Runterkommen und Entstressen

Runterkommen und EntstressenIm Artikel über Stress und den Alarmzustand, den er auslöst, habe ich Tipps angekündigt, um aus dem Stress raus­zu­kommen. Es gibt tausend­unddrölf Kleinigkeiten, die alle irgendwie hilfreich wären – aber bei der Sorte Stress, von der ich geschrieben habe, wäre das, als wenn du mit einer Wasserpistole einen Großbrand bekämpfst.

Meine heutigen Ideen sind groß. Wenn sich mein erster Vorschlag für dich zu groß anfühlt, kannst du ihn immer noch für dich anpassen. Aber denk daran: Es geht darum, wirksam zu löschen und nicht auf kleiner Flamme zu verbrennen.

Wenn’s brennt: Erst mal raus!

Wenn dein Stress dich nicht mehr „runterkommen” lässt, dann ist es allerhöchste Zeit für einen Ortswechsel. Fahr in Urlaub – so lang und so weit wie möglich. Und wenn du jetzt sagst, dass das völlig undenkbar ist, weil du dir keinen Urlaub verdient hast und weil du nicht für einige Tage wegkannst, bevor alles erledigt und jedes Problem gelöst ist, dann hast du einen Tapetenwechsel WIRKLICH dringend nötig.

An einen völlig anderen Ort zu reisen ist für mich die allerbeste Methode, um das Denken aus den eingefahrenen Bahnen zu bringen. Weil woanders die üblichen Gewohnheiten einfach nicht „funktionieren”. Und plötzlich kannst du sehen, wo es im Alltag hakt und vor allem: Dass es andere Möglichkeiten gibt.

Vor Jahren, als ich vor völlig im Stress-Denken untergegangen war, machte ich mit Freunden eine Reise nach Neuseeland. Ich allein wäre aus lauter „ich kann jetzt nicht weg” und „ich muss vorher noch” und „ich darf doch keine sieben Wochen im Job fehlen” ganz sicher nirgendwo hingefahren, aber meine Freunde waren sehr überzeugend. Und da wir lange im Voraus geplant und gebucht hatten, gab’s am Ende kein Zurück mehr.

Wir flogen also um die halbe Welt und kamen an Orte, an denen alles anders war als in meinem Alltag. Die Autos fuhren auf der falschen Seite, die Sonne stand mittags im Norden, wir liefen durch Urwälder voller riesiger Farne, hörten fremde Vogelstimmen und trafen am Meer auf Pinguine…

Keine Chance, im Autopilot-Modus weiter zu laufen. Und doch brauchte ich zehn Tage, bis der Stress so weit nachlies, dass ich merkte: Ich bin im Urlaub.

Und es dauerte nochmal Tage, bis ich „im grünen Bereich” ankam und wirklich selber wieder in der Lage war, gut für mich zu sorgen.

Erfreulicherweise dauerte die Neuseeland-Reise mehr als sechs Wochen. Mein Stress-Botenstoff-Chaos im Körper hatte also Zeit, sich wirklich aufzulösen. Ich hatte Zeit, zu erleben, wie es sich anfühlt, „normal” mit den kleinen nervigen Alltagsdingen (die auch bei einer Reise unvermeidbar dazugehören) konfrontiert zu sein, ohne dabei sofort wieder in die Stress-Alarmzone zu rutschen.

Für mich ist seither klar, dass ich regelmäßig aus dem Alltag raus muss – und zwar genau dann, wenn ich fest davon überzeugt bin, dass das jetzt völlig unmöglich ist. Denn dann bin ich mal wieder im Dauerstress gelandet.

Es muss ja nicht das Ende der Welt sein

Ich höre schon, wie du jetzt sagst: Sechs Wochen Neuseeland – die spinnt ja!

Dazu kann ich nur sagen: Denk so groß wie möglich. Denn die meisten Ideen schrumpfen ganz von selbst, wenn es an die Realisierung geht.

Wenn du einen Urlaub planst, dann plane mindestens zwei Wochen an einem Ort, der dich deutlich aus deinem Alltagsleben herausreißt und es dir nicht zu „bequem” macht.

Das kann, muss aber nicht unbedingt eine Fernreise sein. Ich finde beispielsweise die Insel Hiddensee herrlich „anders”, Wandern in den Alpen bringt mich zugleich in Bewegung und zur Ruhe, und Lanzarote ist für mich der Inbegriff von Entschleunigung.

Unter Umständen hast du auch die Möglichkeit, auf eine Kur/Reha zu gehen. Das ist eine hervorragende Möglichkeit, Abstand zum Alltag zu kriegen und zugleich von Profis wieder fit gemacht zu werden.

Eine Gelegenheit, die ich persönlich sehr gerne mag, sind längere Seminare, für die ich an den Seminarort reise. Da habe ich einen Ortswechsel, eine ungewohnte Umgebung, treffe neue Leute, bekomme viel neuen Input für mein Gehirn und neue Ideen für meinen Alltag.
Wahrscheinlich sind Seminare nicht dein Ding – und doch könntest du auch mal in diese Richtung kucken, ob es für dich eine passende Idee gibt…

Feuermelder installieren

Ich habe lang gebraucht, um zu erkennen, dass ich meinen Stresslevel spüren kann, wenn ich noch „im grünen Bereich” bin. Ich weiß, wie es sich anfühlt, entspannt zu sein. Und wenn dann mehr Stress entsteht, als gut für mich ist, dann kommt bei mir der Gedanke „Ich hab Angst” und ein diffuses Gefühl von Überforderung auf.

Lange Zeit habe ich das ignoriert, weil ich schließlich nicht bei jeder Kleinigkeit Rücksicht auf irgendein diffuses Gefühl nehmen kann. Dummerweise meldet sich das ungute Gefühl aber nur ganz zu Anfang.

Sobald der Stress ansteigt, geht dieser leise Hinweis unter und der nächste bewusste Gedanke ist bei mir: „Ich kann nicht mehr.” Dann brennt es bereits lichterloh und das Gehirn hat den Botenstoff-Alarm längst ausgelöst.

Ich versuche, mein Überforderungs-Vorwarn-Gefühl ernst zu nehmen. Das gelingt mir noch längst nicht immer. Und doch werde ich immer besser darin, auf mich selbst aufzupassen und mein Leben insgesamt zu entstressen.

Regelmäßige Rettungsübungen, wenn’s nicht brennt

Ich habe schon allerlei Entspannungsmethoden ausprobiert, gelernt, eine Weile gemacht…
Für mich waren alle ausnahmslos interessant und fast alle haben mir etwas gebracht. Viele von den Techniken sind aber für mich nicht so alltagstauglich und rücken deswegen ganz schnell in den Hintergrund, sobald mein Stress groß wird.

Nur ein paar von den vielen Methoden auf, die ich schon ausprobiert habe:

  • Progressive Muskelentspannung
  • Qi Gong
  • Yoga
  • Atemtechniken
  • Achtsamkeitsübungen
  • Pilates
  • Phantasiereise-CDs
  • EFT und andere „Klopftechniken”
  • Shiatsu und andere Methoden, die Energiebahnen im Körper beeinflussen
  • Massagen
  • Sauna
  • Hypnose-CDs
  • und einiges mehr…

Ich finde alle diese Übungen prima und mache sie sehr gerne, so lange mich der Stress nicht im Griff hat. Wenn aber schon Alarm ist, dann nervt mich eine aufwendige Körperübung noch zusätzlich. Und ganz sicher nehme ich mir dann keine Zeit mehr für Massagen oder Sauna.

Zur Zeit gefällt mir am besten eine Tiefenentspannung mit Hypnose als schnelle „Erste Hilfe“ – entweder von CD oder (seitdem ich kürzlich die Hypnose-Ausbildung gemacht habe) als Selbsthypnose. Damit komme ich in ganz kurzer Zeit spürbar „runter”.

 

Vielleicht kennst du ja bereits deine optimale Stress-Reduzierungs-Methode – ich freue mich über deine Erfahrungen damit. Und wenn du noch nicht fündig geworden bist, hast du vielleicht Lust, einen von meinen Vorschlägen auszuprobieren. Ich bin mir sicher, dass es für wirklich jeden eine geeignete Entstressungs-Methode gibt. Deine wartet bereits irgendwo auf dich…

 

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.

Deine
Christine Winter

 

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Christine,

    vielen Dank für die wundervollen Tipps und den ehrlichen Einblick in Deine Stresserfahrungen.
    Ich finde Ortswechsel auch immer super, um runterzukommen 🙂

    Alles Liebe
    Claudia

    • Ja, ein anderer Ort – selbst wenn er nicht soooo weit weg ist – verhilft dir zu einer anderen Sicht und ermöglicht dadurch Entspannung und Veränderung…

  2. Liebe Christine,
    Du schreibst mir von der Seele. Genau so fühlt es sich schon lange an,dieses Hamsterrad da sein,zu hetzten und der Zeit hinter zu laufen und doch nie anzukommen,oder zu erholen.Nun ist Weihnachten rum und ich bin trotzdem noch im hohen Stesslevel,obwohl ich seit einer Woche Urlaub habe.Wundern tut’s mich nicht,da ich mich trotzdem um alles kümmern muss,Kind,Haushalt u.s.w.Umsomehr tut es gut deine Zeile zu sehen und zu sehen,dass es einen Weg raus gibt,aus dem Stress.
    Lg
    Martina

    • Eine Woche Urlaub – noch dazu eine Woche, in der die Erwartungen vielleicht höher sind als irgendwann sonst im Jahr – ist sehr kurz, verglichen mit Monaten voller stressigem Alltag.

      Ich wünsche dir, dass du dir noch mehr Zeit nehmen kannst, Martina.
      Ideal wären mehrere Wochen, um wieder „in den grünen Bereich“ zu kommen. Und falls das nicht kurzfristig möglich ist: Finde eine Entspannung, die du dir ganz regelmäßig, am besten täglich gönnen kannst – und dann gönne sie dir wirklich konsequent.

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