FAQ: Warum können Leute in der mutistischen Blockade nicht essen? Warum schaffen sie es nicht, aus der Gruppe rauszugehen (z. B. wenn sie auf’s Klo müssen)?

Die mutistische Blockade ist kein Sprech-Problem.

Meiner Meinung nach ist sie ein „Nicht-Reagieren-Können-Problem“. Nur fällt das Nichtreagieren eben vor allem dadurch auf, dass jemand nichts (mehr) sagt.

In der mutistischen Blockade weiß man einfach, dass man nichts tun kann.
Vielleicht so, wie jemand weiß, dass er mit seinem gebrochenen Bein nicht zur Haustür rennen kann, wenn’s klingelt. Statt zu tun, was „jeder normale Mensch“ ganz automatisch tun würde, bleibt er sitzen und fängt an, zu überlegen, was er täte wenn er könnte.

Wenn früher meine Blockaden lange dauerten (z. B. einen ganzen Schultag oder eine ganze Familienfeier lang), dann hatte ich währenddessen kein Hungergefühl. Ich konnte also gut auf Essen verzichten.
(Wenn die Blockade dann weg war, war der Mordshunger schlagartig da – was dazu führte, dass mein Essverhalten einer Essstörung gleichkam. Oder genauer gesagt, dass ich wohl eine Essstörung hatte.)

In der Blockade war ich oft ausschließlich damit beschäftigt, mir zu überlegen, was ich jetzt tun könnte. Zum Beispiel könnte ich die Feier verlassen und nach Hause gehen…
Die gedanklichen Szenarien waren allesamt sinnvoll – aber der Impuls zur Umsetzung aus eigenem Antrieb fehlte mir während einer mutistischen Blockade.

Falls du dich jetzt fragst, wie ich von Feiern, Veranstaltungen, Parties nach Hause kam…
Meistens als Letzte. Oder wenn fast alle (fremden) Gäste weg waren und sich meine Blockade auflöste, so dass ich wieder „normal“ handlungsfähig wurde.

Und das mit dem Klo…? Ich habe einfach so wenig getrunken, dass die Wahrscheinlichkeit, raus zu müssen und nicht zu können, minimal war. Falls du schon mal eingegipst im Bett gelegen warst, kennst du diese Strategie vielleicht auch. 🙂

 


 

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Findest du auch, dass es noch zu wenig Verständnis für Mutismus gibt?

Die neue Studie der Universitäten Zürich und Würzburg hat zum Ziel, daran etwas zu ändern.
Und alle von Mutismus betroffenen Kinder und Jugendlichen mit ihren Eltern können dazu beitragen und die Forschung aktiv unterstützen.

Was du dazu tun musst:

  1. Fordere per E-Mail die Fragebögen bei der Uni Zürich an.
    Die E-Mail-Adresse ist mut.ist.muss@kjpd.uzh.ch
    Gib in deiner Mail unbedingt deine Post-Adresse an, denn…
  2. Du bekommst per Post die Fragebögen zugeschickt.
  3. Du nimmst dir als Elternteil mit deinem Kind ein wenig Zeit und beantwortest in aller Ruhe die Fragen.
  4. Dann steckst du die Fragebögen in den Rückumschlag und bringst den zur Post.
    (Das Porto zahlt natürlich die Uni.)

Ich freue mich riesig, wenn durch deine Mitwirkung an der Studie klarer wird, was Mutismus ist und wie wir damit umgehen sollten.

Infos zur Studie (PDF)