Gastbeitrag zur Blogparade: Eine Flugstunde

Blogparade auf Stille-Stärken.de
Frauke Schreiner hat sich durch die Blogparade „Komfortzone verlassen? Oder lieber doch nicht?!“ zu einer Geschichte inspirieren lassen und dazu ganz wunderbare Illustrationen gemalt.

Frauke ist (noch) keine Bloggerin und nutzt daher mein Angebot, ihre Coaching-Geschichte als Gast im Stille-Stärken-Blog zu veröffentlichen.


Auf Lehrerheld.com, einer Plattform für Unterrichtsmaterialien, bietet Frauke Illustrationen für Lehrer an.
Selbst von ihr gemalte Unikate – Karten und Auftragsbilder – kann man bei ARTigDeko.com finden.

Flugstunde

Das Grummeln im Magen ist eindeutig… Wie ich das kenne!!

Ich komme an die Häuserecke, – und tatsächlich! Post für mich! Riesig stehen sie da, die Pakete.

Illustration von Frauke Schreiner

(c) Frauke Schreiner

Was ist da schon wieder drin? Sind die etwa alle für mich?

Mein Instinkt will, dass ich lieber hinter der Ecke bleibe, in sicherer Deckung.

Dort bin ich auch ein bisschen vor dem Wind geschützt, der noch stärker pfeift, sobald ich mich einen Schritt vor wage. Mein winddichter Anorak scheint mir jetzt ein bisschen zu „windig“ und wie aus dem Nichts tauchen die Bilder der Doku wieder auf: Pinguine in Bildschirm füllender Größe. Die Wimpern, vom Eiswind verklebt. So widerstehen sie der lebensfeindlichen Witterung, ihr Ei auf den Füßen tragend… Wie angewurzelt verharre ich genau wie dieser beklagenswerte Pinguin und kneife die Augen zusammen.

Die Päckchen stehen noch da, und ich erkenne verärgert den Namen auf dem einzigen länglichen Paket: Mein Name!

Die plötzliche Eingebung, die mich erinnert, dass zu Hause eine heiße Tasse Tee auf mich wartet, ist in diesem Augenblick keine wirkliche Unterstützung…

Eine Mischung aus pinguinöser Hingabe, Neugier und Mut übermannt mich jetzt. Auch dieses Gefühl ist mir vertraut.

Ein Paketdings… es steht da, und ist für mich bestimmt. Mit meinem mir eigenen Pflichtgefühl lasse ich es auch nicht liegen, was ich kurz erwogen hatte. Diverse preussische Vorfahren mendeln schließlich in meinen Genen herum und lassen mich nicht einfach so umkehren! En garde!

Mit eingezogenem Nacken nähere ich mich wie im Windkanal meinem Paket. Wundersamerweise lässt es sich leicht öffnen, und durch eine Böe fliegt mir der Inhalt entgegen. Stangen aus Carbon und seidiger Stoff, – ein Drachen! Kaum erkenne ich den Inhalt, faltet er sich auseinander und wird zu meinem Erstaunen hoch gewirbelt. Die Schnüre sind daran befestigt und verheddern sich zuerst vor meinen Augen. Ich ergreife die Spulen, die sich blitzschnell abwickeln und ich sehe die Fäden immer länger werden. Ich stehe mit dem Rücken zum Wind, und mein Gedächtnis öffnet eine Schublade: Die Erinnerung an die Versuche eines Freundes, mir die Geheimnisse eines Lenkdrachens näher zu bringen. Es ist aufregend. Ich bin gefordert, hellwach und erinnere mich… Wie ist das noch? Nicht mit den Armen herumrühren in der Luft, die Hände schmal beieinander halten, und: Konzentration! Der Wind wirbelt den Drachen mal nach links und wie im Tanz wieder nach rechts. Ich steuere ihn durch die Luft. Jetzt zieht er an mir und ich kämpfe wild entschlossen mit den Launen des Drachens. Meine früheren Übungen zeigen Wirkung,- ich behalte die Kontrolle. Nach Minuten dieses Spiels vergesse ich, dass ich eigentlich Fluganfänger bin. Links, rechts, links… Alles scheint zweitrangig, und wie lange ich dort stehe weiß ich nicht mehr.

Illustration von Frauke Schreiner

(c) Frauke Schreiner

Das Gefühl, das ich auf dem Heimweg habe, erfüllt mich mit Stolz und macht mir beste Laune. Das eroberte Paket habe ich unter den Arm geklemmt und sehe dabei reichlich zerzaust aus. Der Wind,- was für ein Element! Nicht ohne Mitgefühl für Pinguine aber mit dem Gefühl, es mir redlich verdient zu haben, gönne ich mir jetzt eine heiße Tasse Tee.
Mit Schuss…

Frauke Schreiner

 

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