Wie Phoenix aus der Asche…

Oder: Erst gescheitert, dann gescheiter. 🙂

Wie Phönix aus der AscheKennst du die Geschichte vom Phoenix?
Ich gebe zu, ich kannte sie nicht, als ich mich heute zum Schreiben hinsetzte und meine Überschrift lange anstarrte.

„Wie Phoenix aus der Asche“ – das ist ein geflügeltes Wort über ein geflügeltes Wesen. Aber jetzt möchte ich schon gerne mal wissen, was es eigentlich bedeutet…

 

Die Story von der Wiederkehr und Neugeburt eines großen Vogels ist uralt. Die prominenten Geschichtsschreiber der Griechen – man sagt, es war der Herodot – und der Römer – der ältere Plinius – haben die alte orientalische Geschichte aufgeschrieben. Ich mach es mal kurz und sage es so:

Es gibt da einen ziemlich großen Vogel. Der macht, was Vögel halt so machen: Er baut ein Nest und wartet auf sein Ei. Dumm nur, dass es die legebereiten Phoenix-Mädels nicht an jeder Ecke gibt – genau genommen sagt man, es gäbe überhaupt nur einen Phoenix. Einen männlichen Phoenix. Sowas ist ziemlich blöd für die Erhaltung der Spezies…

Und dann passiert, was für diese spezielle Sorte Vogel einfach zum Leben dazugehört. Das Nest fackelt ab. Der Phoenix wird zur Asche. Dumm gelaufen – jetzt könnte die Geschichte vorbei sein.

Das wäre ziemlich frustrierend. Da ist dieser große Vogel der einzige seiner Art… Und beim ersten Problemchen ist er auch schon der Geschichte…

Nun liegt da also die Asche vom einzigartigen Sagenvogel. Damit daraus eine sagenhafte Story wird, braucht es noch ein paar Spezial-Effekte. Du kennst Hollywood-Filme. Dann weißt du, dass eine gute Geschichte mehr als 90 Minuten dauern muss. Wenn eine Titanic mitspielt können es auch mehr als drei Stunden werden.

Vogel, Feuer, Asche, dramatische Musik…

Da bewegt sich was in der Asche. Irgendwas wurmt da noch drin herum – nennen wir es einen Wurm. (Vor Jahrhunderten war ja alles, was keiner genauen Spezies angehörte, der Einfachheit halber „Wurm“. Denk nur an den „Lind-Wurm“…) Es wurmt also irgendwas. Es ist noch nicht vorbei.

Aus dem Wurm wird ein Ei. Frag mich nicht, wie das geht. Frag meinetwegen Plinius oder Herodot oder irgendeinen anderen alt-römisch-griechischen Ornithologen. Jedenfalls wird, weil das Ei in kuschelig warmer Asche rumliegt, aus dem Ei ein neuer, junger Phoenix. Mit allem Drum und Dran und quietschgesund.

Er lebt mal entspannt so um die 1000 Jahre vor sich hin. Und danach passt er nicht auf, äschert erneut sein Nest und sich selber ein, wurmt sich ein wenig und schlüpft wiederum aus der Asche – jung und nagelneu für die nächsten 1000 Jahre.

Man sagt, er macht das nur so knappe hunderttausend Jahre lang. Danach ist er dann wirklich tot. Ist ja schon auch anstrengend, so ein wiederkehrendes Wiedergeborenwerden…

 

Ich sag mal: So ist das Leben.

(Es dauert für uns Menschen nur keine hunderttausend Jahre. Deswegen passiert in einem Menschenleben das Scheitern und Durchstarten im Zeitraffer.)

Du musst kein Phoenix sein, um dir manchmal gehörig den Kittel zu versengen. Und du musst dabei nicht sterben – auch wenn‘s dich schon ziemlich wurmt.

Was du wahrscheinlich schon musst, um dich für einen Neustart bereit zu machen, ist, dich für eine Weile in eine Art „Ei-Stadium“ zurückzuziehen. Kuschlig warm und von der Außenwelt abgeschlossen.

Im Idealfall ist das die Zeit, in der du dir darüber klar wirst, was eigentlich beim vorigen Versuch schief gegangen ist. Und was dein Anteil daran war, dass dir der Kittel brannte. Und was du daraus lernen kannst. Und wie du deine Federn sortieren wirst, bevor du wieder zum Flug ansetzt.

Das kann manchmal eine Weile dauern. Oder es kann recht kurz und komprimiert ablaufen. Aber wenn du neu durchstarten willst, dann solltest du vorher deine Situation möglichst insgesamt mal überprüfen – Pre-Flight-Check, sozusagen. 🙂

Dieser kleine Artikel ist für die ausführliche Checkliste zu kurz. Und da ich überhaupt nicht weiß, was du brauchst, um durchzustarten, wäre es auch Quatsch, wenn ich jetzt hier die universelle Fünf-Punkte-Liste für Phoenix-Starts notieren würde.

Weißt du was? Ich mach es trotzdem.

Pre-Flight-Phoenix-Check:

  1. Wo soll die Reise hingehen?
    Die nächste Reise ist immer die wichtigste – für die Startvorbereitungen spielt es keine große Rolle, wo du zuletzt warst, stimmt‘s?
  2. Wie ist der Gesamtzustand?
    Wenn du wie Phoenix durchstarten willst, ist es sehr relevant, dass alle Phoenix-Einzelteile gut gewartet und montiert sind. 🙂
  3. Was lässt sich optimieren?
    Wenn du da, wo du jetzt bist, nicht am Ziel oder am richtigen Ort gelandet bist, dann solltest du mal die Navigation überdenken…
  4. Wo wirst du auftanken, Proviant laden, die Navigation erneut überprüfen?
    Wenn die Reise länger dauert, brauchst du einen Überblick über die nächste Etappe und einen Punkt, an den sie dich führen soll.
  5. Hast du dir etwa zu viel aufgeladen?
    Zum Durchstarten darf der Phoenix nicht überladen sein. Klar, oder?
    Schau noch mal bei 1., wo die Reise hingehen soll.
    Und schau bei 4., wo die erste Etappe (!) endet.
    Dann kannst du noch 2. berücksichtigen und gegebenfalls bei 3. nachjustieren.
    Und wenn alles passt und alles Nötige an Bord ist, während alles Unnötige am Boden bleibt, dann gibst du dir die Starterlaubnis.

Erlaubst du dir Phasen, in denen von Höhenflug keine Rede sein kann?
Und nutzt du die Zeiten „am Boden“, um dich für den Weiterflug vorzubereiten?

Wie nutzt du das Scheitern für deine persönliche Entwicklung?
Ich freue mich über Ideen in den Kommentaren.

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine
Christine

 

PS: Ich hätte da noch einen Soundtrack für den Abspann. 😉
Wenn du schon aus der Asche aufsteigst, dann doch bitteschön mit dem passenden Song…

 

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