Entdecke deine Werte

Entdecke deine WerteAus dem vorigen Blogeintrag weißt du schon einiges über Werte.

Auf die Theorie folgt nun die Praxis, denn wahrscheinlich hast du dir nach dem letzten Artikel gedacht: „Ist ja alles recht und schön, aber woher weiß ich denn nun, was meine Werte sind???“

Deine Werte erkennst du an deinen Handlungen

Alles, was du „einfach machst“, ohne dich großartig damit auseinanderzusetzen, entspricht deinen Werten.

Notiere dir daher als ersten Schritt alles, was dir absolut leicht fällt und alles, was du machst, ohne dass es dir jemand sagen muss – und zwar ohne die Notizen gleich zu bewerten.

Ob du das Verhalten magst oder nicht spielt für das Entdecken der Werte keine Rolle. Und es ist auch egal, ob du stattdessen lieber etwas anderes tun wolltest oder solltest – notiere dir einfach, was du gerne, leicht und/oder immer wieder tust.

Da könnte dann zum Beispiel stehen:

  • Acrylbilder malen
  • Fernsehen – am liebsten „Gilmore Girls“, „The Mentalist“ und „Star Trek Voyager“ 😉
  • Früh morgens durch den Wald laufen
  • Bücher über Astrophysik lesen
  • Hemden bügeln
  • Selbstgespräche führen
  • Klavier spielen

Und danach fragst du dich, welcher Wert für DICH damit verbunden ist.

Acrylbilder malen: Kreativität, aber auch Lebensfreude und Freiheit.

Fernsehen: Gemütlichkeit auf dem Sofa; Sicherheit – ich muss nicht raus, um Menschen zu beobachten; Interesse an Kommunikation; Unterhaltung/Ablenkung

Morgens durch den Wald laufen: Alleinsein, Naturverbundenheit, Selbstversunkenheit, Freiheit

Du erinnerst dich: Werte sind Umschreibungen für die Kriterien, die wir zur Beurteilung von Handlungen haben.

Man erkennt die Werte daran, dass sie ganz oft auf auf -heit und -keit enden und dass aus einem Eigenschaftswort wie z. B. „frei“ ein Hauptwort – „Freiheit“ – gemacht wird.

Deine Werte erkennst du am Text deiner „Inneren Stimme“

Ich habe eine innere Stimme, die sagt mir immer mal wieder: „Das kannst du nicht!“

Sie sagt auch Dinge wie:

„Das ist nichts für dich.“

„Das ist zu gefährlich.“

„Das bringt doch nichts.“

„Das kannst du dir nicht leisten.“

Ich könnte mir vorstellen, dass nicht nur ich so einen inneren Miesmacher habe.

Notiere wieder ein paar Verhaltensweisen und insgeheime Wünsche – und zwar genau die, bei denen dich deine innere Stimme „ausbremst“.

  • Alleine verreisen – „Ist nichts für dich.“
  • Ein Buch schreiben – „Wozu soll das gut sein?“
  • Lehrerin werden – „Kannst du nicht.“
  • einen Marathon laufen – „Du??? Niemals!“

Das kann dich auf die Spur von für dich wichtigen Werten bringen, die du NOCH NICHT lebst.

Alleine verreisen: Unabhängigkeit, Freiheit, Abenteuerlust, Herausforderung, …

Ein Buch schreiben: Lernen, Wissensvermittlung, Kreativität, Ruhm, Anerkennung, …

und so weiter…

Deine Werte erkennst du …

… indem du dich fragst:

„Was mag ich/mag ich nicht?“

„Was finde ich schön/hässlich?“

„Was kann ich gut/gar nicht?“

„Wo klicke ich ‚Like‘, wo ‚Dislike‘?“

Was steckt bei dir hinter solchen (meist nicht ganz bewussten) Entscheidungen?

Falls du Koalabären absolut großartig findest, dann ist es vielleicht die Kuscheligkeit und Anhänglichkeit. Bei Delfinen eher die Eleganz und Unabhängigkeit. Bei Eisbären die Kraft und die Einsamkeit.

Wenn du gotische Kirchen schön findest, ist es womöglich die Geradlinigkeit, Berechenbarkeit und Klarheit. Bei englischen Landschaftsgärten die Ordnung und Natürlichkeit. Bei Einkaufszentren die Betriebsamkeit und gleichzeitig die Anonymität.

Was bringt es dir nun, wenn du deine wichtigsten Werte kennst?

Zunächst einmal finde ich es schon mal sehr spannend, den eigenen Werten überhaupt einen Namen geben zu können. Denn es macht einen Unterschied, ob du ein kritisches Telefonat nicht führst, weil du dich nicht traust oder ob du weißt, dass das nicht mit deinem wichtigen Wert „Sicherheit“ zusammengeht.

Solange du dich „nicht traust“, gibt es keine Möglichkeit, etwas zu ändern. Wenn du dir aber dein Sicherheitsbedürfnis „erlaubst“, dann kannst du die Situation so gestalten, dass die Hürde für dich viel kleiner wird. Mir hilft es zum Beispiel, kritische Gespräche nicht am Telefon, sondern mit dem Gesprächspartner an einem Tisch (am besten bei einer Kanne Kaffee und einem Erdbeerkuchen) zu führen. Mir gibt es viel Sicherheit, den Anderen zu sehen (wenn auch z. B. nur per Videobild am PC).

Was brauchst du, um bei dem, was du tust, mit deinen Werten übereinzustimmen?

Und was kannst du ganz einfach gleich heute umsetzen?

Auf welchen deiner Werte wirst du in den nächsten Tagen besonders achten?

Was du nicht tun solltest!

Du solltest nicht versuchen, einen deiner Werte „loszuwerden“. Und es ist auch keine gute Idee, dein Wertesystem „mal eben“ völlig neu zu gestalten. Denn deine Werte sind ein entscheidender DER entscheidende Teil deiner Identität! Experimente damit führen unter Umständen zu einer gewaltigen „Identitätskrise“. Und das brauchst du nun wirklich nicht!

Deine Werte verändern sich ganz von selbst in ihrer Wichtigkeit über die Lebenszeit. Mit fünfzehn steht etwas anderes im Vordergrund als mit fünfzig. Aus meinen gut vierzig Lebensjahren kann ich aber sagen, dass keine völlig neuen Werte auftauchen – nur ändert sich die Gewichtung mit der Zeit.

Was du aber tun kannst, wenn du deine Werte jetzt besser kennengelernt hast, ist, bewusst immer wieder mal an den Rand deiner Komfortzone („mag ich“ – „mag ich nicht“) zu gehen und so deinen persönlichen Spielraum innerhalb deiner Werte ein bisschen ausweiten. Und wie immer beim Selbstcoaching sind mehrere kleine Schritte in einem eher alltäglichen Bereich für den Anfang am sinnvoller als eine große überfordernde Veränderung.

 

Ich hatte schon seit einer Weile vor, über Werte zu schreiben. Den Anstoß, es jetzt zu tun, hat die Blogparade von Nicole Zöbl in ihrem Blog „Werte (er)leben“ gegeben.

 

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine
Christine Winter

 

PS: Die Beispiele, die ich im Text gegeben habe, sind nicht alle von mir – welche meine eigenen sind, sag ich nicht.  😛

 

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ein sehr hilfreicher Beitrag 🙂
    Schön finde ich, wie durch diese Betrachtung, die Miesmacher-Stimme, einen ganz anderen, deutlich positiveren Stellenwert bekommt.

    Wünsche Dir ein schönes Wochenende!

    • Im Grunde ist es der Job der Miesmacher-Stimme, darauf hinzuweisen, dass etwas (noch) nicht passt. Wenn wir das zu persönlich nehmen verpassen wir die Gelegenheit, es passend zu machen – oft braucht es dafür nämlich gar nicht so viel…

      Es freut mich, dass dir der Artikel hilft. Am Montag kommt noch ein weiterer Beitrag zu diesem Thema.

  2. Hallo Christine!

    Danke für diesen tollen Beitrag zu meiner Blogparade und es freut mich für deine LeserInnen, dass du eine Serie daraus machst. Ich finde es auch richtig gut, dass du auf die Miesmacher eingehst – die sollten unsere „Freunde“ sein, weisen sie uns doch so einiges auf 😉 Alles Liebe, Nicole

    PS: Freu mich schon auf den nächsten Beitrag zu diesem Thema.

    • Die „Miesmacher“ sind eigentlich – also, wenn man sie sich mal ganz genau anhört – die Stimmen unserer inneren Ratgeber. Sozusagen „die Sprache aus dem Bauch heraus“. Dummerweise haben diese inneren Sprecher nie gelernt, dass es unendlich viel motivierender wirkt, wenn ein Ziel positiv formuliert wird. Und so klingen sie immer schrecklich nörgelig, unzufrieden und negativ, weil sie es nicht besser wissen…

      Danke Nicole, dass du mit der Blogparade meine Gedanken mal wieder auf meine Werte gelenkt hast.

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