Ideen leben

Wenn das Pferd tot istWir sind mittendrin in der Jahreszeit der Vorsätze, Jahresmottos, Pläne und Konzepte.

Klar, das macht man so zum Jahreswechsel. Rückblick und Ausblick, das sind traditionelle Beschäftigungen, wenn das alte Jahr geht und das Neue ganz neu daherkommt.

Da passt die Frage von Eva Laspas gerade ausgezeichnet: „Zu Tode geplant? – Planung ja oder nein?“

 

Evas Frage nach zu Tode geplanter Planung hat mich an diesen Spruch erinnert:

Wenn dein Pferd tot ist, steig ab.

 

Hast du schon mal ein Ziel totgeritten? Oder eine Idee zu Tode geplant?
Ich schon.

 

Wenn ein Projekt tot ist…

Eine neue Idee vibriert vor Lebendigkeit. Sie will in die Welt, will möglichst viel erleben, will ganz neue Möglichkeiten erkunden und braucht nur eine ungefähre Richtung, um lustig und neugierig in die Welt hinaus zu hopsen.

Einer solchen neuen, neugierigen Idee ist es völlig gleichgültig, ob sie zu einem Ergebnis kommen wird. „Erfolg“ sagt ihr nichts – das ist etwas für später, wenn die Idee seeehr alt geworden ist.

Jetzt, als nagelneue Idee möchte sie einfach nur spielen. Spaß haben. Tanzen. Und etwas erleben. Irgendwas.

Dann kommt der Mensch daher. Und der Mensch hat gelernt, dass Erfolg wichtiger ist als Spiel und Spaß. Dafür ist er sehr lange zur Schule gegangen.

Der Mensch hat die Regeln gelernt: „Von nichts kommt nichts.“ Oder: „Nur „gut“ ist längst nicht gut genug.“ Und: „Ziele müssen SMART formuliert sein.“ Oder noch besser: „Ein Projekt braucht eine klare Struktur und einen Zeitplan.“

Die kleine Idee erstarrt. Kein Spaß. Kein Tanz. Kein Abenteuer.
Sie zieht sich ganz still in sich zurück und hofft, dass sie schnell vergessen wird.

Doch der Mensch gibt keine Idee auf, die er einmal gehabt hat.

Und während die Idee alle Energie bereits verloren hat, steckt der Mensch eine Mordsarbeit in die Planung des Projektes.
Listen, Diagramme, Kalender, Produktivitäts-Apps, Gantt-Charts…

Es gibt so viele Möglichkeiten, eine Idee zu quälen, obwohl sie praktisch tot ist.

Was dabei rauskommt? – Nicht selten eine Totgeburt. Leider.

Ideen wollen tanzen

Wenn du jetzt wissen möchtest, warum die arme kleine Idee so lange von ihrem Menschen gequält wird, während der Mensch sich selbst durch die Idee quält…
Ich glaube, wir Menschen haben vergessen, dass Ideen nur dazu da sind, zu spielen und zu träumen und zu tanzen.
Wie kleine Kinder. Bevor man ihnen den Ernst des Lebens beibringt.

Was tut eine Idee, wenn sie nicht eingefangen und in einen Plan gesteckt wird?

Ich hatte letztens eine. Und ich habe der Idee ihre Freiheit gelassen. Habe ihr beim Tanzen zugesehen. Mit ihr darüber gelacht, wie wild sie war. Gestaunt darüber, wie sie eine neue Welt entdeckt hat. Und gelächelt, als sie mir gezeigt hat, wie wir gemeinsam ganz ohne Struktur, Plan und Diagramm zu einem Ergebnis kommen, das wir beide erst entdeckten, als es da war.

Verrückt, oder?

Ich habe die Idee gefragt, was passiert, wenn ich sie in eine Struktur pressen will.

Sie hat mich fragend angeschaut. Hat die Stirn gerunzelt. Dann wurde sie ganz still und farblos.

Und ich habe sie ganz schnell zum Tanzen aufgefordert. Wir sind wild durch die Gegend gesprungen – da wurde sie sehr hell, farbig und glänzend. Und ich musste gar nichts machen, sondern habe mich von ihr begeistern lassen, während sie mir die Schritte ihres Tanzes zeigte.

Wir sind nicht zum Ziel gekommen.
Denn wir hatten keines.

Da war nur diese Idee. Neugierig und glänzend.
Und aus der Idee entstand etwas. Etwas, das aus einem Plan, einer Liste oder einem Diagramm niemals hätte entstehen können.

Aus der Idee entstand dieser Text hier. Und die Idee tanzt munter um mich herum, während ich ihn tippe. Denn ihr fallen tausenderlei Sachen ein, die zu meinen Worten passen. Ein Gedanke bunter und fröhlicher als der andere.

Lustig, oder?

Ich habe die Idee gefragt, was ich mit toten Ideen machen soll.

Sie hat mich angelächelt. Hat die Hände wie eine Schale vor sich gehalten. Dann hat sie sie zum Mund gehoben – und sanft hineingeblasen.

Als die ganze tote Idee im Wind wehte, fing sie an zu tanzen. Die Hände weit oben fing sie neue, glitzernde Ideen-Teilchen ein und ging mit ihnen auf einen ganz neuen, unerforschten Weg voller Möglichkeiten.

Ich habe es ausprobiert. Habe alle Ideen, die längst ihre Energie verloren hatten, genommen und in den Wind gepustet. Dort wirbeln sie nun lustig herum – ohne Ziel und ohne Termin. Und der größte Teil davon wird einfach davonwehen. Ich kann die Ideen-Teilchen vergessen, weil sie nichts mehr für mich bedeuten.

Und ich kann das eine oder andere Teil einer früheren Idee wieder einfangen. Bunt glitzernd und ganz neu. Voller Energie. Voller Möglichkeiten.

Phantastisch, oder?

Eine Frage bleibt: Brauche ich einen Plan? Oder kann ich mein Leben mit meinen Ideen durchtanzen, einfach so?

Meine Antwort (für diesen Moment – vielleicht ist sie schon mit der nächsten Idee eine andere): Ich brauche einen Plan, weil ich es nicht anders gelernt habe.

Und zwar nicht für das ganze Projekt – da kann ich der Idee vertrauen, solange sie genügend Energie hat, um immer neue Möglichkeiten einzufangen.

Ich brauche einen Plan für meine Routinen – für das, was ich jeden Tag oder jede Woche immer gleich mache. Denn es ist mühsam, immerzu neu zu entscheiden, wie ich den Tag ordnen will. (Wobei eine gute Idee die Routine schon mal durcheinanderwirbeln kann.)

Und ich brauche eine Art Plan für den einen nächsten Schritt, der heute dran ist. Genau genommen ist das gar kein Plan, weil er nur einen einzigen kleinen Aspekt einer großen Idee enthält. Genau genommen treffe ich eine Entscheidung für den einen Schritt, den ich heute für eine Idee unternehmen werde – und wenn der Schritt entschieden ist, dann schreibe ich ihn in den Kalender.

Die Idee mag es, wenn ich einen klitzekleinen Aspekt dadurch wertschätze, dass ich ihn in meinen Tag schreibe und mir die Zeit nehme, ihn zu verwirklichen. Das gibt ihr Energie und sie strahlt noch ein bisschen mehr.

Schön, oder?

Ich werde immer mehr Ideen haben, als ich brauche.

Und du?

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine
Christine

 

Ach ja, noch was…

Nachdem dieser Text geschrieben – oder wahrscheinlich sollte ich besser sagen: die Idee zuende getanzt 😉 – war, bin ich noch über ein paar bedenkenswerte Gedanken zum Thema Planung und Projekte gestolpert:

Für persönliche Vorhaben und für die eigene Entwicklung ist es wichtig, die Energie einer Idee zu nutzen und möglichst schnell mit der Umsetzung zu beginnen. Die allerbeste Zeit für eine neue Idee ist JETZT. Denn wenn man alleine an einem Projekt arbeitet, dann kann man jederzeit beim Tun korrigieren, was sich als nicht so zielführend erweist. Wenn die ganze Umsetzungsenergie erst mal für eine akribische Planung draufgeht, kommt dabei oft nicht mehr viel rum.

Für berufliche/unternehmerische Ziele, an denen mehrere Menschen mitarbeiten, ist „einfach machen“ und unterwegs korrigieren nicht unbedingt der richtige Weg. Denn bei vielen Beteiligten geht es ohne Koordination nicht.
Dafür sind die Projektplanungs-Methoden entwickelt worden. Und da machen sie Sinn – manche mehr, andere weniger.

Dennoch „tötet“ so eine strukturiert-technische Projektplanung auch viele Unternehmens-Pläne und Team-Ideen.
Traurig, wenn das Vorhaben schon früh an Energiemangel gestorben ist und dennoch – weil man einen genauen Plan entwickelt hat – unerbittlich bis zum Schluss durchgezogen wird.

Wenn dein Pferd tot ist: Absteigen!

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