Eine Frage beantwortet und vier neue gestellt

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von Christine Winter

08.01.2015

Dieser Artikel ist meine Antwort auf die Frage einer Leserin:

Soll ich akzeptieren, dass ich wenig oder nichts sage?
Oder hindert mich das daran, etwas zu ändern?

Ich vermute, dass die Antwort, die ich darauf gegeben habe, für sich allein nicht besonders hilfreich ist, um die Akzeptanz und die Veränderung leichter zu machen.

Und daher liefere ich dir anschließend noch eine Anregung für ein wirklich einfaches, aber gerade deshalb besonders wirksames Selbstcoaching bei ungeliebten Gefühlen.

Meine Antwort auf die Frage

Ich finde, es ist durchaus sinnvoll, erst einmal zu akzeptieren, dass dir Sprechen Schwierigkeiten macht. Denn du schreibst ja selber, dass du unter permanentem Frust und unter einer großen Anspannung stehst – und diese unangenehmen Gefühle erlebst du vor allem dann, wenn du vorhast, etwas zu sagen. Außerdem hast du (aus vielen vorangegangenen Erfahrungen heraus) schon im Voraus die Erwartung, dass du auch diesmal wieder Stress und Frust erleben wird.

Eine Veränderung zu erreichen ist aber viel einfacher, wenn du sie in einer offenen, kraftvollen Stimmung anpackst. Denn wenn du dich positiv und stark und kompetent fühlst (man nennt das auch „ressourcenvoll“), dann hast du all deine Stärken und Erfahrungen zur Verfügung, um einen nächsten Schritt vorwärts zu machen.

In dieser Hinsicht ist es hilfreich, erst einmal anzuerkennen, dass für dich Sprechen eine große Herausforderung darstellt. Und zu akzeptieren, dass du dabei zur Zeit mehr Stress bewältigen musst, als viele andere Menschen. Und dass es dich im Moment viel Überwindung kostet, voranzukommen.

Das alles heißt nicht, dass du nichts ändern kannst und solltest. Eine klare Entscheidung gegen die Sprechblockade bringt dich dazu, einen nächsten (kleinen) Schritt dagegen voranzugehen. Denn letztlich kannst du die positiven Erfahrungen mit dem Reden, die du brauchst, nur machen, wenn du es tatsächlich und optimistisch tust.
Immer wieder – und jedes mal ein bisschen geübter.

 

Akzeptieren, was ist – mit vier einfachen Fragen

Die Fragestellerin hatte in ihrer Nachricht an mich beschrieben, dass sie frustriert und angespannt ist. Und sie befürchtet, dass sie nicht mehr gegen das Schweigen kämpfen würde, wenn sie diese Gefühle gegenüber der Sprechblockade akzeptiert.

Ich kenne solche Überlegungen gut – und ich habe die Erfahrung gemacht, dass sie mich daran hindern, auf einfache und sinnvolle Lösungen zu kommen.

Ein Ausweg könnte sein, erst mal die Gefühle (und die damit verbundenen Gedanken) ernst zu nehmen. Dabei helfen die folgenden vier Fragen:

1. Kannst du dieses Gefühl in diesem Moment akzeptieren?

Lass das Gefühl von Frust und Anspannung (oder was auch immer dich gerade einschränkt) kurz in dir aufsteigen und frage dich, ob du es in diesem Moment – nur jetzt gerade – akzeptieren kannst.

Dabei ist ein klares Ja genauso richtig wie ein eindeutiges Nein. Und auch wenn du gemischte Gefühle dazu hast, ist das okay.

Es gibt keine falsche Antwort. Alles, was dir zu dieser Frage einfällt, ist richtig – und es ist nicht nötig, dass du deine Antwort hinterfragst oder verstehst. Nimm einfach spontan das, was dir dazu einfällt: „Ja“ oder „Nein“, „Ich weiß nicht recht“ oder „Schon möglich“…

2. Könntest du das Gefühl jetzt loslassen – nur für diesen Moment?

Spüre kurz nach, wo in deinem Körper du das Gefühl gerade wahrnimmst. Und dann nimm wieder die erste Anwort, die dir in den Sinn kommt, ohne sie zu bewerten.

Ja, Nein oder Jein – es ist DEINE Antwort, und sie ist okay.

Du musst es dein Gefühl auch gar nicht aufgeben – die Frage ist lediglich, ob du es könntest. Denn du hast die Wahl und kannst deine Gefühle festhalten oder loslassen.

3. Würdest du das Gefühl loslassen?

Nimm die erste Antwort, die kommt.

Und dann stell dir noch die letzte Frage – egal, was du gerade geantwortet hast.

4. Wann?

Jetzt. Morgen früh beim Aufstehen. Immer wenn du aus dem Haus gehst. Irgendwann. Nie.

Deine Antwort ist die richtige. Du entscheidest über deine Gefühle.

Die Sedona-Methode

Die vier Fragen wurden durch ein Buch als „Die Sedona Methode“ bekannt. Sie verändern etwas in deiner Wahrnehmung des Problemzustandes – und es ist tatsächlich egal, wie du sie beantwortest. Jede Antwort, die dir spontan in den Sinn kommt, ist richtig.

Ich denke, der Trick bei dieser Methode ist, dass du deine Gefühle ernst nimmst und ihnen erlaubst, da zu sein. Denn bisher hast du versucht, sie zu unterdrücken oder zu ignorieren oder dagegen anzukämpfen. Und dadurch haben sie viel Raum in deinen Gedanken eingenommen. Mit mit den vier kurzen Fragen und deinen ehrlichen Antworten darauf bekommen die Gefühle nun eine Berechtigung, da zu sein – dadurch können sie sich wandeln.

Es ist durchaus sinnvoll, die Fragen öfter zum gleichen Problem zu stellen. Wenn ein Gefühl immer wieder auftaucht, dann kannst du es immer wieder mit den vier Fragen konfrontieren – und du wirst sehen, die Antworten sind immer wieder anders.

Viel wichtiger als die Antworten ist aber die Wirkung, die diese einfache Methode hat:

  • Du bekommst einen besseren Zugang zu deinen ungeliebten Gefühlen.
  • Du kommst aus deiner Hilflosigkeit und dem Grübeln bzw. Wüten heraus und kannst sachlich mit den Gefühlen „reden“.
  • Du gehst etwas auf Distanz zu deinem Thema/Gefühl.
  • Du kannst nichts falsch machen, weil es keine falsche Antwort auf die Fragen gibt. Egal, wie deine Antworten lauten – sie sind richtig, weil sie ehrlich und spontan sind.

Und hier nochmal die vier Fragen

1. Kannst du dieses Gefühl in diesem Moment akzeptieren?
2. Könntest du das Gefühl jetzt loslassen – nur für diesen Moment?
3. Würdest du das Gefühl loslassen?
4. Wann?

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine

Christine

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