Ich schreibe jetzt einen richtig schlechten Blogartikel…

Mach mit bei der Mutismus-Fragebogen-StudieIch schreibe heute einen richtig schlechten Blogartikel…
Da staunst du, gell? 😉

Erst schreibe ich monatelang gar nichts Neues – und dann sowas.

Tja, was soll ich sagen. Nach meinter geplanten Mittwinter-Schreib-Pause hat sich in mir drin eine ordentliche Blog-Blockade aufgebaut. Und mit jeder Woche ohne neuen Blogartikel wurde es noch schwerer für mich, überhaupt nur ans Schreiben zu denken.

Wenn du auch schon mal eine Blockade hattest (egal zu welchem Thema), dann kennst du das…

Wie aus einer kleinen Aufgabe eine unauflösliche Blockade wird

Du hast gerade keine Lust, also beschließt du, dich jetzt nicht auch noch mit dem (gefühlt) unangenehmen Blockade-Thema zu befassen.

Im Hinterkopf entsteht der Gedanke, dass du eigentlich gar kein Problem damit hättest haben solltest, dein Blockade-Thema sofort und mühelos zu erledigen.

Ganz unauffällig schleicht sich die Idee in dein Hirn, dass du dich schon wieder mal davor drückst, eine ganz leichte Aufgabe mal eben schnell hinter dich zu bringen.

Und dann: Das schlechte Gewissen. Peng!

All die viele „Ich müsste…“, „Eigentlich hätte ich längst … erledigt haben sollen…“, „Wenn ich doch nur … schon früher gemacht hätte…“, „Wusste ich doch gleich, dass das so eh nichts werden kann…“

Das schlechte Gewissen hat ein einziges Ziel. Es macht klar, dass von Anfang an klar war, dass DU das NIEMALS hinkriegst.

Jetzt wird es paradox: Du versuchst, dem schlechten Gewissen zu begegnen, indem du dich mehr anstrengst, über die Blockade hinwegzukommen. (Die Hoffnung dahinter ist: Wenn das schlechte Gewissen deine gute Absicht sieht, dann wird es aufhören, noch mehr Druck zu machen.) Das schlechte Gewissen will aber gar nicht, dass du dich anstrengst.

Das schlechte Gewissen geht von Vornherein davon aus, dass du es nicht schaffen wirst. Diese Idee hat es vermutlich entwickelt, als du noch ein kleiner Wuzel in einer zu großen Pampers warst und tatsächlich einen Haufen Sachen noch nicht schaffen konntest. Du warst zu jung, zu klein, zu unbeholfen, zu schwach oder zu grobmotorisch – du warst eben ein kleiner niedlich-tollpatschiger Wuzel von vielleicht zwei oder drei Jahren.

Das schlechte Gewissen sieht dich immer noch so. Und wenn du dich arg anstrengst, dann lächelt es milde und sagt: Lass mal, das wird doch eh nichts. Dafür bist du zu klein (oder tollpatschig oder hilflos oder wasauchimmer).

Und weil du weißt, dass dein schlechtes Gewissen dich schon sehr lange und sehr gut kennt, glaubst du ihm das natürlich. Und schwupps – da ist sie zugeschnappt, die Blockade-Falle.

Ich bin in die Blockade-Falle getappt

Aus: „Ich müsste mal wieder einen neuen Text schreiben“ wurde: „Das wusste ich doch gleich, dass ich heute keine Idee finde“ und schließlich „Mir fällt halt einfach nichts mehr ein“ – gefolgt von der Erkenntnis: „Ich bin mitten in einer riesigen Schreibblockade“.

Das schlechte Gewissen brachte mich dazu, dass ich mich mit dem Thema quälte. Dabei lächelte es nur wissend darüber, dass das eh nichts werden würde.

Ich habe zwischendurch schlicht vergessen, dass ich überhaupt einen Blog habe. (Das glaubst du jetzt vielleicht nicht – aber es ist ganz leicht, so ein Blockade-Thema in den hintersten Winkel des Gedächtnisses zu schieben, so dass das schlechte Gewissen es nicht mehr sehen kann.)

Und wenn die Erinnerungsfunktion im digitalen Kalender daran erinnerte, dass mal wieder Blog-Tag war, dann hatte ich blitzartig ganz stichhaltige Gründe, warum ich jetzt gerade unmöglich einen Text schreiben konnte.

Die guten Gründe bezeichnet das schlechte Gewissen gemeinerweise als „Ausreden“ – aber egal. Hauptsache, die Aufgabe verschwindet ganz schnell wieder in den hintersten Gedächtnis-Winkeln.

„Ich hab’s vergessen.“ Als Kind wurde ich immer bestraft, wenn ich diese scheinbare Ausrede bei Hausaufgaben, Zimmeraufräumen, Auf-den-kleinen-Bruder-Aufpassen etc. gebracht habe.

Heute glaube ich: Das war tatsächlich die Wahrheit. Ich war in die Blockade-Falle gestolpert, das schlechte Gewissen hatte mich unter Druck gesetzt – und mein Gedächtnis hat dann die – wegen der Blockade – eh nicht machbare Aufgabe so tief im Hirn versteckt, dass ich sie tatsächlich vergaß.

Denn genau so ging es mir seit Mitte Januar mit dem Bloggen: Ich hab’s vergessen! (Und alle Erinnerungen – egal ob von digitalen Erinnerern oder von lieben Freundinnen und lieben Leserinnen – habe ich schnellsmöglich ebenfalls verdrängt.)

Paradoxe Situationen brauchen paradoxe Lösungen

„Wenn etwas nicht funktioniert, mach was anderes!“

Den Satz sage ich gelegentlich im Coaching, wenn ich jemandem aus einer Blockade helfe.

Wenn andere das Problem haben, sagt sich das leicht.

Wie sollte ich denn schreiben, wenn ich nicht wusste, worüber? Und wenn mir ein Thema einfiel, dann war sofort klar, dass das eh niemanden interessieren würde. Oder dass es nicht für den Stille-Stärken-Blog geeignet ist. Oder dass ich da eh nichts dazu zu sagen habe. Oder einfach keine Lust…

Wenn etwas nicht funktioniert, mach was anderes – aber was den bitteschön um alles in der Welt?

Es war doch völlig klar: Ich bringe keinen guten Blogartikel mehr fertig.

Und dann die Idee (die zugegebenermaßen gleich von mehreren lieben Menschen mehrfach wiederholt wurde, weil ich da niemals selber drauf gekommen wäre): Dann schreib‘ eben einen schlechten Blogartikel. Punkt.

Es hat funktioniert

In dem Moment, als klar war, dass der Text schlecht werden MUSS, war die Blockade nur noch relativ klein.

(Okay, zugegeben, ich habe mich trotzdem nochmal drei Tage lang von meinem schlechten Gewissen quälen lassen. Es hat in Endlosschleife darauf hingewiesen, dass ich nun wirklich eeeewig nichts geschrieben hatte. Als ob ich daran jetzt noch etwas hätte ändern können…)

Heute bin ich dann ganz mühelos über die kleine Blockade gehüpft: Ich habe einfach in eine leere Datei geschrieben:

„Ich schreibe jetzt einen richtig schlechten Blogartikel…“

Da staunst du, gell? 😉

Erst schreibe ich monatelang gar nichts Neues – und dann sowas.

Und schwupps, da war er. Der richtig schlechte Blogartikel. 😉

Es ist buchstäblich – also Buchstabe für Buchstabe, aber richtig flott – hervorgesprudelt. Irgendwie hatte er wohl nur darauf gewartet, dass ich mich nicht länger mit „ich müsste“ und „eigentlich hätte ich längst … gesollt“ und „war ja klar, dass ich das nie schaffe“ und „ich hab’s vergessen“ beschäftige, sondern einfach mache.

Wenn ich ehrlich bin: So war’s bisher bei allen meinen Blockaden.

Und wie ist das bei dir so? Welche einfachen oder paradoxen Tricks hast du auf Lager, wenn du dich in eine Blockade gebracht hast?
Ich freue mich über einen Kommentar von dir (oder einfach ein kurzes „Hallo, ich bin noch da“).

Wäre doch gelacht, wenn unsere Blockaden entscheiden würden, was wir machen, oder?

Sei du selbst, lass die anderen anders sein.
Deine
Christine

 

PS:
Ich bedanke mich von Herzen: Bei dir, wenn du zwischendurch nachgefragt hast, wann’s denn wieder neue Texte gibt – oder auch, wenn du immer wieder zum Nachschauen hier im Blog vorbeigekommen bist. Und bei Maike und Benita, die als meine wundervollen „In-den-Hintern-Treterinnen“ in den letzten Tagen aktiv dafür gesorgt haben, dass dieser Blogartikel endlich entstanden und online gegangen ist.

Übrigens…

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