Lass uns über Werte reden…

Lass uns über Werte reden...Hmmm… Werte???
Darüber liest man öfter was. Meistens im Zusammenhang mit irgendwelchen gesellschaftlichen Problemen. Und meistens mit dem Fazit, dass es früher viel besser gewesen ist, als „die Werte noch gelebt wurden“.

Das klingt ein bisschen so, als würden wir immer Wert-loser leben…

Natürlich sind gesellschaftliche Werte diskussionswürdig – schließlich gestalten sie ganz entscheidend das Umfeld, in dem wir leben. Für dich und mich noch viel entscheidender sind allerdings unsere ganz persönlichen Werte, denn die können wir – anders als die Werte in der großen weiten Welt – nicht links liegen lassen. Sie lenken uns ständig. Und dabei sind sie uns größtenteils nicht einmal bewusst.

Was sind denn eigentlich „Werte“?

Werte sind Worte.
Werte sind Umschreibungen für die Kriterien, die wir zur Beurteilung von Handlungen haben.
(Ui, gleich drei „ung-Endungen“ in einem Satz. Vielleicht erkläre ich es besser mit einem Beispiel…)

Mal angenommen, mir wäre der Wert „Freiheit“ wichtig.
Dann fragst du jetzt völlig zu recht, was ich eigentlich unter „Freiheit“ verstehe. Denn der Begriff ist recht allgemein und es ist sehr wahrscheinlich, dass du etwas ganz anderes darunter verstehst als ich.
Für mich bedeutet „Freiheit“ zum Beispiel, dass ich selbst entscheide, wie ich meinen Tag gestalte.
Für jemand anderen, beispielsweise einen Strafgefangenen, einen Fallschirmspringer, einen Bootsflüchtling, einen Friedensaktivisten, einen Bergsteiger bedeutet „Freiheit“ etwas anderes. Und auch für dich bedeutet „Freiheit“ garantiert etwas anderes als für mich.
Der Begriff, den ich für meinen Wert wähle, hat also eine ganz individuelle Bedeutung. Vielleicht ist das, was ich „Freiheit“ nenne, für dich eher „Individualität“ oder „Unabhängigkeit“ oder „Selbständigkeit“…

Für mich steht „Freiheit“ als Überbegriff für eine Reihe von Details, an denen ich fest mache, ob etwas gut oder schlecht ist.

  • Ich mag es beispielsweise, wenn ich ganz wenige Punkte auf der heutigen ToDo-Liste stehen habe, weil ich dann spontan noch ganz viele weitere Ideen verwirklichen kann.
    (Sag jetzt nicht, dass das nicht „Freiheit“ ist. Für mich schon!)
  • Ich mag es auch, hoch oben auf einem Berg zu sitzen und die Welt unter mir zu betrachten. Das ist DAS Gefühl von Freiheit schlechthin!
  • Ich mag die Freiheit, meine Gedanken aufzuschreiben, und dabei zu wissen, dass du sie liest.

Dieser eine Wert lenkt mich schon ziemlich bei meinen tagtäglichen Entscheidungen. Will ich lieber in der Küche oder auf dem Balkon frühstücken? Mache ich einen Tagesausflug ins Museum oder in die Berge? Will ich alle Aufgaben für diese Woche als Termine im Voraus in den Kalender eintragen? Will ich meinen Urlaub als Pauschalurlauber verbringen oder nur spontan einen Flug irgendwohin buchen?

Und ich habe natürlich noch mehr Werte, die sich auf alle Entscheidungen auswirken: Authentizität, Wissens-Lust, Empathie, Genauigkeit (oder Perfektionismus?), Lebensfreude, …

Alle meine Werte zusammen – das sind noch ein paar mehr – sind dafür zuständig, dass ich jederzeit „aus dem Bauch heraus“ weiß, was ich mag und was nicht. Und was ich schön finde oder doof. Und was stimmt oder nicht stimmt. Und was „man tut“ oder nicht.

Denn an meinen Werten messe ich mein eigenes Verhalten. Ich be-werte aber auch das Verhalten von anderen anhand von meinen eigenen Standards. Und ich be-werte, was in der Welt so passiert.

Es ist also völliger Quatsch, wenn du irgendwo liest, dass „die Gesellschaft“ weniger Werte hat als früher. Ich würde eher sagen, dass die Menschen mehr unterschiedliche Werte haben – und deswegen kann man sie nicht mehr so einfach auf einen Nenner bringen. Aber vor allem kann man die Werte, die man im Moment lebt, ganz schlecht selbst erkennen, weil sie „einfach dazugehören“. Das gilt für dich persönlich und auch für die gesellschaftlichen Entwicklungen…

Deine Werte gestalten dein Leben

Du hast deine individuellen Werte. Und vielleicht überlegst du dir gerade, wie sie heißen und welche ganz persönliche Bedeutung du ihnen gibst…

Das ist eine gute Idee, denn deine Werte lenken dein Verhalten, ohne dass es dir bewusst ist. Wenn dir „Sicherheit“ wichtig ist, verhältst du dich mit Sicherheit 😉 anders, als wenn du „Abenteuerlust“ lebst. Und „Harmonie“ wirkt sich anders auf deine Handlungen aus als „Individualität“.

Du siehst die Welt, wie du sie be-wertest

Deine Werte entscheiden nicht nur, was du tust, sondern sie sind auch die Grundlage für deine Bewertung der Ergebnisse. Wenn du „Perfektion“ brauchst, hat ein Text mit sieben Rechtschreibfehlern eine andere Bedeutung für dich als wenn du „Kreativität“ lebst. Die gleiche Lebensweise kann gut oder schlecht sein, je nachdem, ob sie nach dem Aspekt „Sicherheit“ bewertet wird oder ob du „Unabhängigkeit“ als Maßstab nimmst.

Werte lenken Deine Entscheidungen

Und mehr noch: Deine ganz persönlichen Werte und die Bedeutungen, die du ihnen gibst, entscheiden darüber, welche (unbewussten) Ziele du für dein Leben hast. Ganz insgeheim läuft immer die Frage im Hintergrund: „Was MUSS sein, damit meine Werte erfüllt sind?“
Wenn du deine Werte lebst, dann bist du automatisch motiviert. (Und womöglich fragst du dich gerade, für was du motiviert bist, wenn Sicherheit ein wichtiger Wert für dich ist…?)

Deine Werte entscheiden auch darüber, ob du eine Veränderung hinkriegst oder nicht. Etwas, das nicht zu deinen Werten passt, funktioniert für dich nicht (oder nur für kurze Zeit mit enormer Willensanstrengung). Es „platzt“, sobald wichtige Werte von dir dagegen sprechen.

Das ist wichtig: Deine Werte bestimmen entscheidend, ob eine gewünschte Veränderung funktioniert oder nicht!

Meine Werte, deine Werte

Du wendest ganz unwillkürlich deine Werte auf das Verhalten von anderen Leuten an. Ich auch. Jeder macht das.
Wir messen die Menschen, die uns über den Weg laufen, an unseren ganz persönlichen (Wert-)Maßstäben. Und anhand unserer eigenen Begriffe bilden wir uns ein Urteil…

Vielleicht möchtest du ja mit der Zeit dem Wert „Toleranz“ mehr Raum geben und anderen Leuten einfach ihre anderen Werte lassen. Denn selbst, wenn du und ich und Hinz und Kunz „Sicherheit“ brauchen, braucht doch jeder von uns etwas völlig Unterschiedliches.

Werte sind nicht verhandelbar

Du kannst niemandem seine Werte und die Bedeutung, die er ihnen gibt, wegdiskutieren. Es hat keinen Sinn, mit mir darüber zu streiten, ob meine Form von „Perfektion“ richtig oder falsch ist – weil es MEINE ist. Es hat keinen Sinn, deinen Nachbarn anzufeinden, weil er einen anderen Begriff von „Ruhe“ hat als du.
Ja, es hat auch keinen Sinn, dich selbst zu beschuldigen und verurteilen für die Werte, die du hast. Sie sind da, sie gehören zu dir, sie sind enorm wichtig für dein Leben – und du wirst sie nicht mal eben schnell los.

Du kannst sie allerdings besser kennenlernen. Im nächsten Beitrag bekommst du ein paar Anregungen von mir, wie du deine Werte entdecken kannst.

Bis dahin:
Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine
Christine Winter

 

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