Mutige Kumpels helfen beim Sprechen

Mutige Kumpels helfen beim Sprechen

Kürzlich habe ich schon über die „Brave-Buddies“-Therapie des Child Mind Institute in New York geschrieben. In einer Gruppe von selektiv mutistischen Kindern zwischen drei und acht Jahren wird „mutiges Sprechen“ eingeübt.

Hier meine Vorschläge für den Umgang mit Mutisten – in Anlehnung an die Regeln der „mutigen Kumpels“ (Quelle: Psychologie heute, Heft 8, August 2014).

5 Regeln, die kleinen (und größeren) Mutisten helfen

  1. Stelle erst einmal keine Fragen. Sprich über das, was du siehst, hörst, fühlst – ohne dem eine Wertung zu geben. Nimm das, was du mit deinen Sinnen wahrnimmst, als Grundlage für den Kontakt.
  2. Drücke deine Gefühle verbindlich und authentisch aus. Wenn du dich wohl fühlst, zeige es und sprich es aus. Wenn du nicht weiter weißt, sei ehrlich – verbal und nonverbal. Wenn du begeistert, bist drücke es aus.
    Mutisten sind oft überdurchschnittlich empathisch und spüren, wenn du nicht stimmig bist. Daher ist mein Rat: Sei authentisch!
    (In der Brave-Buddies-Therapie scheint alles positiv gewürdigt zu werden, was das Kind tut, während es schweigt. Wenn du authentische Freude über das Verhalten empfindest und loben willst – prima! Wenn nicht, dann solltest du das meiner Ansicht nach lassen, und das ausdrücken, was für dich gerade stimmig ist.)
  3. Wenn du Kontakt aufgebaut hast, stelle Auswahlfragen. „Dieses“ oder „jenes“ zu wählen ist dabei einfacher, also eine komplexe Entscheidung auszusprechen. „Möchtest du Erdbeereis oder Vanille?“ lässt sich mit nur einem Wort beantworten – und doch ist es schon eine ganze Menge mehr an Kommunikation, als zu schweigen! „Ja“ oder „Nein“ ist allerdings keine besonders gute Auswahlfrage, weil sie durch nicken/kopfschütteln beantwortet werden kann, ohne zu sprechen.
    (Ich persönlich wäre da allerdings nicht zu kleinlich, denn jede Kommunikation ist besser als keine Kommunikation. Mir ist es wichtiger, den Kontakt aufrecht zu erhalten, als auf Teufel komm raus Worte zu hören.)
  4. Wenn dann die Auswahlfragen klappen, stelle EINE offene Frage. Und halte danach den Mund. Die meisten Menschen halten Schweigen nicht aus. Nicht mal eine Sekunde lang.
    Mutisten sprechen aber in der Regel nicht spontan, sondern legen sich ihre Antwort zurecht. Und das dauert. Bei einem kompletten Satz dauert das sogar ziemlich lange. Oder sehr lange…
    Achte während du wartest auf die Mimik und Körpersprache. Daran lässt sich ablesen, ob noch eine Antwort kommen wird.
  5. Wiederhole das Gesagte und drücke deine Freude darüber – authentisch und angemessen – aus. Wiederholen von Aussagen zeigt, dass du zugehört und verstanden hast. Aber ACHTUNG: Benütze die gleichen Ausdrücke. Deute nicht die Aussage um und verbessere nicht.
    Wenn die Antwort war: „Ich hab Lust auf Freibad.“ dann antworte: „Du hast Lust auf Freibad. Super, dass du mir das gesagt hast.“ Sage NICHT!: „Aha, ich verstehe, du möchtest also die heiße Witterung nutzen, um dich beim Baden zu erfrischen bla bla bla.“ Das zeigt nämlich nur, dass du nichts verstanden hast, sondern alles besser weißt.

 

Das A und O der Kommunikation ist generell, aber noch viel mehr mit Mutisten, dass du authentisch bist. Das heißt, dass dein Denken und Fühlen sich in deinen Worten und deiner Körpersprache ausdrückt. Wenn du eine Botschaft sendest, die nicht eindeutig ist, dann verwirrst du nur und wirst keine Antwort bekommen.

 

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine
Christine Winter

 

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