig zerstreut und weichen zur gleichen Seite aus – reagieren aber sofort und springen auf die andere Seite – und stellen fest, dass sie sich wieder gegenüberstehen. Nun sehen sie sich verstohlen kurz an, zucken entschuldigend die Achseln und…  bewegen sich wieder simultan auf die auf die andere Seite.

Schließlich ergreift einer von den beiden die Initiative und gewährt dem anderen mit großer Geste den Vortritt.

Und der andere huscht irgendwie verlegen schnellstmöglich vorbei.

Anschließend fühlen sich beide ein wenig peinlich berührt – aber der Tag geht weiter und in kleine Irritation ist gleich wieder vergessen.

Sowas kommt schließich schon mal vor.

Unsicherheitsmomente passieren ständig

Letztens beim Betreten eines Aufzugs in einem Hotel habe ich einen kleinen Augenblick gezögert, weil schon einige Menschen mit viel Gepäck drinnen waren. Ich habe einen Sekundenbruchteil überlegt, ob ich nicht doch lieber die Treppe nehme, damit die Leute mit den großen Koffern mehr Platz haben.

Sofort hat mich ein Herr freundlich-bestimmt und von heftigem Winken untermalt aufgefordert, doch reinzukommen. Alle anderen haben eifrig ihre Koffer zurechtgeruckelt um mir Platz zu machen. Und mir blieb gar nichts anderes mehr übrig, als mich noch dazuzuquetschen – nur um dann in jeder Etage auszusteigen, jemanden rauszulassen, wieder einzusteigen…

Die ganze Aufzugfahrt lang fand ich das ziemlich peinlich – obwohl es dafür keinen rechten Grund gab. Aber dieses kleine Zögern, das ich als ersten Eindruck hinterlassen hatte und das so große Folgen nach sich zog, hing mir noch nach…

Oder als ich kürzlich beim Wandern in Tirol war…

Dort ist es völlig selbstverständlich, dass jeder jeden auf der Straße grüßt. In meinem oberbayerischen Heimatdorf übrigens auch.

Aber dort läuft das ein bisschen anders als hier. Denn in Tirol grüßt jeder Einheimische ausnahmslos jeden schon von weitem mit „Grias de“. Und mir scheint, dass unterdessen jeder, den man nicht persönlich kennt, abgescannt wird: Tourist oder doch nur ein Fremder aus dem Nachbardorf?

Für mich war das gewöhnungsbedürftig – denn daheim in meinem Dorf grüße ich ganz ohne ansehen der Person mit „Grüß Gott“, während ich an ihm vorbeigehe. Nie käme ich auf die Idee, dort jemand Fremden zu duzen.

Nach ein paar Begegnungen, bei denen ich mir sehr ungeschickt vorkam, habe ich in Tirol das Problem auf meine Weise gelöst: Ich grüßte mit „Servus“ – das passt für alle Tageszeiten, alle Altersgruppen, wird in Österreich und Bayern gleich verwendet und ich muss nicht mal dran denken, ob ich nun per Du oder per Sie bin.

Und in die selbe Kategorie von unangenehmer bis leicht peinlicher Situation fällt es für mich auch, wenn ich jemanden ansprechen und um etwas bitten muss.

Ich geb’s gleich zu: Ich frage nur im absoluten Notfall nach dem Weg.
Also eigentlich nie.

Ich warte oft ewig, bis die Bedienung im Café von selber zu mir kommt, wenn ich bezahlen will.

Wenn ich in einem Laden etwas nur von einer Verkäuferin bekommen kann und die Verkäuferin mich nicht beachtet, dann gehe ich lieber woanders hin, als dass ich sie auffordere, mich zu bedienen.

Was passiert in solchen Unsicherheitsmomenten eigentlich?

  • Ich bin mir unsicher. (Oder ich bin zerstreut. Oder unkonzentriert. Oder …)
  • Es ist mir nicht bewusst, dass ich nicht weiß, was ich genau will – und weil ich es nicht weiß, bin ich von der Situation für einen klitzekleinen Moment überfordert. Mindestens…
  • Mein Gegenüber spürt die Unsicherheit – und noch bevor es ihm bewusst wird, dass er mich als überfordert erlebt, reagiert er bereits reflexhaft darauf.
  • Der andere macht „mehr als normal“ – seine Reaktion wirkt irgendwie demonstrativ oder übertrieben.
  • Und ich bekomme das Gefühl: „Auweh, ist das peinlich.“ Und dieses Gefühl wird mir auch schlagartig arg bewusst. (Glühendrote Wangen und der verlegene Blick zum Boden schon mal inbegriffen…)
  • Ich fange an zu denken: „Der macht das jetzt extra. Wegen mir.“ Und deswegen fange ich an zu überlegen: „Welche Reaktion ist denn um Himmels Willen jetzt die richtige???“
  • Mir fällt absolut nichts ein. (Was übrigens auch nicht verwunderlich ist – es gibt nämlich keine von vornherein „richtige“ Lösung für solche Momente. Ob eine Reaktion gut war, zeigt sich erst an der Reaktion des anderen.)
  • Ich denke weiter nach, krampfhaft: „Welches Verhalten ist jetzt in Gottes Namen das richtige???“
  • Spätestens jetzt hat mein Gegenüber auch das Gefühl: „Meine Güte, ist das peinlich.“ Und vermutlich denkt er krampfhaft darüber nach, was nun das angemessene Verhalten sein könnte.
  • Kurzschluss. Wenn jetzt nicht einer die Initiative übernimmt, dann kommen wir aus dieser Nummer nicht mehr raus.
  • Einer von beiden macht schließlich irgendwas – sehr verkrampft und mit einem ziemlich unguten Gefühl – weil nichts machen schließlich auch keine Lösung ist.
  • Und schlussendlich trennen sich beide mit der Hoffnung, man möge sich nicht so schnell oder am besten nie wieder in die Arme laufen…

Spiel die Punkte ruhig gedanklich mal mit meinen Beispielen oder mit deinen eigenen durch. Es würde mich nicht wundern, wenn sowas bei dir so ähnlich ablaufen würde…

In der Superzeitlupe betrachtet

Zwei Menschen bewegen sich auf einander zu.

Einer gibt ein winzigkleines Unsicherheitssignal – fast unwahrnehmbar, aber doch irritierend für den anderen. (Einen Tick zu lang zögern oder ein minimales körpersprachliches Unsicherheitssignal sind klassische Beispiele.)

Der andere reagiert sofort mit einer klitzekleinen Anspannung. Er passt sich an das Zögern bzw. die Unsicherheit an. Und das geht so blitzschnell, dass er gar keine Chance hat, sich darüber bewusst zu werden.

Der eine hat einen Geistesblitz: „Scheiße, wieder FALSCH gemacht.“ Meistens gefolgt von einem „Ich kanns ja eh nicht. Das war ja wieder sooo klar!“

Beim anderen gibt’s wahrscheinlich ähnliche reflexartige Gedanken.

Beide befinden sich kurzfristig in einer Blockade, in der sie nicht souverän reagieren können.

Und schließlich überwindet einer die Blockade mit einem verkrampften, übersteigerten und für beide unangenehmen Verhalten – nur um überhaupt irgendwie wieder aus der Situation herauszukommen.

Es gibt kein richtiges Verhalten in einem solchen Moment, das hatte ich ja vorhin schon erwähnt. Also spar dir alle Überlegungen über Fehler und perfekte Lösungen.

Gibt’s denn keine Alternative?

Doch, es gibt einen Ausweg – aber der braucht ein wenig Überwindung. Dabei ist er eigentlich extrem simpel:

Mach einfach IRGENDWAS.

Mit „Irgendwas“ meine ich, dass du dich für irgendein Verhalten entscheidest und das mit voller Überzeugung durchziehst.

Ich wiederhole mich gerne, weil’s wirklich wichtig ist: Es gibt keine richtige oder falsche Lösung, sondern nur eine, die funktioniert – oder eben nicht.

Wenn etwas nicht funktioniert, dann mach etwas anderes. Irgendwas anderes.

Meistens braucht’s aber gar keinen zweiten Versuch. Echt nicht. Weil…
Weil dein Gegenüber richtig froh ist, wenn du die Initiative ergreifst und irgendwas machst, was euch beiden hilft, aus der Blockade wieder rauszukommen. Und deswegen wird er sich gerne an dein souveränes Verhalten anpassen und mit dir gemeinsam die skurrile Situation auflösen – meistens begleitet von einem herzlichen Lachen und ein paar humorvollen Worten.

Übrigens ist das auch mein genialster Geheimtipp gegen Blockaden:
Mach irgendwas – also wirklich IRGENDWAS, bevor die Blockade zuschnappt und du nicht mehr ohne weiteres rauskommst.

Und dann wäre da noch der Trick mit dem Selbstbewusstsein

Man sagt ja gerne, dass selbstbewusste Menschen im Vorteil sind. Warum das so ist, sagt kaum mal jemand.
Ich teile die Ansicht, dass souveränes Verhalten und selbstsicheres Auftreten sehr hilfreich ist. Und ich versuche mal kurz zu beschreiben, warum das so ist.

Jemand, der souverän – also zielgerichtet und mit innerer Überzeugung – auftritt, macht in einer fremden Situation erst mal, was er bereits in seinem Verhaltensrepertoire hat. Sollte er hinterher feststellen, dass seine Gewohnheiten nicht optimal für die Situation sind, passt er sich mit der Zeit an die neuen Anforderungen an. Und schon hat er wieder ein neues Verhalten „gesammelt“.

Unsichere Menschen versuchen von Anfang an herauszufinden, wie „es geht“, bevor sie überhaupt agieren. Durch dieses zögerliche Verhalten verunsichern sie die Menschen, auf die sie treffen und ernten unwillkürlich immer wieder „peinliche“ Situationen. Diese Unsicherheitsmomente möchten sie möglichst generell vermeiden und lassen alles weg, was schon mal nicht funktioniert hat – und engen somit ihr Verhaltensrepertoire immer weiter ein.

Ich habe ein „Experiment“ gemacht und beide Varianten ausprobiert. Auf meiner Wanderung in Tirol sind mir genügend Leute aus verschiedenen Ländern und Regionen begegnet, so dass ich viele Menschen, die ich nie wiedersehen werde, als unfreiwillige Teilnehmer für meinen kleinen Versuch hatte.

Ich habe einige von den entgegenkommenden Wanderern genau so gegrüßt, wie ich es daheim mache, wenn ich jemandem beim Spaziergang begegne. Und andere wiederum habe ich erst kurz gemustert, um schnell zu überlegen, was das für einer ist – und mich dann entschieden, wie ich ihn grüße (oder ob überhaupt).

Die angenehmeren Begegnungen waren definitiv die, die ich mit einem spontanen „Grüß Gott“ selbstbewusst eingeleitet habe. Bei den zögerlicheren Versuchen ist bei mir selbst (und beim Gegenüber vermutlich auch) ein ungutes Gefühl zurückgeblieben.

Was ich dir mitgeben möchte

Mach in einer bestimmten Situation, was du immer machst – und mach es, bevor du dich durch Grübeln blockierst.
Überprüfe hinterher den Erfolg.
Wenn – und nur wenn – das Ergebnis optimierungswürdig war: Optimiere es in Gedanken.
Dann: Hake es für diesmal ab.
Und mache selbstbewusst die optimierte Variante, wenn du das nächste Mal in eine ähnliche Situation kommst.

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine

Christine

PS: Das Thema hat mich noch weiter beschäftigt – den Folgebeitrag findest du hier: Unsicherheitsmomente mal weitergedacht…

​Read More
Kommunikationsprobleme

Konflikte als Chance

Die heutige Überschrift stammt von Christina Wenz. Auf ihrem Blog mediation-wenz.de findet zur Zeit die Blogparade „Konflikte als Chance“ statt.

„Blogparade“ heißt, dass zur gleichen Zeit auf ganz unterschiedlichen Blogs Artikel erscheinen, die sich um da gleiche Thema drehen – aber oft ganz unterschiedliche Blickwinkel haben.

Tja, und damit sind wir dann auch schon beim heutigen Artikel…


Wir Blogger machen bei einer Aktion mit, die zum Ziel hat, verschiedene Ansichten zu sammeln – jeder behandelt das Thema aus der Sicht, aus der er auch sonst bloggt.

Natürlich können und wollen wir uns in so einer Blogparade nicht darüber streiten, wer recht hat. Sondern wir freuen uns darüber, in den unterschiedlichen Blogs der Kollegen Meinungen und Informationen zu entdecken, auf die wir selber nie gekommen wären. Für mich ist das eine tolle Sache, an der ich mich immer gerne beteilige.

Und meine wichtigste Erkenntnis ist: Jeder hat aus seinem Blickwinkel aber sowas von Recht – selbst wenn ich dazu eine völlig andere Ansicht vertrete.

Meinungsverschiedenheiten sortieren die Leute

Ich sag’s ganz offen: Nachdem ich meine ersten Blogartikel verfasst hatte, war ich absolut überzeugt davon, dass jeden Moment eine fürchterliche Diskussion in den Kommentaren oder den sozialen Medien über mich hereinbrechen würde. Schließlich hatte ich meine Meinung ins Internet gestellt und die ganze Welt konnte sie lesen.

Eineinhalb Jahre später kann ich sagen, dass ich ausschließlich positive Reaktionen bekommen habe – und zwar vor allem zu Aussagen, die mir schwer über die „Veröffentlichen“-Schaltfläche gekommen sind.

Bestimmt dachten immer wieder mal Leser, dass ich Quatsch schreibe. Vielleicht haben manche davon ihr Lesezeichen gelöscht und sind nie wieder hier vorbeigesurft. Dann war die Meinungs-Unterschiedlichkeit einfach zu groß. Das ist völlig okay.

Es gibt nämlich immer auch Leser, die genau aus dieser Meinung einen großen Gewinn gezogen haben. Und wenn ich nicht auf „Veröffentlichen“ geklickt hätte, dann hätte ein Leser den Impuls nicht bekommen, der bei ihm genau im richtigen Moment einen neuen Gedanken, eine Idee ausgelöst hat.

Ich habe durch den Blog die wichtige Erfahrung gemacht, dass mir niemand für meine ehrliche Meinung den Kopf abreißt. Je ehrlicher ich bin, desto leichter treffe ich auf Menschen, die zu mir passen.

Verschiedene Meinungen sind nötig, damit sich die Leute passend zu einander sortieren können.

Meinungs-Verschiedenheit entsteht oft aus Missverständnissen

Findest du es nicht merkwürdig, dass jeder erwartet, etwas zu sagen und von allen genau so verstanden zu werden, wie er es gemeint hat?

Unsere Sprache – so schön und vielschichtig sie auch ist – ist ein wildes Durcheinander von Symbolen, Metaphern, Analogien, Mehrdeutigkeiten etc.

Kurz gesagt: Was für mich das Wort „Freiheit“ bedeutet hat mit allergrößter Sicherheit wenig mit der Bedeutung zu tun, die du „Freiheit“ gibst.
Und nebenbei gesagt gilt für „Sicherheit“ natürlich das Gleiche.

Wenn ich „Stuhl“ sage, sehe ich vor meinem inneren Auge etwas, was sich unter Umständen deutlich von deinem Bild von einem Stuhl unterscheidet.

Und was für dich ein „ausgewachsener Konflikt“ ist, ist für mich wahrscheinlich eine „spannende Auseinandersetzung“.

Sprechen ist der Versuch, trotz unendlich vieler Möglichkeiten für Missverständnisse die entscheidenden Informationen zu rüberzubringen. Nix weiter.

Hinspüren – da ist etwas unklar

Es ist Erfahrungssache, zu erkennen, wann die Information, auf die es gerade ankommt, beim Anderen angekommen ist.
Wenn sie „auf der Strecke geblieben“ ist, dann braucht es einen neuen Anlauf. Und das heißt nicht, dass der erste Versuch schlecht war, sondern nur, dass er nicht auf Anhieb bis ins Ziel geführt hat.

Tatsächlich ist das Pingpong-Spiel eines guten Small-Talk genau dazu da, einem (im Small-Talk nicht so wichtigen) Thema immer wieder einen neuen Schubs zu geben, um in kleinen Schritten mehr über die Inhalte zu erfahren. Aber vor allem geht es darum, ein noch besseres Gespür für den Gesprächspartner zu entwickeln.

Und während man sich so auf einander einspielt, merkt man immer leichter, ob eine Aussage treffend war oder ob sie noch einen weiteren Schubs braucht.

Ein Gespräch dient dazu, Information treffend zu vermitteln. Das geht genau genommen fast immer schief – und bietet die Gelegenheit, sich weiter zu unterhalten.

Du bist IMMER okay

Ich dachte früher immer, dass ich verkehrt bin, wenn mich jemand falsch versteht. Jetzt wo ich das so schreibe, kommt es mir ziemlich paradox vor – aber es war meine unumstößliche Überzeugung.

Dieser Gedanke, dass ich mich auf Anhieb verständlich ausdrücken müsste, weil ich sonst aller Welt zeige, dass ich nichts kann, hat mich blockiert.
Ich hatte viele wertvolle Ideen, Erkenntnisse und jede Menge Wissen über alles Mögliche – und ich habe nichts gesagt.
Jahrelang.

Zu spüren, dass mich jemand falsch verstanden hat, war für mich das größte persönliche Versagen überhaupt. Das wollte ich unter allen Umständen vermeiden – und die Lösung war, nichts zu sagen (obwohl ich es gekonnt hätte, denn die Blockade namens Mutismus hatte ich schon überwunden).

Was für ein Quatsch. Was für eine Zeitverschwendung.

Heute weiß ich, dass ich auch mit den wildesten Meinungen völlig okay bin. Denn ich bin einer gewaltigen Verwechslung aufgesessen:

Ich dachte, dass es ein Fehler in meiner Persönlichkeit ist, wenn irgendjemand eine andere Meinung als ich hat. Und ich dachte, ich wäre falsch, wenn ich falsch verstanden wurde.

Es geht um den Inhalt. Es geht nicht um deine Persönlichkeit.

Wenn du eine Meinungsverschiedenheit erspürst – und ich weiß, dass du darin verdammt gut bist – geht es um Meinungen über den Inhalt zu einem Thema.

Es geht nicht um dich als Person.

Denn du BIST nicht deine Meinung.
Jemand kann deine Meinung Scheiße finden und dich trotzdem respektieren.

Du bist auch nicht dein Verhalten.
Jemand kann kritisieren, was du tust oder getan hast und dich trotzdem wertschätzen.

Du bist nicht was du sagst.
Selbst wenn du im Eifer des Gefechts etwas sagst, was viele andere Menschen für falsch halten, bist DU immer noch richtig. Denn: Es ist deine Meinung. Und du bist nicht deine Meinung.

Nebenbei gesagt kann man Meinungen auch jederzeit ändern. Sogar innerhalb einer Auseinandersetzung.

Jede Auseinandersetzung gibt dir die Chance, deine Meinung an der Meinung eines anderen zu reiben. Und Reibung erzeugt Hitze, das ist normal.
Reibung erzeugt auch Glanz.
Und eine heiße Diskussion kann durchaus etwas aufblitzen lassen, was bisher nie zu sehen war.

Du bist nicht, was du sagst. Also sag, was du denkst.

Indem du sagst, was du in diesem Moment für wahr hältst, kannst du dich auseinandersetzen und dabei gewinnen.


Fünf Schritte für erkenntnisreiche Auseinandersetzungen:

  1. Spür dich. Sei präsent – mit allen Sinnen.
  2. Sage, was für dich stimmt. Deine Wahrheit ist immer wahr – egal was jemand darüber denken könnte.
  3. Höre genau zu, was die Wahrheit des anderen ist.
  4. Spür dich. Das ist der wichtigste aller Schritte!
  5. Sage, was für dich stimmt und berücksichtige dabei die Wahrheit des anderen.

Der fünfte Schritt ist, was ich mir unter einer Auseinander-Setzung vorstelle:
Ich verstehe meine Wahrheit, mein Bedürfnis, mein Argument. Und ich verstehe die Wahrheit, das Bedürfnis, das Argument des Anderen.
Ich spüre, was für mich stimmt. Und das ist meine Antwort.

Ein Konflikt ist die Chance, die eigene Position zu finden, indem man dem Anderen erlaubt, seine Position darzulegen.

Verständnis hat Grenzen

Es gibt Auseinandersetzungen, die haben keine Lösung.
Und doch empfinde ich es meistens als Gewinn, wenn ich mehr von der Wahrheit des Anderen erfahren habe.

Es gibt aber auch Auseinandersetzungen, die haben für mich keinen Sinn mehr. Sie verschlingen meine Energie, ohne dass ich dadurch mehr über mich und den Anderen verstehe. Sie sind nicht  sachlich, sondern sie greifen mich als Person an. Es geht nicht mehr um gegenseitiges Verständnis, sondern nur noch darum, Recht zu behalten.
Und dann erlaube ich mir, aus dem Konflikt (und oftmals auch aus dem Kontakt) auszusteigen.

Zu einem Konflikt braucht es mindestens zwei. Steig aus, sobald es persönlich wird.

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine

Christine

PS: Das ist der zweite Artikel zum Thema „Konflikt“ – mit dem ersten war ich letzte Woche nicht so richtig zufrieden, aber wenn du ihn trotzdem lesen möchtest:
Auseinandersetzung ist nichts Schlimmes

​Read More
Kommunikationsprobleme

Weil’s wahr ist! – Auseinandersetzung ist nichts schlimmes

Niemand mag Konflikte. Richtig?

Wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt, dann ist jeder lieber ganz weit weg als näher dran.

Es ist ja auch unangenehm, wenn die Harmonie gestört ist. Und wenn man womöglich gezwungen ist, Partei zu ergreifen oder eine Position zu vertreten.

Konflikte sind so überflüssig wie Käsefüße – und deutlich unangenehmer…

Was ist ein Konflikt?

Ein Konflikt ist – mal ganz leicht dahingesagt – wenn die Meinungen auseinandergehen.

Dabei hat der Konflikt die Eigenheit, dass er, wenn er erst einmal eine gewisse Schwelle überschritten hat, beinahe unumkehrbar immer größer wird. Diese Eigendynamik des Konfliktes – man sagt auch Eskalation dazu – macht es so schwierig, sich mit einem Konflikt zu befassen. Denn wenn man unmittelbar beteiligt ist, dann verrennt man sich ganz leicht in die Idee, zu wissen, dass man im Recht ist. Und dass der andere demzufolge ja nur im Unrecht sein kann. Diese Schwarz-Weiß-Sichtweise ist ganz klassisch für einen Konflikt, der sich hochschaukelt und mehr und mehr eskaliert.

Ich bin mir sicher, du hast schon Situationen erlebt, in denen du dir sicher warst, im Recht zu sein. Und je mehr ein anderer eine andere Meinung vertrat, desto sicherer wurdest du dir, dass seine Sichtweise Blödsinn ist. Weil’s wahr ist! (Sagte mein Papa manchmal, wenn ihm die Argumente ausgingen…)

Früher hatte ich eine ganz klare Vorgehensweise, wenn ich in solche Auseinandersetzungen geriet:
Innerhalb der Familie (also da, wo Sprechblockaden kein Thema waren) war die erste Stufe Argumentieren auf Teufel komm raus.
Die zweite Stufe war lauter werden.
Und die dritte Stufe war schnippisch werden.
Stufe vier war beleidigtes demonstratives Schweigen.
Und dann folgte eine lange Phase, die ich mal als „Aussitzen“ bezeichnen möchte. Meine Familie nannte es „Bocken“.

Diese Phase des demonstrativen und destruktiven Schweigens konnte unbegrenzt lange dauern. Es gibt Menschen, mit denen habe ich nie mehr ein Wort gewechselt. NIE mehr.

Stumme Konflikte

Wenn der Konflikt nicht in der Familie, sondern in Lebensbereichen stattfand, in denen die Sprechblockade da war, gab es die Stufen von Argumentieren, Streiten, Schnippisch-Werden und Verstummen nicht. Denn verstummt war ich ja von vorneherein. Und somit gab es keine Auseinandersetzung.

Man sollte meinen, dass mein Leben sehr harmonisch war, so ganz ohne Konfliktäußerungen.

Tatsache ist, dass ich enorm darunter gelitten habe, eben nicht zu reagieren und mir anmerken zu lassen, wie es mir ging.

Ich hatte unendlichen Stress, wenn ich in eine zwischenmenschliche Konfliktsituation verwickelt war – und zwar auch dann, wenn ich gar nicht zu den Konfliktparteien gehörte. Und ich habe still darunter gelitten. Denn ich konnte mit Konflikten einfach nicht umgehen – das hatte ich nie gelernt. Ich konnte es nicht aushalten, dass keine Übereinstimmung herrschte, dass ich keine Zustimmung hatte oder der andere eine völlig kontroverse Haltung hatte.
Woher hätte ich es auch können sollen? Einen konstruktiven Umgang mit Konflikten hatte ich nie kennengelernt.

Wo ich herkomme beharrt man auf seinen Argumenten, wird lauter und aggressiver, dann unfair und schließlich bockig. Und danach wird die Konflikt-Ursache für immer von der Tagesordnung genommen. Niemand geht auf den anderen zu, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Jeder erwartet, uneingeschränkt recht zu haben.

Was ein Kompromiss ist, habe ich erst gelernt, als ich längst erwachsen war. Und eine Lösung, bei der beide Parteien positiv abschneiden, konnte ich mir lange Zeit überhaupt nicht vorstellen. Für mich war klar, dass von dem Moment an, an dem man sich nicht mehr einig ist, alle nur noch verlieren…

Tja, und dann waren da meine inneren Konflikte…

Ich mach‘ das mit mir selber aus…

Konflikte von mir mit mir selbst. Ich wusste nie genau, wer ich eigentlich bin – ich glaubte immer, dass die Maske, die ich trug, falsch war. Denn ich hatte nicht gelernt, dass es völlig normal ist, im Leben je nach Situation immer wieder in eine neue Rolle zu schlüpfen und darin dennoch ganz man selbst zu sein. Ich war überzeugt, dass es für mich gar keine „Ich-Rolle“ gab, sondern nur schlecht gespieltes Theater.

Weil ich in meinen Augen alle meine Rollen unzureichend spielte, hatte ich nie das Gefühl, echt zu sein. Und als ich mit den Jahren immer mehr und immer länger aus der Familie heraus musste, hat es mich fast zerrissen, nicht zu wissen, wer ich war, wenn ich nicht mehr den Platz als genau definierter Teil meiner Herkunftsfamilie inne hatte. Meine ersten Berufsjahre waren entsprechend katastrophal… Und erst nach vielen Schwierigkeiten entdeckte ich, dass ich ein ICH habe, das in alle Rollen schlüpfen kann und doch immer ICH bleibt.

Ich erlebte, dass eine Meinung nur eine Meinung ist. Dass ich sie ändern kann und trotzdem ICH bleibe. Und dass es nicht nur Hopp oder Topp, Schwarz oder Weiß gibt. Es gibt Quadrillionen von Möglichkeiten, was man denken und behaupten und argumentieren kann – und es gibt niemanden, der wirklich bis ins Detail weiß, was stimmt.

Wow, etwas kann so sein. Oder anders. Oder nochmal ganz anders. Und man kann darüber ausgiebig quatschen, ohne dass am Ende einer recht hat und alle anderen unrecht…

Und ich kann unrecht haben, ohne dabei mein Gesicht zu verlieren. Ohne dabei die Maske abgerissen zu bekommen und als Mensch gescheitert zu sein. Ich kann einfach mal unrecht haben und es macht… Es macht NIX!!!
Die Erde dreht sich weiter. Mein Leben geht weiter. Die Weltgeschichte nimmt keine Notiz davon.
Es ist okay, wenn ich eine Meinung habe und feststelle, dass ich damit allein dastehe.
Es ist okay, wenn ich mein Ding mache.
ICH bin okay. Egal wie.

Und du so?

Wer bist du?
Wofür stehst du?
Weißt du, wie es ist, zu deiner Meinung zu stehen?

Es gibt genau eine Möglichkeit, das herauszufinden. Du musst einen Konflikt zulassen, aushalten und durchstehen – um dann zu merken, dass du nicht zerstört wirst, sondern wächst.

Ich glaube, dass die Auseinandersetzung uns erst zu eigenständigen Menschen macht. Zu diesem Zweck hat der liebe Gott die Pubertät erfunden. Dummerweise ist die bei mir wegen verschiedentlicher psychischer Probleme nicht als klare Auseinandersetzung mit meinen Eltern und als letztliche Abgrenzung abgelaufen, sondern als hilfloses Durcheinander ohne Ende. Und daher musste ich da in meinen Zwanzigern noch manches nachholen. Aber schließlich war ich frei.

Wie gehst du mit Konflikten um?


Die Idee zu diesem Artikel entstand aus einem Aufruf von Christina Wenz zu einer Blogparade – ihr Thema lautet „Konflikte als Chance“.

Nachdem ich den heutigen Blogbeitrag fertig hatte, stellte ich fest:
Das war überhaupt nicht das, was ich eigentlich zu diesem Thema schreiben wollte.
Mist, Themaverfehlung!

Deswegen probiere ich es nächste Woche nochmal.
Manchmal braucht es einfach mehr als einen Anlauf, bis etwas wirklich passt.

​Read More
Kommunikationsprobleme

Die leidigen Vorstellungsrunden

„Erzählen Sie doch kurz, wer Sie so sind und was Sie so machen…“

Wenn du schon mal auf einem Seminar, einer beruflichen Fortbildung oder bei einem VHS-Kurs warst, kennst du das.

Du hast dir gerade einen Platz gesucht und bist noch voll und ganz damit beschäftigt, dein Schreibzeug aus der Tasche zu kramen, als der der Kursleiter auch schon sagt:

„Ich bin Heinz Mustermann und leite den Kurs „Angewandte Kommunikationstheorie“. Stellen Sie sich doch bitte erst mal kurz vor…“

Der erste Teilnehmer links vorne fängt auf eindeutiges Handzeichen des Kursleiters an:

„Ich heiße Gernot Gernredner, bin glücklich verheirateter Vater von vier Kindern, die fünf, sieben, neun und dreizehn Jahre alt sind. Die älteste Tochter ist jetzt gerade in der Pubertät und macht uns viel Ärger… blablabla… Ach ja, und ganz wichtig für das Seminar ist natürlich auch noch, dass ich als Entwicklungsingenieur für Insektenhotels… blablablabla… und viel Verantwortung für… blabla…
Am nächsten Wochenende kommt übrigens meine Schwiegermutter zu Besuch und dafür erhoffe ich mir hier im Seminar ganz viel… blablablablablubb…
Wenn ihr noch Fragen habt, dann bitte, gerne. Ich kann jetzt nicht auf die Schnelle alles über mich erzählen. Aber wir sind ja auch noch länger zusammen – da lernt man sich bestimmt schnell besser kennen. Lasst uns doch von Anfang an alle DU sagen.“

Gernot blickt beifallssicher in die Runde.
Irgendjemand nickt höflich, worauf noch ein freudiges: „Also dann, ich bin der Gernot!“ ertönt.

Der Kursleiter sagt: „Vielen Dank, Gernot. Dann bleiben wir also beim Du. Und weiter geht’s mit der Nächsten – wir wollen ja keine Zeit verschwenden.“

Die nächste in der Reihe… Das bist nun dummerweise du.
Und nach Gernots mehrminütigem Monolog bist du mehr als erschlagen. Was sollst du jetzt bitteschön erzählen? Du weißt nichts über die Leute in der Gruppe – und völlig Fremden deine Lebenseckdaten zu erzählen widerstrebt dir schon mal prinzipiell. Ganz abgesehen davon, dass dir im Moment eh nichts mehr einfällt, weil vierzehn Augenpaare mehr oder weniger ungeduldig auf dich blicken und warten, wann es endlich losgeht.

Wie stellt man sich eigentlich – verda… nochmal – in einem Seminar angemessen vor?

1. Die Mindestangaben:

(Wenn du ein Internet-Formular ausfüllen würdest, wären das die Felder mit den Sternchen. Wenn du da nichts angibst, geht’s nicht weiter und du kriegst eine Fehlermeldung…)

Erwartet wird in jedem Fall, dass du den Namen sagst, mit dem du im Seminar angesprochen wirst. Also nennst du im Sie-Rahmen den Nachnamen – oder nach Gernots „Wir-sagen-von-Anfang-an-alle-DU“-Offensive deinen Vornamen/Rufnamen. Im Zweifelsfall ist Vor- und Nachname eine gute Idee…

In einem beruflichen Seminar, in dem dich die Teilnehmer noch nicht kennen und einordnen können, ist eine gewisse Info über deine Firma und Tätigkeit angebracht: „Ich arbeite bei „Bären-Berger“ in der Buchhaltung. Das Unternehmen stellt hochwertige Teddybären her und ich kümmere mich um die Rechnungen für die lateinamerikanischen Kunden.“

In einem Kurs, den du aus privatem Interesse besuchst, ist für die anderen Teilnehmer interessant, warum du dabei bist: „Ich habe vor einer Weile ein Buch über das rituelle Palaver von südamerikanischen Indianerstämmen gelesen und dachte mir, da wäre ein Kurs über „Angewandte Kommunikationstheorie“ auch mal interessant…“

Fertig.
Ein Satz, in dem dein Name vorkommt PLUS ein Satz, in dem der Grund deiner Anwesenheit auftaucht, reicht.

Dann nickst du freundlich dem nächsten in der Runde/Reihe zu und gut ist’s.

2. Wenn’s ein bisschen mehr sein darf

Als Stiller Mensch ist bei dir nicht unbedingt zu befürchten, dass du versuchst, Gernot Gernredner zu übertrumpfen.

Aber es spricht natürlich überhaupt nichts dagegen, dass du deinen Vorstellungstext ein wenig ausschmückst.

Interessant für die Zuhörer und für dich relativ einfach zu erzählen ist eine kleine „Geschichte“ über dich oder den Grund, aus dem du da bist. Sowas wie: „Ich bin von Haus aus eher still – da interessiert es mich natürlich, wie Leute es schaffen, sehr viel zu reden.“ (Optional denkbar: Ironisch-lächelnder Seitenblick auf Gernot…)
Oder: „Bären-Berger schickt alle Nachwuchs-Mitarbeiter im ersten Jahr in so einen Kurs. Ich bin schon gespannt, wie ich das Thema in meinen Buchhaltungs-Alltag umsetzen kann.“
Oder: „Meine Freundin hat mich angemeldet und mir den Kurs zum Geburtstag geschenkt. Sie sitzt übrigens gleich neben mir und kann auch noch was dazu sagen…“ (Geschickte Überleitung, die dir weitere Ausführungen erspart…)

3. Antworten auf konkrete Fragen

Ein Kursleiter, der sich vorher Gedanken gemacht hat, hat wahrscheinlich ein paar Vorschläge, worüber du sprechen kannst.
Und im Idealfall zeigt er die Stichpunkte, für die er Antworten möchte, gut sichtbar am Flipchart, an der Pinnwand oder irgendwo anders, so dass du sie während deiner Vorstellung nochmal angucken kannst.

Der Kursleiter stellt dabei meistens die Fragen, die ihm für sein Seminar in dem Moment wichtig sind, wie z. B.
– Welche Erfahrung haben Sie schon mit dem Thema?
– Was interessiert Sie vor allem?
– Wann werden Sie sagen, dass das Seminar für Sie ein Erfolg war?

Es ist völlig okay, wenn du die Mindestangaben (siehe 1.) machst und dann sagst, dass du dich mit dem Thema noch nicht groß beschäftigt hast und daher das Seminar einfach auf dich zukommen lässt.
Nimm die Fragen einfach als Vorschlag, nicht als Pflichtinhalt – so sind sie auch gedacht…

4. Die Spielchen

Ich hasse das: Ich kenne noch keinen Menschen im Raum und ein überenthusiastischer Trainer fordert mich auf, doch mal eben für fünf Minuten meinen Nebenmann zu interviewen, um dann „ganz schnell in drei, vier Minuten“ vor der Gruppe alles über ihn zu erzählen – einschließlich Schuhgröße, Kinderkrankheiten und den Lieblingsreisezielen in alphabetischer Reihenfolge.
Der Trainer denkt, das wäre lustig und auflockernd, weil die Teilnehmer in entspanntem Smalltalk schnellstens alles über einander zu erfahren versuchen.
Ich denke nur: „Ich will hier raus. JETZT!“

Leider gibt es von diesen Spielchen unendlich viele Variationen, die allesamt bei introvertierten Teilnehmern den dringenden Wunsch auslösen, zu verschwinden.
Der extravertierte Seminarleiter kriegt davon in der Regel nichts mit… Schade, eigentlich.

Da hilft nur „Augen zu und durch“ – oder dringend nochmal zum Auto/an die Rezeption/auf’s Klo zu müssen.

5. Es geht auch anders…

Ich kenne die unterschiedlichsten Seminare von Fachhochschule bis Volkshochschule und von Anfänger-Fotokurs bis zutiefst fachlichem Spezialwissen.
Und ich finde, dass es in der Regel am Anfang generell völlig egal ist, welche Vorlieben/Vorleben die Teilnehmer haben und was deren Erwartung ist und vor allem, wie viele Kinder, Kaninchen oder Katastrophen in ihren Familien vorkommen.
Und wer dennoch zum Ankommen in der Gruppe (egal ob als Seminarleiter oder -besucher) auf Smalltalk Wert legt, der hatte bis zum offiziellen Beginn schon reichlich Zeit, sich mit jemandem auszutauschen, der diese Art der Kontaktaufnahme auch mag.

Versteh mich nicht falsch: Es macht Sinn, dass in einer Gruppe jeder am Anfang kurz etwas über sich sagt und sich so den anderen vorstellt  – dadurch bekommt jeder Teilnehmer ein Gefühl dafür, mit wem er es zu tun haben wird. Dafür reichen allerdings die Mindestangaben (siehe 1.), vielleicht erweitert durch EINE wirklich gute Frage des Seminarleiters.

Und ein kreativer Trainer – davon gibt’s erfreulicherweise eine ganze Menge – hat bestimmt noch viele andere Ideen, wie er aus einzelnen Leuten eine Gruppe macht – ohne dabei den Introvertierten Gewalt anzutun…

„Erzählen Sie doch kurz, wer Sie so sind und was Sie so machen…“

Nimm den Seminarleiter beim Wort: Kurz, knapp, mit einem Lächeln und in zwei oder drei Sätzen – mehr Vorstellung muss nicht sein.

Wenn die Gruppe länger zusammen bleibt oder sich immer wieder trifft, wirst du bald ein Gefühl dafür haben, was du erzählen kannst und willst. Und auch dann ist es okay, zu sagen: „Ich habe heute nichts, was ich erzählen möchte. Ich gebe das Wort an den nächsten weiter…“

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine

Christine
​Read More
Kommunikationsprobleme

Jammern… – Wozu braucht’s das?

Ist Jammern nützlich?
Sinnvoll?
Oder gar notwendig?

In den letzten Tagen bin ich immer wieder auf diese Fragen gestoßen.
Im Austausch auf Facebook, in Mails und auch in anderen Blogs, die zur Zeit eine Jammerfreie Zone eingerichtet haben, ist mehrfach die Frage nach dem „Sinn des Jammerns” aufgetaucht.
Das ist ein guter Grund, um mir darüber einige Gedanken zu machen…

Jammern verbindet. Oder?

Du triffst jemanden. Fragst: „Na, wie läuft’s so?” Und bekommst zur Antwort, dass es schon mal besser war. Dass gerade heute alles schief geht. Und dass überhaupt die Situation in letzter Zeit ziemlich schwierig geworden ist. Dafür hast du vollstes Verständnis, denn dir geht es genauso.

Ja, Jammern verbindet. Weil du Gemeinsamkeiten mit deinem Gesprächspartner findest und dich mit ihm darüber austauschst.

Der Austausch funktioniert allerdings auch ganz ohne zu jammern mit jedem erdenklichen Thema, sobald es dir gelingt, einen guten Draht zu deinem Gegenüber aufzubauen. Es macht sogar noch viel mehr Freude, wenn du dich über schöne Erlebnisse, Erfolge, lustige Ereignisse etc. unterhältst.

Gemeinsamkeiten verbinden. Und erfreuliche Gemeinsamkeiten machen ganz nebenbei auch noch gute Laune.

Jammern gibt ein gutes Gefühl. Oder?

Wir Menschen werden nun mal gerne gesehen und bemerkt.
Wer jammert, hat etwas zu sagen. Und wer lautstark jammert, bleibt nicht unbemerkt.

Komischerweise macht es mir viel weniger aus, wenn ich durch mein Jammern auffalle, als wenn ich mit einem schönen, wissenswerten oder spannenden Thema im Mittelpunkt stehe.
Positiv aufzufallen braucht mehr Mut! Ist das nicht seltsam?

Ich kann dir sagen, dass es ein ganz großartiges Gefühl macht, einem Gesprächspartner oder mehreren Zuhörern meine Begeisterung zu zeigen und meine Lebensfreude. Da kann Jammern nicht mal ansatzweise mithalten.

Jammern füllt leere Gespräche. Oder?

Ich ertappe mich gelegentlich dabei, eine wirkliche Jammertirade loszulassen, wenn ich nicht möchte, dass ein Gespräch zu persönlich wird. Ich beschwere mich über Gott und die Welt nach dem Motto „Hauptsache, die Luft scheppert.”

Ist es nicht herrlich, das man endlos jammern kann, ohne etwas persönliches über sich auszusagen?
Viel zu viel Arbeit, schon seit Wochen! Bahnstreik, so ein Mist. Lauter doofe Kunden heute. Wetter zu kalt, zu nass, zu warm, zu sonnig…

Das kommt sehr sachlich und verbindlich rüber und hält das Gespräch in Gang, weil der andere sich ganz von alleine in seine eigenen bejammernswerten Beispiele hineinsteigert und gerne bereit ist, deine negativen Aussagen zu übertrumpfen.

Ganz ehrlich? Solche „Gespräche” machen deinen und meinen Tag nicht besser.
Wenn es nichts nützliches oder angenehmes zu sagen gibt, dann kannst du auch einfach still sein. Das ist vielleicht die schönste aller Stillen Stärken. 😉

Jammern erleichtert. Oder?

Wenn man bedenkt, wie viel Energie Menschen ins Jammern investieren, sollte man meinen, dass es sich total positiv auswirken müsste.

Tatsächlich wirkt es entlastend, alles auszusprechen, was du im Augenblick doof findest. Wenn du dich allerdings dann an diesem Thema festbeißt, dann erscheint es dir schnell immer größer und wichtiger. Und die Menschen, denen du davon erzählst, teilen deine Meinung und bringen zusätzlich noch ihre eigenen Jammer-Gedanken mit ein. So beweist ihr euch gegenseitig, dass alles noch viel schrecklicher ist als ursprünglich gedacht.

Jammern erleichtert tatsächlich – aber nicht, indem du es zum Gesprächsthema machst. Sondern, indem du alle deine Jammer-Gedanken auf einen Zettel notierst, so dass sie nicht länger in deinem Kopf kreisen müssen. Meistens verändert sich deine Einstellung zu den Jammer-”Fakten” schon im Moment des Aufschreibens. Und wenn du einen Gedanken noch weiter hinterfragen möchtest, dann ist es gut, ihn so aufgeschrieben vor dir zu haben.

Sobald du für dich die Jammerthemen geklärt hast, brauchst du sie niemandem mehr zu erzählen. Und – das ist noch viel besser – du brauchst sie auch nicht endlos in Gedanken zu wiederholen.

Jammern ist der erste Schritt zur Veränderung. Oder?

Denkst du, dass du etwas ändern wirst, wenn du dich lange genug darüber beschwert hast, dass es so nicht weitergeht?
Ich gebe zu, dass ich immer wieder auf diese Idee hereinfalle…

Wenn ich mir selbst und anderen nur lange genug mit meinem Problem auf die Nerven gehe, dann… Ja, dann werde ich etwas ändern. Ganz bestimmt… Ich muss nur lange genug darüber jammern!

Jetzt mal ehrlich – das ist unglaublicher Blödsinn. Ich habe Jahre damit verbracht, mich selber vollzujammern. Wenn die ganze Energie für’s Jammern und Gedankenkreisen draufgeht, ist das eine großartige Ausrede dafür, nichts zu ändern.
Gerade vorhin habe ich in einem Blogartikel folgenden Satz entdeckt:

Verbringe nie mehr als 10 Prozent deiner Zeit mit einem Problem.

Investiere lieber 90 Prozent in die Lösung. 

Karin Wess // karinwess.com

Irgendeinen Sinn wird Jammern schon haben. Oder?

Bestimmt.
Allerdings keinen, den du nicht auch ohne Jammern erreichen könntest.

Also. Nimm JETZT einen Zettel und einen Stift und notiere alle, wirklich ALLE Jammer-Gedanken, die dir einfallen.

Auch wenn du das schon einmal gemacht hast, mach es ruhig nochmal. Denn wenn du den Jammer-Gedanken zum ersten Mal Raum gibst, dann melden sie sich womöglich zunächst viel deutlicher zu Wort. Indem du sie dann aus deinem Kopf auf den Zettel bringst, machst du sie konkret. Und wer weiß, vielleicht willst du ja doch mal an einer Lösung für ein Thema arbeiten, das sich immer wieder meldet.

Oder du setzt einen klaren Jammer-Stop, mit dem du das Grübeldenken unterbrichst und handlungsfähig wirst.

 

Sei du selbst (ohne zu jammern), lass die anderen anders sein.
Deine

Christine

PS: Die jammerfreie Zeit hier im Stille-Stärken-Blog geht noch bis zum 10. Mai. Du hast also reichlich Zeit, weiter zu experimentieren, wie du ganz ohne Jammern klarkommst.

Jammerfreie Zone
​Read More
Kommunikationsprobleme

Jammern hift – nützt aber nichts

Wenn du mal ehrlich bist – es tut schon irgendwie gut, wenn du jemandem deine geballten Sorgen, Misserfolge, dumm gelaufenen Vorhaben, persönlichen Mängel und dem Frust der Woche an die Backe quatschen kannst. Oder?

Dann bist du wenigstens nicht mehr allein mit deinem alltäglichen Drama.

Schwupps, schon ist der Mensch neben dir genauso besorgt, frustriert, deprimiert, verunsichert, hoffnungslos… Und denkt sich: „Ich geh mal jemanden volljammern. Es tut schon irgendwie gut, wenn ich meine geballten Sorgen etc. und vor allem meine jetzt echt miese Laune jemandem mit-teile.”

Und plötzlich haben um dich herum auch alle weniger gute Laune. Wenn das kein Grund zum Jammern ist…?

Du machst sowas nicht?

Entschuldige. Ich habe glatt von mir auf andere geschlossen. Verzeih mir, das nehme ich natürlich sofort zurück.

ICH mache es. Ich jammere die Leute um mich herum voll. Mal nur mit einer kleinen negativen Bemerkung über etwas, das mir gerade in den Kopf schießt. Aber in letzter Zeit auch ganz häufig über den Alltag, das Leben, kurz: „Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden”.

Findest du das dumm?

Ja, ich auch. Und weißt du, was noch dümmer ist? Ich mache das mittlerweile sogar, wenn gar niemand um mich herum ist. In meinen gedanklichen Selbstgesprächen jammere ich mich selber voll! Und das ist ja wohl mal so richtig überflüssig.

Das muss sich ändern. Jawoll.

Deswegen habe ich mir überlegt, dass gemeinsames Nicht-Jammern den Effekt umkehren könnte. Wenn ich nicht jammere und du nicht jammerst und wir gemeinsam schaffen, dass um uns herum auch alle nicht jammern… Und vor allem: Wenn wir alle es schaffen, dass wir auch in unseren Gedanken-Selbstgesprächen nicht jammern…

Dann macht das richtig gute Laune!

Bist du dabei?
Aber du denkst dir: „Boah, echt, es ist Montag abend und du willst, dass ich nicht jammere??? Ich muss morgen wieder in die Schule/die Uni/den Job/mein Alltags-Trallala…”

Okay, das verstehe ich. Geht mir auch so. Deswegen starte ich am Freitag – mit dem verlängerten Wochenende habe ich genug Zeit zum Üben, bevor der Alltag wieder losgeht.

Na, bist du dabei?

Am Donnerstag schreibe ich hier im Blog nochmal genauer, wie ich mir unsere gemeinsame jammerfreie Zeit vorstelle. Und auf der Stille-Stärken-Facebook-Seite wird es dann auch jeden Tag einen kleinen Bericht über mein Nicht-Jammern geben. Ich freue mich darauf, dich dort zu treffen.

Na dann: Sei du selbst, lass die anderen anders sein.

Deine

Christine

PS: Um dich herum gibt es zu viele Leute, die dich volljammern? Dann teile doch einfach diesen Artikel – und wir werden alle zusammen jammerfrei.

​Read More