Jetzt durchstarten – Teil 2

Treppe

Die Frage, die beim Durchstarten immer übersehen wird, ist:
Wo stehe ich?

Das wäre dann so, als ob ein Flugkapitän erst mal abhebt und dann mit seinem Airbus eine Runde dreht, weil er von oben kucken muss, wie der Flughafen ausschaut. Sonst weiß er nicht, wo er losgeflogen ist – und folglich hat er auch keine Ahnung, welche Richtung er nehmen will…

Sollte es tatsächlich einen Piloten geben, der derart planlos losfliegen wollen würde, dann müsste er die ganze Navigation „on the fly“ erledigen. Und ich hoffe sehr, dass sein Airbus für so einen Flug keine Starterlaubnis kriegt… 🙂

Damit auch du nicht „on the fly“ – also wenn du schon mittendrin bist – den Ausgangspunkt deiner Navigation suchen musst, ging es in Teil 1 dieser kleinen Artikelserie um die Frage „Wo stehe ich?“

Und falls du nicht schon mindestens einen „Gedanken-Parkplatz“ angelegt hast, solltest du nochmal zurück zu Teil 1 gehen, bevor wir weitermachen…

Wo will ich hin?

1. Lass den Autopilot ans Steuer

Wenn du deinen „Gedanken-Parkplatz“ angelegt und alle deine kreisenden Gedanken dort geparkt hast, dann hast du schon eine ordentliche Portion Überblick bekommen.

Die meisten notierten Sachen sind wahrscheinlich eher kurzfristig. Nicht wenige davon sind vermutlich entweder konkrete Termine oder Aufgaben, die zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig sein müssen. Manche sind eventuell bereits verdammt dringend.

Um mal bei meinem Bild vom planlosen Flugkapitän zu bleiben:

Jetzt durchstartenDu hast ein relativ deutliches Bild von allem, was rund um deinen Startplatz ist.

Deine Checkliste für Sachen, die du vor dem Flug erledigen musst, ist richtig ausführlich. Nur woher wirst du wissen, wohin es gehen soll, wenn du beim Abheben plötzlich über den Wolken bist und nicht mehr „auf Sicht“ fliegst?

Ich denke, dass du für diesen Flug einigermaßen konkrete Koordinaten brauchst, auf die du dich zubewegst, bis du in der Nähe des Zieles angelangt bist und wieder auf die Details schaust, um eine perfekte, handgesteuerte Landung hinzulegen, bei der du wieder alle Kleinigkeiten im Blick hast.

Denn kein Flugkapitän käme bei einem Langstreckenflug auf die Idee, den Autopilot auszuschalten und die ganze Zeit unter den Wolken zu kucken, wo er gerade lang fliegt.

Langer Rede kurzer Sinn: Du brauchst die Koordinaten für dein Ziel. Für die Langstrecke – ich denke da an ein Ziel in mehreren Wochen, vielleicht sogar bis Weihnachten oder zum Jahreswechsel – musst du wissen:

  • Wohin?
  • Wohin genau?
  • Bis wann?
  • Mit welchen Co-Piloten?
  • Mit welchem Antrieb (Motivation)?
  • Reicht der Treibstoff? (Realistisch betrachtet – hast du die Energie für dieses Ziel? Wo und wie wirst du zwischendurch auftanken?)
  • Und – am allerwichtigsten – woran wirst du merken, dass du da bist?

2. Aus der Traum?

Wann immer ich mich so ganz genau auf mein Ziel festlegen muss, verliere ich vor lauter Realismus den Spaß daran. Denn ich bin eine leidenschaftliche (Tag-)Träumerin.

Wenn das für dich kein Thema ist, weil du eh lieber planst als träumst, dann kannst du die nächsten Absätze überspringen und bei 3. weiterlesen. Wenn du aber so ein leises Gefühl hast, das dir sagt: „Wenn ich so genau die Koordinaten für ein Ziel festlege, dann mag ich eigentlich gar nicht mehr starten…“
Wenn du also Motivation verlierst, während du konkret planst, dann lass dir von mir das Träumen nicht ausreden. 🙂

Plane deine Traum-Reise an dein Ziel.
Nimm ruhig die Fragen von 1. dazu nochmal her. Aber statt langweiliger Stichpunkte denkst du dir eine wilde Abenteuerreise oder eine gemütliche Phantasiereise aus. Was immer dir einfällt, passt. Je bunter und lustiger, desto besser.

Nimm einen fliegenden Teppich, der auf magische Weise weiß, wo es hingeht.
Oder beame dich in fremde Welten, die du erst noch erkunden möchtest.
Oder du lässt das mit dem Fliegen ganz bleiben und erkundest den Platz, an dem du gerade bist und an dem du es dir noch viel gemütlicher als bisher machen möchtest.

Finde deinen Traum. Und wenn er genau richtig ist, so mit allem Drum und Dran – und wenn du ein Ziel mit Farben, Gerüchen, dem Geräuschpegel ringsherum und einem wunderbaren Phantasiebild entwickelt hast… Wenn du also genau deine Traumszene gefunden hast, dann überlegst du dir, ob es für dieses Ziel auch in der Realität „Koordinaten“ gibt, nach denen du dich richten kannst, wenn du deinem Traum näher kommen willst.

(Und wenn diese ganze Träumerei nichts für dich ist, dann werden wir jetzt wieder konkret. Und zwar flott!)

3. Gedanken-Horizont

Ist dir schon mal aufgefallen, dass du an sehr ferne Ziele anders denkst als an ganz kurzfristige Pläne?

Alles, was du innerhalb der nächsten paar Tage zu tun hast oder gerne machen würdest, ist sehr konkret – richtig greifbar. Du hast einen guten Überblick und kannst dir schon vorstellen, wie du die Aufgabe angehen wirst (oder mit welcher Ausrede du sie nochmal aufschieben kannst).

Wenn dagegen eine Tätigkeit zwei oder drei Wochen in der Zukunft auf dich wartet, dann ist sie weitaus weniger konkret und greifbar. Das ist auch gut so – es hilft dir, bei den aktuellen Sachen konzentriert zu bleiben und die noch nicht relevanten Aufgaben auszublenden, bis sie dran sind. (Vielleicht erinnerst du dich an Teil 1. Da solltest du diese noch nicht aktuellen Stichpunkte von deiner Gedanken-Parkplatz-Liste streichen. Und ich hatte dir versprochen, dass sie wieder da sein werden – und zwar klarer als zuvor -, wenn es Zeit für sie wird.)
Der Speicherplatz für aktuelle Sachen in deinem Hirn ist nämlich sehr begrenzt. Mehr als zehn Aufgaben gleichzeitig im Blick zu behalten ist eine Überforderung, die du dir ersparen kannst.

Was nicht innerhalb der nächsten paar Tage relevant ist, ist noch hinter dem Gedanken-Horizont.
Und um bei meinem Beispiel vom Piloten, der in Richtung Ziel fliegt, zu bleiben: Es taucht dann am Horizont wieder auf, wenn du ihm näher kommst. Und es wird größer und konkreter, je näher du dran bist.

Für das Ziel (siehe 1.) oder dem Traum (siehe 2.) heißt das: Mach dir ein großes, buntes und detailliertes Bild davon. Es soll auch dann noch anziehend für dich sein, wenn es für’s Erste hinter dem Horizont verschwindet – denn es ist dein ganz persönlicher Horizont, und du wirst die ganze Zeit wissen, dass dein Ziel dahinter auf dich wartet. Dann navigierst du grob in diese Richtung, bis es am Horizont auftaucht. Und erst von da ab fliegst du „auf Sicht“ darauf zu und kümmerst dich um die ganzen Details, die dann bedeutsam werden.

4. Wer war schon mal da, wo du hin willst?

Wenn du zu einem neuen Ziel abhebst, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass du noch nicht alles darüber weißt, was du gerne auf dem Weg wissen würdest.

Dann ist es beruhigend, jemanden zu kennen, der schon mal an deinem Ziel war. Das kann ein realer Bekannter sein, der dir erzählt, wie er den Weg zu deinem Ziel (oder zu einem Ziel, das du mit deinem vergleichen kannst) zurückgelegt hat und wie es dann war, als er da war.

Es kann aber auch eine Romanfigur, ein Held in einem Film, eine prominente Persönlichkeit oder sogar eine komplett ausgedachte Person sein, die als Ratgeber aktiv wird. Wenn du also niemanden „in Echt“ fragen möchtest, ob er seine Erfahrungen mit dir im Gespräch teilt, dann finde ein „fiktives“ Vorbild, das dir Infos über dein Ziel geben kann. Du musst nicht alleine reisen – lass deine Phantasie oder deine Problemlösungskreativität spielen…

5. Was muss, darf, soll als nächstes passieren?

Über den Wolken – also fast die ganze Zeit zwischen Abheben und Landen – ist es gar nicht so leicht, zu navigieren.
Es sieht dort oben so aus, als ob man überhaupt nicht vorankäme. Und trotzdem ist es ganz wichtig, den Überblick über die kleinen Aktivitäten zu behalten, die für einen guten Flug und eine gute Navigation nun mal sein müssen. Glaube mir, du bewegst dich auf dein Ziel ganz automatisch zu, sobald du weißt, wo du hin willst. Ein anziehendes Ziel schaltet dich automatisch „auf Autopilot“. 🙂

Und das Auftanken nicht vergessen! Das Proviant reicht auch nicht ewig. Das solltest du schon bei der Planung deiner Reiseroute berücksichtigen.
Im Klartext: Sorge gut für dich, während du dein Ziel im Blick hast!

 

Gerade jetzt im letzten Jahresdrittel entsteht manchmal ein gefühlter Zeitdruck, der keine reale Ursache hat. Denn, mal ehrlich, dass im Januar eine neue Jahreszahl anfängt, sollte niemandem Stress machen. (Von Bilanzbuchhaltern mal abgesehen…)

Tu dir gut.
Und sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine
Christine

PS: Im dritten Teil dieser Artikelserie sehen wir uns nochmal ganz genau an, wie du da hin kommen wirst, wo du hin willst.

 

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