Fürchtest du die Einsamkeit an den Feiertagen?

Ich weiß, wie das ist.
Mehrere Jahre lang hatte ich die Erwartung, dass ich sehr unglücklich sein würde am Heiligen Abend, an den Weihnachtstagen und den Tagen bis zum Ende des Jahres. Ich bin davon ausgegangen, dass ich traurig wäre, wenn ich allein auf den Beginn des neuen Jahres warten würde.

Und tatsächlich – ich habe meine Erwartungen ein paar Jahre hintereinanderweg wahr gemacht.

Was bedeutet es, einsam zu sein?

Einsamkeit ist das Gefühl, dass das Leben mir vorenthält, was ich mir wünsche:

Ich möchte eine ganz und gar perfekte Person ganz für mich alleine zu haben, um eine perfekte Zeit mit ihr zu verbringen und mich genau deswegen eben nie wieder einsam fühlen zu müssen.
Nie wieder – die perfekte Person würde mich schließlich in diesem Leben nie wieder allein lassen.

Einsamkeit ist also, wenn dieser eine einzige perfekte Mensch nicht da ist – und wenn die ganze Aufmerksamkeit sich um diese unabänderliche Tatsache dreht. Stundenlang. Tagelang. Endlos lang…

Einsamkeit ist, wenn das Schöne im Leben nicht mehr erkennbar ist, weil die Person fehlt, die mir das Leben doch erst schön machen soll.

Einsamkeit ist ein ziemlich dunkles Gefühl. Es fühlt sich an, als würde sich etwas in mir drin immer tiefer in mein Leben bohren – und der Hohlraum, der dabei entsteht, saugt die Energie und Lebensfreude in sich hinein.

Das Ergebnis kommt einer Depression ziemlich nah. Es ist einfach keine Energie mehr da, um mich zu freuen. Und dadurch wird die Sicht auf die Welt ziemlich dunkel.

Ich habe mittlerweile keine Lust mehr, auf diese Weise die Feiertage zu verbringen.

Versteh mich nicht falsch – ich verbringe heute mehr Zeit allein, als in früheren Jahren. Ich mag Familienfeiern nicht sonderlich (und an Weihnachten finde ich sie noch anstrengender als sonst) und ich mag keine anstrengend-laute alkohol-getränkte Party an Silvester.
Denn ich bin gerne allein.

Und ich bin sehr zufrieden damit.

Was ist anders, wenn man allein ist, ohne sich einsam zu fühlen?

Es gibt kein hohles Gefühl in mir drin, wenn ich mich entscheide, Zeit allein zu verbringen.
Da ist kein schwarzes Loch in mir drin, das mir die Freude und Energie wegnimmt.

Ich mache die Dinge, die mir Freude machen. Ich mache MIR eine Freude.
Weil ich Zeit für mich habe.
Weil ich mir vornehme, es mir ganz besonders gut gehen zu lassen.
Weil ich die Absicht verfolge, genau das zu tun, was ich liebe. Und weil mir das ein Gefühl gibt, ganz besonders geliebt zu sein – von mir selbst.

Oh, das klingt so pathetisch, so übertrieben.
So meine ich es nicht.
Ich meine ganz schlicht: Der Mensch, der mein Leben schön macht, bin ich.

Oder anders ausgedrückt: Wenn jeder für sich selbst sorgt, ist für jeden gesorgt.

Ich müsste auch gar nicht alleine sein an den Feiertagen. Ich habe Freunde, Bekannte, Verwandte, Eltern… Die erwarten von mir sogar, dass ich mit ihnen feiere – und ich nehme trotzdem schon seit Jahren nur noch eine einzige Einladung an.
Ich entscheide mich, dieses eine weihnachtliche Essen zu genießen. Also nicht nur das Essen, sondern auch die Menschen, die ich besuche. Ich möchte eine schöne Zeit mit ihnen verbringen – aber ich erwarte nichts von ihnen.

Was hilft gegen das Gefühl, einsam zu sein?

Einsamkeit entsteht NICHT aus allein-sein.
Und deshalb ändert es auch nichts an dem einsamen Gefühl, wenn irgendwelche andere Menschen anwesend sind.

Einsamkeit entsteht aus der Überzeugung, dass auf der ganzen Welt kein Mensch existiert, der immer für dich da ist.

Und das stimmt.
Es gibt da draußen keinen, der dein Leben lang garantiert immer genau so für dich sorgt, wie du es gerade nötig hast.

Jedenfalls nicht, solange du an der falschen Stelle suchst.

Der Mensch, der in der Lage ist, dein Leben schön zu machen, bist du.
Der Mensch, der alle deine Gefühle beeinflussen kann, bist du.
Der Mensch, der dich mehr als irgendjemand sonst lieben kann, bist du.

„Das kann ich nicht“, sagst du?
„Das fühlt sich so falsch an.“

Ja, ich weiß.

Was hilft gegen den Wunsch, nicht länger allein zu sein?

Kontakt.

Wenn die Sehnsucht nach einem anderen Menschen da ist, hilft nur, einem anderen Menschen zu begegnen – und zu spüren, wie man von diesen Menschen wahrgenommen wird.

Und hier kommt die gute Nachricht: Du musst nicht auf Mister oder Miss Perfect warten oder auf rettende Engel, Ritter mit schimmernder Rüstung auf weißem Pferd, Drachentöter, Märchenprinzessinnen…

Du brauchst genau einen Menschen, dem du ein wenig von dir und deinen Gefühlen preisgibst und der dir das Gefühl zurückgibt, dich und deine Geschichte mit seiner ganzen Aufmerksamkeit wahrzunehmen.

Jetzt kommt allerdings der Knackpunkt: Du triffst diesen Menschen nur, wenn du „in Vorleistung gehst“ und offen auf jemanden zugehst – und zwar ohne vorherige Garantie, dass du dadurch bekommen wirst, was du dir wünschst.

Ich weiß, dass das unendlich schwer fällt.

Und ich möchte es dir leicht machen.

Erzähl mir FB

Hier ist meine Idee für dich:

Erzähl mir eine Geschichte!

Schreib mir eine komplett von dir selbst ausgedachte Geschichte, wann immer du das Gefühl hast, Kontakt zu brauchen.

Schreib, was immer dir in den Sinn kommt. Je spontaner, desto besser. Erfinde Märchen mit Rittern in verbeulter Blechmontur, Fabeln mit sprechenden Quastenflossern, Fantasy von Außerirdischen auf Erd-Ausflug oder Geschichten von Katzen und Weihnachtsbäumen…
Was immer dir einfällt – ich freue mich, es zu lesen.

Die einzige Bedingung um mitzumachen ist:
Deine Geschichte muss komplett von dir ERFUNDEN sein.

Maile mir deine Geschichte:
christine(ät)stille-staerken.de
Niemand außer mir wird lesen, was du mir schreibst. Garantiert.
Und natürlich schreibe ich innerhalb eines Tages zurück. Garantiert.

Ich bin soooo gespannt auf deine Erzähl-Ideen.

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Und mach‘ dir schöne Feiertage.
Deine
Christine

 

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Christine,

    wie immer ein interessanter Beitrag. Ich lese hier erst seit kurzem mit und bin eher durch Zufall auf deine Seite gestoßen. Ich war früher sehr schüchtern/introvertiert und mag es heute immer noch, meinen eigenen Gedanken nachzuhängen und mal die Seele alleine baumeln zu lassen – ich habe eine Zwillingsschwester, die das genau Gegenteil von mir ist, die also gerne und viel redet. Somit ist das nicht immer so einfach. Vielleicht genieße ich gerade deshalb hin und wieder auch die Ruhe und das in sich gekehrt sein. Deinen Post zum Thema Alleinsein/Einsamkeit finde ich klasse, da ich deine Gedanken/Gefühle sehr gut nachvollziehen kann. Komischerweise fühlte ich mich früher oft in der Gegenwart von anderen Menschen eher einsam und alleine weniger allein, weil ich dann einfach ich selbst sein konnte – ohne den (gedachten oder angedeuteten „Du bist immer so ruhig“) Erwartungsdruck der anderen. Inzwischen bin ich da entspannter und kann das Zuhören und Reden gleichermaßen genießen. Dir wünsche ich ein frohes und besinnliches Fest. Ich freue mich auf weitere Beiträge von dir und finde es toll, dass du deine Gedanken so offen und (sprachlich sehr) anschaulich mit anderen teilst. 🙂

    Viele Grüße
    Doreen

    • Liebe Doreen,
      mir ist auch oft aufgefallen, dass das Gefühl von Einsamkeit überhaupt nicht damit zusammenhängt, ob Menschen um mich herum sind oder nicht.
      Es ist vielleicht leichter, sich selbst von seinen Emotionen abzulenken, wenn man unter Leuten ist.
      Auch dir ein frohes, oder noch besser: ein fröhliches Fest.

  2. Liebe Christine,
    heute am 3. Weihnachtstag lese ich deinen Brief und genieße deine Beschreibung von Einsamkeit und Weihnachtssehnsucht.
    Ja, ich kann erkennen, wie sehr du diese Tage und deren Bedeutung für dich studiert, erkundet und ausgelotet hast.
    Ich bin sogar sicher, dass es ein halbes Leben dauert, wirklich Weihnachten feiern zu lernen. Es braucht viele verschiedene Erfahungen, um für sich selbst die Weise herauszufinden, die mir entspricht und die ich mag.
    Und dann wieder davon frei machen, dass jedes Jahr so ablaufen müßte, wie ich es einmal als angenehm erfahren habe.
    Das kommt noch hinzu, dass es diese Traditionen gibt, so und nicht anders muß Weihnachten sein…….diese traditionellen Zwänge machen es noch schwerer.

    Ich habe mir in den letzen Jahren zu jedem Weihnachtsfest die Zeit genommen, die Weihnachtsbotschaft zu erfassen und es ist jedes Jahr anders.

    Das Geheimnis von Weihnachten zu ergründen braucht viele verschiedene Weihnachten und ist immer wieder neu, von Jahr zu Jahr.

    Ich danke dir für deinen liebevollen und lebenszugewandten Text

    und wünsche dir noch angenehme friedliche und reiche Tage

    herzlichst Gabriele

    • „…dass es ein halbes Leben dauert, wirklich Weihnachten feiern zu lernen…“
      Ja, das mag sein. Dieses Fest der Feste ist einfach soooo bedeutungsschwer, so voller Tiefe und Symbolik (und einiger Untiefen).
      Es ist nicht leicht, daraus etwas ganz Eigenes zu formen, ohne dabei auf schlechte Gefühle zu treffen. Und doch komme ich, glaub‘ ich, dem eigentlichen Charakter der Feiertage näher, seit ich mir erlaube, sie auf meine Weise zu verbringen.
      Heute denke ich, dass Weihnachten davon handelt, Licht in die Welt zu tragen – und zwar nicht nur, wenn Feiertage sind.

      Ganz lieben Dank, Gabriele, für deine Gedanken und deine guten Wünsche. 🙂

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