Zum Beispiel Peter

Oder: Wie guckt man sich ein kommunikativeres Verhalten ab?

 

Neu aufpoliert – erstmals erschienen am 28. August 2014.

Zum Beispiel PeterNehmen wir mal an, du möchtest unkompliziert mit Leuten in Kontakt kommen. Und nehmen wir weiter an, du hast einen Freund, dem das ganz mühelos gelingt.

Mit deiner eigenen Heran­gehens­weise findest du es eher mühsam, mit jemandem unge­zwungen ins Gespräch zu kommen.
Und deswegen möchtest du es jetzt mal so probieren wie Peter.

 

Du überlegst, was euch beide voneinander unterscheidet. Und es wird dir schnell klar: Peter ist Raucher. Und man weiß ja, dass Raucher leicht Kontakte knüpfen – viele behaupten sogar, dass sie nur deswegen rauchen, weil das so schön gesellig ist.

Also macht das Rauchen gesellig. Haste mal ne Zigarette für mich?

Kippe macht kommunikativ – oder etwa nicht?

Hypothesen sind dazu da, dass man sie in Frage stellt. Beispielsweise mit der Frage, ob die Zigarette Peter dabei hilft, in Kontakt zu kommen – oder ob sie einfach „nur zufällig dabei ist“ und gar nicht ausschlag­gebend für die Situation ist.

Andere Überlegungen könnten sein,

  • dass Peter sich ganz unkompliziert zu einem Grüppchen (zum Beispiel zu Rauchern) dazugesellt,
  • dass Peter gerne in die Stammkneipe geht und sich dort „wie daheim“ fühlt und verhält,
  • dass Peter Menschen mag und daher immer und überall offen für ein Schwätzchen ist,
  • dass Peter sich unwohl fühlt, wenn er nicht im Mittelpunkt steht und daher immer und überall potenzielle Bewunderer(innen) um sich schart.

Die Liste kannst du beliebig erweitern. Du kennst deinen Freund Peter schließlich besser als ich. 🙂

Ich behaupte jedenfalls, dass du nicht definitiv weißt, ob es dich kommunikativer macht, wenn du rauchst.
Was du beobachten kannst, ist lediglich, dass Peter raucht und Kontakte knüpft.

Wie findest du den Unterschied, der den Unterschied macht?

Bei einfachen Handgriffen reicht es, das zu imitieren, was du bei jemandem beobachten kannst, und darauf zu achten, ob du dann das gewünschte Ergebnis erzielst.
Bei komplexeren Vorgängen hilft dir das wahrscheinlich nicht weiter.
Kommunikation ist ein sehr komplexer Vorgang…

Du könntest Peter bitten, sich von dir beobachten zu lassen, wie er mit einer Gruppe Fremder ins Gespräch kommt. Vielleicht beobachtest du dann sowohl, wie er vor der Kneipe rauchend steht, als auch, dass er in der Kneipe ohne Zigarette mit Leuten Kontakt aufnimmt. Und er kriegt das jeweils bestens hin.

Damit hast du zwar gesehen, dass es nicht die Zigarette ist, die den Kontakt schafft. Aber du hast nur erreicht, dass deine Hypothese sich erledigt hat. Peters Geheimrezept ist nach wie vor geheim.

Du nimmst deinen Mut zusammen und fragst Peter, was er macht.
Und er wird wahrscheinlich antworten: „Nix besonderes. Ich gehe halt hin und fange ein Gespräch an. Ist doch ganz einfach.“

Hmmmm… Nun wird es kniffelig.

Tu so als ob

Zuschauen allein reicht nicht, um hinter Peters Strategie zu kommen. Ihn zu fragen ist auch schwierig, weil er sich seiner Fähigkeit – die dir fehlt – gar nicht bewusst ist.

Um ein Gefühl dafür zu kriegen, worin der Unterschied zwischen dir und Peter liegt, kannst du für eine Weile so tun, als ob du er wärst – und am eigenen Leib erleben, was er erlebt. Verhalte dich wie er, bewege dich wie er, rede wie er, meinetwegen rauche auch wie er. Merk dir dabei erst mal alles, was dir auffällt, ohne es gleich zu bewerten bzw. abzulehnen.

Wenn du mehrere Faktoren ausgemacht hast, die wirken könnten, probiere aus, was du davon weglassen kannst. So wirst du möglicherweise feststellen, dass die Zigarette für den Erfolg tatsächlich irrelevant ist. Dafür ist aber Peters offene Körperhaltung, seine entspannte Stimmung und die lockere Sprache von Bedeutung.

Sei du selbst

Nun hast du Peters Geheimnis ein Stück weit gelüftet. Aber noch ist es seine Fähigkeit – und sie fühlt sich für dich fremd an. Das macht die Kontaktaufnahme auch wieder schwierig, denn dein Gegenüber spürt gleich, dass du dich unwohl fühlst.

Daher ist der nächste Schritt, zu prüfen, welche Teile von Peters Strategie für dich passen. Vielleicht fühlt sich die offene Körperhaltung ganz gut an und kannst dich auch ein wenig entspannen. Aber die lässige Sprache von Peter kriegst du beim besten Willen nicht hin. Dann nimm dir das, was dir passt und vergiss, was dir nicht entspricht. Nicht, weil es nicht wirken würde, sondern weil es bei dir nicht wirken wird.

Ganz schön aufwendig!?

Du findest das ganz schön aufwendig und eigentlich hast du gar keine Lust, so viel Zeit mit Peter und den Rauchern und Nichtrauchern vor und in der Kneipe zu verbringen? Außerdem bist du eh viel lieber allein und läufst durch den Park, statt dir vor der Kneipe die Beine in den Bauch zu stehen und den Zigarettenqualm im Rauchereck zu inhalieren?

 

Herzlichen Glückwunsch! Du hast soeben etwas wichtiges über dich erfahren: Um dich wohl zu fühlen, brauchst du weder eine Zigarette noch einen lässigen Smalltalk vor der Kneipe. 😉

 

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine
Christine Winter

 

PS: Vielleicht war deine Forschungsarbeit ja doch nicht umsonst. Denn erstens verstehst du Peter jetzt ein bisschen besser. Und zweitens verstehst du dich selbst ein bisschen besser. Und drittens hast du erfahren, dass du dich mit einer offenen und entspannten Haltung in der Kneipe wohler fühlst – und dass dir das hilft, ein Gespräch anzufangen.
Wenn du darauf Lust hast.

 

 

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