FAQ: Warum sind manche Kinder mit Selektivem Mutismus so aggressiv, wenn eine Sprechblockade vorbei ist?

Kurz gesagt blockiert die mutistische Blockade die Gefühle – und zwar sowohl das Gefühl für den eigenen Körper als auch das „Gefühl“ für die eigenen Emotionen.

Ich erlebe in einer Blockade keinen Stress, keine Angst – und selbst die Hilflosigkeit, die ich erfahre, ist vom Gefühl her ganz und gar neutral.

Während ich in diesem psychisch „abwesenden“ Zustand bin, ist aber mein Stress samt allen Körperreaktionen im Körper aktiv. Vor allem, wenn ich Angst oder Wut erlebt habe, bevor die Blockade „zuschnappte“, sind die entsprechenden Gefühle im Körper unverändert vorhanden. Und wenn die Blockade „weggeht“, dann flutet all das wie eine Welle, die zuvor zurückgehalten wurde, auf mich ein.

Bei einer Flut von Stress ist eine hohe körperliche Aktivität die logische Folge – und es wäre enorm hilfreich, wenn man dann die Möglichkeit hätte, sich abzureagieren und auszupowern.

Leider wird in der Regel erwartet, dass man, sobald die Blockade „weg ist“, wieder „ganz normal“ ist.
Ich habe als „braves“ Kind gelernt, dass ich diese anflutenden Emotionen unter allen Umständen weiterhin zurückhalten muss. Und dadurch konnte ich auch außerhalb meiner Blockaden weder Stress noch Emotionen loswerden.
Vermutlich ist der „Redeschwall“ nach der Blockade ein Versuch, die Spannung auf sozial adäquate Weise abzubauen.

Manchmal kommt eine Flut von Wut. Oder Angst. Oder Hass. Oder Traurigkeit. Oder Selbstverurteilung, nicht selten als Selbstverletzung…

Im Grunde kann jede Emotion im Körper gestaut sein und sich – wenn die Blockade weicht – ungebremst ausbreiten.

Auch positive Gefühle können plötzlich aufsteigen und beispielsweise ein „irres“, völlig situations-unangemessenes Lachen oder Kichern oder „Grinsen“ auslösen. Und auch das ist enorm unangenehm – eine Soziale Angst vor der Reaktion der anderen Menschen auf solche „falschen“ Reaktionen ist vorprogrammiert.

Bei mir fließen häufig stille Tränen ohne äußeren Anlass. Ich bin dabei auch recht „ruhig“, so dass niemand nachvollziehen kann, was in mir vorgeht. Und auch das ist etwas, das aus der Blockade in die Sozialphobie münden könnte – wenn ich nicht vor langer Zeit beschlossen hätte, dass es ist wie es ist und die Leute darüber denken dürfen, was sie wollen.

Ich fände es enorm wichtig, bei der Behandlung von Blockaden auch Wege zu entwickeln, wie die Emotionen gelebt werden können – und vor allem finde ich wichtig, dass es völlig okay ist, wenn aufgestaute Emotionen „ins Fließen“ kommen.


 

Nächste Frage: Was mache ich, wenn jemand sagt: „Die kann doch sprechen“?

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