FAQ: Was mache ich, wenn der Arzt/Psychologe/Logopäde keine Ahnung von Selektivem Mutismus hat?

Vorneweg: Es gibt eine Reihe von Therapeuten, die für Selektiven Mutismus in Fortbildungen Wissen gesammelt haben und die Erfahrungen mit der Therapie von selektiv mutistischen Menschen (meistens vor allem bei Kindern) haben.

Links zu Listen von spezialisierten Therapeuten findest du in der Therapeuten-Verzeichnis-Übersicht.

Es ist zwar bedauerlich, aber nicht selten, dass Fachleute aus Medizin und Psychologie noch nie etwas von Selektivem Mutismus gehört haben.

Und es ist, wenn wir Betroffenen ehrlich sind, auch nicht leicht, zu sagen, was den Selektiven Mutismus ausmacht. Wenn wir versuchen, zu erklären, wie es ist, dann kommen wir oft auf Begriffe, die den Fachmann auf eine falsche Fährte führen können. Und der denkt dann erst mal an die unterschiedlichen Angststörungen oder an Depressionen, an Störungen aus dem Autismus-Spektrum, an Zwänge, an „ist nur so eine Phase – das verwächst sich schon noch“ oder an „ist halt schüchtern“…

Wenn du zu dem Fachmann deiner Wahl (der ganz häufig eine Frau ist) Vertrauen hast, dann könnt ihr euch gemeinsam auf den Weg machen, das Thema Selektiver Mutismus kennenzulernen.

(Die folgenden Gedanken richten sich an erwachsene Betroffene von Selektivem Mutismus. Sie lassen sich aber auch übertragen, wenn du als Elternteil für dein Kind Unterstützung suchst.)

Drei Gedanken von mir, wenn du mit einem noch Mutismus-unerfahrenen Therapeuten eine Therapie beginnst:

  • Kläre gleich am Anfang ab, ob der Therapeut sich mit dir auf den Weg machen will, obwohl es ihm die Blockade schwer machen wird.
    Vielen Therapeuten gehen leider schnell die Ideen aus, wenn ihr Patient in der Sitzung nicht spricht und abwesend wirkt – und bedauerlicherweise wird dann schnell von „fehlender Therapiebereitschaft“ und „Widerstand gegen die Therapie/den Therapeuten“ geredet.
    Um das mal ganz klar zu sagen: Es ist nicht deine Schuld, wenn du in der Therapiesitzung eine Blockade erlebst! Ein Therapeut, der dir das Gefühl gibt, dass du dafür verantwortlich bist, hat dich und dein Problem absolut nicht verstanden und wird dir deshalb auch nicht weiterhelfen können.
  • Bitte den Therapeuten, sich Informationen zu holen. Und biete an, dass ihr euch darüber austauscht und du so mithilfst, damit deine Therapie für dich ein Erfolg wird.
    Das machen nicht alle Therapeuten – und wenn du den Eindruck hast, dass du dich mit deinem Problem an die Möglichkeiten des Therapeuten anpassen sollst, weil er nicht darauf eingeht, mit dir zusammen etwas über dein Selektiven Mutismus zu lernen, dann passt ihr für eine erfolgversprechende Therapie vielleicht nicht so richtig zusammen.
  • Gib dem Therapeuten alle Informationen darüber, was du genau erlebst, wenn du in der Blockade bist. Deine Erfahrungen und deine Wahrnehmungen sind enorm wichtig, damit ihr gemeinsam am Thema arbeiten könnt. Ich glaube sogar, dass der Therapieerfolg davon abhängt, wie konkret du dem Therapeuten vermitteln kannst, wie es ist, Mutismus zu haben.

Wenn du den Eindruck hast, dass es dich überfordern wird, auf diese Weise an deiner Therapie mitzuwirken, dann wende dich an die erfahrenen Therapeuten, die das Störungsbild kennen und schon erprobte Lösungen anbieten können.

Ich wünsche dir in jedem Fall einen Therapeuten, der auf dein individuelles Erleben eingeht und niemals auf die Idee käme, dass du nicht an einer Therapie interessiert bist, wenn du mal nicht mit dem Therapeuten sprechen kannst.

Ich wünsche dir vor allem, dass du dir Hilfe holst – denn es ist mit Unterstützung so viel leichter, die Sprechblockaden loszuwerden.

 


 

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