Ziele und so Zeugs…

Zum Neuen Jahr gehören neue Ziele wie zu Weihnachten die Geschenke.

Es ist einfach Tradition, sich zumindest „gute Vorsätze“ zu überlegen, bevor das nächste Jahr beginnt.

Und ich mag Traditionen – wobei meine Neujahrsplanung in den letzten Jahren immer umfangreicher geworden ist. Zu Anfang hatte ich noch die klassischen Vorsätze, also sowas wie „ein bisschen abnehmen“ oder „wieder mehr bewegen“ oder „gesünder essen“. Ich habe aber festgestellt, dass es meistens bei den Vorsätzen geblieben ist und dass – das ist das eigentliche Problem dabei – es mir auch ziemlich egal war, was ab dem 2. Januar aus den Neujahrsvorsätzen wurde. Neujahr war schließlich vorbei.

Als ich dann lernte, dass richtige Ziele „S.M.A.R.T.“ formuliert sein müssen, habe ich mir viel Zeit dafür genommen, möglichst viele präzise niedergeschriebene Ziele zu erarbeiten.

Dann sagten mir Leute, die es wissen müssen, dass ich das, was ich erreichen will, visualisieren und mit dem dazugehörigen Gefühl verbinden sollte. Ist ja klar – mit viel Emotion geht’s gleich viel leichter.

Und dann kam noch die Zeitplanung zur Zielplanung hinzu. Schließlich schlägt man am 1. Januar einen nagelneuen Kalender auf – und der will gefüllt werden. Vom ersten Tag an.

Wenn man das Zeit- und Ziele-Management ernst nimmt, dann hat man zum Jahreswechsel eine ausformulierte langfristige Vision, einen darauf basierenden Jahresplan, vier Quartalspläne, daraus säuberlich abgeleitet zwölf Monatsziellisten, die wiederum zu einem ausgefüllten Kalender der kommenden Woche und einer ausführlich in möglichst viele Einzelaufgaben aufgedröselten To-Do-Liste – und das gute Gefühl, echt fleißig gewesen zu sein…

Diesmal ohne mich.

Diesmal wollte ich nicht.

Ich habe gestreikt. Keine Listen, keine Pläne, kein persönlicher Jahresrückblick, keine Zielearbeit (allein schon dieses Wort…), kein bunt ausgemalter Jahreskalender im Format DIN A1 an der Pinnwand.

Nix.

Gar nix.

2015 war aus. Und das gab mir ein sehr eigenartiges Gefühl an Silvester. Denn mir kam’s vor, als ob 2016 noch Lieferzeit hätte und erst später kommt.

Der Spruch von der „Zeit zwischen den Jahren“ bekam eine völlig neue Bedeutung.

Zum ersten Mal seit langem habe ich einfach in die Tage hineingelebt. Das fühlte sich merkwürdig an – und ich habe die Erfahrung bewusst genossen und ausgekostet.

Und wenn ich einfach planlos weiterleben würde?

Ein reizvoller Gedanke: Ich lasse die Planerei, die Ziele, die Aufgabenlisten und auch das schlechte Gewissen, das damit zusammenhängt, einfach weg. Für immer.

Das gefiel mir.

Das gefiel mir sogar sehr.

Bis ich merkte, dass ich morgens nicht mehr so leicht aus dem Bett kam. Mitten in den Vormittag hinein schlafen – na ja, wenn ich eh keine anderen Pläne habe, macht’s ja nichts.

Und ich merkte auch, dass ich mehr Zeit als sonst mit Essen verbrachte. Und weniger mit Bewegung.

Ich bekam Rückenschmerzen, weil ich ungewöhnlich lange auf dem Sofa, dem Bett und im Fernsehsessel lümmelte.

Hmmmm…!? Das war alles irgendwie nicht so, wie ich mir meine Anti-Ziel-und-Zeitplan-Aktion vorgestellt hatte.

Aber was richtig fies war: Die Stimme meines Gewissens führte immer längere Monologe – und zwar so, dass ich sie bald nicht mehr überhören konnte.

Kurz gesagt: Ich fand es immer schwerer, mich für irgendetwas – egal was – zu motivieren, während ich die Gewissensbisse immer weniger ignorieren konnte.

Wenn das Leben die Prioritäten setzt…

Nach zwei Wochen ohne Plan stellte ich fest:

Wenn ich ohne bestimmte Absicht dahinlebe, dann setzt das Leben die Prioritäten – ob mir das gefällt oder nicht.

Damit meine ich nicht, dass irgendetwas schlimmes passiert wäre oder so.

Aber ich kam in die Situation, nur noch zu reagieren.

Nix mehr zu essen im Kühlschrank – ich MUSS einkaufen gehen.

Noch kein Blogartikel vorbereitet – ich MUSS dringend einen neuen Text schreiben.
Mist, Mist, Mist, Mist, Mist! Mir fällt gerade absolut nichts ein… Kein einziger sinnvoller Gedanke!

Und den Newsletter MUSS ich auch noch… – Ach egal, gibt’s eben diese Woche keinen.

Für mein nächstes Seminar ist noch richtig viel vorzubereiten – ich MUSS endlich damit anfangen, sonst werde ich nicht mehr rechtzeitig fertig.

Muss. Muss! MUSS!!!

Ich will aber nicht ständig unter Druck reagieren müssen

Am Anfang machte mir meine Rebellion gegen alle Neujahrs-Planungs-Traditionen großen Spaß. Am Anfang hatte ich auch das Gefühl, dass ich dabei eine Menge Dinge tat, für die ich mir sonst nie genug Zeit nehme. Ich habe stundenlang gelesen, Musik gehört, alte Filme angeschaut, Süßigkeiten genascht, Computerspiele gespielt…

Nach ein paar Tagen machte das alles nicht mehr sooo viel Spaß. Aber ich hatte nichts besseres zu tun.

Und dann ging es mir langsam aber sicher auf die Nerven. Und ich fing an, mich auf meinen nächsten Seminartermin zu freuen, weil ich dadurch wieder…
Tja, nennen wir es ruhig beim Namen: Weil ich dadurch wieder ein konkretes, geplantes, klar umrissenes und im Terminkalender notiertes Ziel vor mir hatte.

Der erste Termin im Neuen Jahr

Seit ich vorige Woche meinen ersten Seminartag in 2016 hatte, merke ich, wie meine gewohnte Energie die über die Feiertage entstandene Lethargie ersetzt.

Ich hatte ein schönes Erfolgserlebnis. Ich habe nette neue Leute kennengelernt. Ich habe mich mit Themen beschäftigt, die mich und meine Teilnehmer interessieren. Ich hatte eine Aufgabe – und zwar eine, die ich sehr sinnvoll finde.

Und je mehr ich wieder ins Tun komme, desto stärker wird mein Wunsch, für die nächsten Wochen ganz konkrete Ziele zu entwickeln.

Ich möchte aktiv werden. Ich möchte wissen, was als nächstes kommt. Und ich möchte mich freuen, wenn ich einen Plan mit Erfolg voranbringe.

Planlos = Erfolglos

Es hat mich überrascht, wie schnell ich die Lust an der Planlosigkeit verloren habe.

Und mir war zuvor auch nicht so bewusst, dass ich keinen Erfolg erleben kann, wenn ich kein Ziel habe.

Aber so richtig lästig bei meinem Experiment war das immer deutlicher werdende schlechte Gewissen, während ich immer inaktiver – meine innere Stimme nennt das „stinkfaul“ – wurde.

Ich glaube, ich werde das kommende Wochenende mal nutzen, um mir ausführlich aufzuschreiben, was ich an Plänen für 2016 habe. Und wenn ich schon dabei bin, könnte ich auch für jede Jahreszeit ein paar konkrete Ziele notieren und an die Pinnwand pinnen. Eine neue Idee für eine etwas andere To-Do-Liste habe ich bereits seit ein paar Tagen ausprobiert. Eigentlich plane ich nämlich ganz gerne. Und ich mag es, wenn ich meine Ideen aufschreiben kann und so den Kopf frei kriege.

Weißt du was? Ich fasse jetzt einen verspäteten Vorsatz für 2016: Ich werde bei allen Plänen und Terminen und Aufgaben überlegen, wie ich noch mehr Freude daran haben kann.

Und du? Weißt du schon, was in diesem Jahr dein Ziel ist? Und woran wirst du merken, dass du erfolgreich bist?

Ich wünsche dir viel Spaß bei allem, was du tust.
Genieße die Energie, die du bekommst, wenn du tolle Ziele hast.

Sei du selbst, lass die anderen anders sein,
Deine
Christine

 

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