Ist die Komfortzone dein Gefängnis?

Gefängnis - KomfortzoneAls ich über die These „Die Komfortzone – ein Gefängnis“ gestolpert bin, war ich erst mal verdutzt.
Denn meine Komfortzone ist für mich Freiraum und Spiel-Raum.

Ich musste tatsächlich erst einmal kurz nachdenken, was ich mir eigentlich unter einem Gefängnis vorstelle – um dann zu überlegen, was das mit meinem Verständnis von einer Komfortzone zu tun haben könnte…

Gefängnis – ein Raum, der einschließt und ausschließt

So ein Gefängnis kann man aus mehreren Perspektiven betrachten:

  • Da gibt es den Menschen, der eingeschlossen ist und seine Bewegungsfreiheit eingebüßt hat. Er hatte sich zuvor schuldig gemacht – deswegen wurde ihm von einem Richter die Freiheit genommen. Nun ist er ein „Insasse“ und andere Menschen bestimmen über seinen Alltag und seine Rechte.
  • Dann gibt es die Menschen, die das Gefängnis von außen mit einer gewissen Unsicherheit betrachten – einerseits fühlt man sich unwohl wegen der eingesperrten Menschen da drinnen, andererseits macht es auch neugierig oder betroffen (oder eine Mischung verschiedenster Gefühle).
  • Es gibt auch die, die im Gefängnis ein- und ausgehen. Menschen, die dort eine Aufgabe haben oder zu Besuch kommen. Und für die es ganz normal ist, dass sich Türen und Gitter vor und hinter ihnen öffnen und schließen.

Ein Gefängnis wird im Allgemeinen als freiheitsentziehende Einrichtung betrachtet, die die Menschen draußen vor den Menschen drinnen schützt.

Gibt es eigentlich einen Ort, an dem man sich sicherer und zuverlässiger versorgt fühlen kann als in einem (mitteleuropäischen) Gefängnis?

Komfortzone – ein Denkmodell, das ein- oder ausschließt

Wenn ich mich mit Menschen über ihr Bild von der eigenen Komfortzone unterhalte, dann ist es immer sehr wichtig, dass dieser geschützte Raum da sein darf. Abgeschlossen vom Außen – und sicher genug, dass niemand unbefugt eindringen kann.

Wenn ich solche Komfortzonen-Bilder gezeigt bzw. erzählt bekomme, dann freue ich mich – denn dann sorgt jemand dafür, sich Raum zu nehmen und sich abzugrenzen.

Die Komfortzone ist ein Konzept in deinem Kopf. Sie ist ein Vorstellungsbild für den „Inneren Raum“, den du dir gibst und vor anderen schützt. Und daher entscheidest du allein, welche Funktion dein Komfortzone für dich haben soll. (Und wie‘s drinnen aussieht, nebenbei bemerkt.)

Du kannst gedanklich die Türe schließen und Gitter oder Zäune oder Mauern errichten – dann gibt es ein Drinnen und ein Draußen. Oder du kannst deinen gedanklichen Raum durchlässiger gestalten – und einen fließenden Übergang schaffen.

Und ich bin mir sicher, dass du für dich ganz persönliche Regeln aufgestellt hast, wann du drinnen bist und wie sich „dein Drinnen“ und „dein Draußen“ von einander unterscheiden.

Vermutlich hast du dir darüber bisher wenig Gedanken gemacht.
Dabei ist es höchst interessant, dir mal dein eigenes Bild von deiner Komfortzone und ihren Grenzen zu machen. Womöglich wirst du selbst überrascht sein…

Ein Gefängnis, das die anderen ausschließt, um dir Freiraum zu geben

Da ist also diese Komfortzone – und du kannst jederzeit rein. Du besitzt den Schlüssel, mit dem du die Welt draußen für eine Weile aussperren kannst und dich von der Welt abschließt, so lange es dir gefällt.

Du kannst natürlich aufsperren und rausgehen (oder rauskucken), wann immer es dir passt.

Es ist dein Rückzugsort.
Es ist der Platz für deine innere Freiheit.
Es ist enorm wichtig, einen solchen Erholungsraum für dich zu haben. Und ihn dir so einzurichten, dass du ihn wirklich magst.

Keine Angst. Du wirst nach draußen gehen, wenn es für dich passt. Ganz sicher.
Du wirst die Abwechslung und die kleine Aufregung oder auch eine große Herausforderung suchen, wenn du gut erholt in deiner Komfortzone langsam aber sicher anfängst, dich zu langweilen.

Ich hatte im Komfortzonenerweiterungs-Onlinekurs schon einige Gelegenheiten, Leute dabei zu begleiten, wenn sie entdecken, dass sie gerne rausgehen, nachdem sie sich drinnen einen schönen Wohlfühlbereich geschaffen hatten.

Ist so eine Erholungs- und Auftankzone ein Gefängnis?

Würde es für dich Sinn machen, das so zu betrachten?

Oder ist es völliger Quatsch, weil die Komfortzone ein gedankliches Konzept ist und sie dich daher in Wirklichkeit nicht gegen deinen Willen einschließen kann? Ein gedachtes Bild ist schließlich kein Gebäude aus Mauern und Gittern…

„Gefangen in der Komfortzone?“ fragt Ursula Maria Ruf in ihrer Blogparade auf ursula-maria-ruf.ch.

Meine Antwort darauf ist: Die Komfortzone ist für mich ein Raum, der mich vor Überforderung schützt und in den ich mich zurückziehe, wann immer es mir gut tut. Es darf dort so gemütlich sein, wie es mir gefällt. Und so geräumig, wie ich es mag. Und so schön, dass ich mich freue, wenn ich Zeit darin verbringen kann.

Denn Draußensein ist die Ausnahme. Draußen ist ein Ausflug. Draußen ist ein Abenteuer, das meinen Alltag abwechslungsreich macht – und das mir ein Gefühl von Freiheit vermittelt.

Wenn du Lust hast, weiter über meine Ideen zu lesen, wie es in einem „beruhigten Bereich“ wie der Komfortzone aussehen könnte, dann schau doch einfach in mein Büchlein „Mach dir Platz in deiner Komfortzone“ – direkt mit einem Klick zur PDF-Datei.

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine
Christine

 

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Vielleicht hat die Sichtweise von Komfortzone auch etwas mit Intro- und Extraversion zu tun?
    Obwohl – ich kenn das schon auch: dass ich die Komfortzone einerseits als einengend empfinde und andererseits gleichzeitig aus vielen verschiedenen Gründen Schwierigkeiten habe, aus ihr herauszutreten

    • Ich bin überzeugt davon, dass „eine introvertierte Komfortzone“ anders aussieht. Und ganz bestimmt ist sie für Introvertierte von sehr großer Bedeutung – denn sie ist der „innere Raum“, den man immer und überall als Rückzugsort bei sich hat.

      Mir kommt es so vor, als ob gerade die Extravertierten sich eine Komfortzone als Gefängnis vorstellen. Und deswegen wollen sie uns Intros dauernd „befreien“… 😉

  2. Vielen Dank für deinen Beitrag zu meiner Blog Parade. Danke auch für deine Meinung. Ich finde es interessant, wie unterschiedlich die Sichtweisen sein können.
    Natürlich macht sich jeder seine Komfortzone selbst und es kann und darf dort ruhig und gemütlich zugehen. Wie bei allem im Leben haben wir die freie Wahl zu entscheiden und ich denke es ist OK – wenn du sagst deine Komfortzone ist dein sicherer Hafen, dein Rückzugsort.
    Es ist genauso OK – wenn ich sage, für mich ist und war es hin und wieder wichtig meine Komfortzone zu verlassen. Wenn ich mit meiner Körperbehinderung nicht bewusst ständig meine Komfortzone verlassen würde, wäre mein Leben sehr trist, langweilig, vorprogrammiert usw. – dafür aber sicher und gemütlich. Sicherlich will ich keinen anderen Menschen der in diesem Raum glücklich, ist befreien – das kann ohnehin jeder nur selbst. Ich möchte zeigen, dass es möglich ist sie zu verlassen – in ein freieres, aktiveres, fröhlicheres Leben.

    • Ich finde es schön, wenn du aus deiner Komfortzone raus gehst und dadurch frei und glücklich bist, Ursula Maria. Dann ist die Komfortzone für dich kein Gefängnis. Und an dem Punkt sind wir uns – trotz unterschiedlicher Ansätze – glaube ich ganz einig:
      Wenn es um Komfortzonen geht, darf jeder jederzeit selbst wählen, rein und raus zu gehen. Und sich dabei wohlfühlen. 🙂

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